Gemeinsame Streaming-Plattform : ARD-Vorsitzender Wilhelm offen für Kooperationen

Die ARD erteilt den Streaming-Plänen von ProSiebenSat 1 und Discovery zwar keine direkte Absage, betont aber zugleich die Unterschiede.

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, leitet als ARD-Vorsitzender zugleich die Geschicke des öffentlich-rechtlichen Senderverbundes.
Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, leitet als ARD-Vorsitzender zugleich die Geschicke des öffentlich-rechtlichen...Foto: Jan Woitas/dpa

ARD-Direktor Ulrich Wilhelm zeigt sich offen für eine von verschiedenen Sendern gemeinsam betriebene Streaming-Plattform. Es gebe derzeit interessante Entwicklungen, die man sich anschauen werde, sagte er nach einem Treffen der Intendanten am Dienstag in Berlin mit Blick auf die am Vortag von den Fernsehkonzernen ProSiebenSat.1 und Discovery angekündigten gemeinsamen senderübergreifende Mediathek. Zugleich stellte Wilhelm für die ARD klar: „Wir werden auf unterschiedlichen Plattformen, in unterschiedlicher Ausgestaltung mit ganz verschiedenen Partnern arbeiten.“

Der ARD-Direktor wies zugleich darauf hin, dass das Bundeskartellamt vor einigen Jahren die Internetplattform, auf der ARD und ZDF (Germany's Gold) TV-Inhalte zum Abruf anbieten wollten, nicht genehmigt hatte. Die Sender wollten damals einheitliche Preise vereinbaren und gemeinsam über Umfang und Dauer der Abrufbarkeit entscheiden. In den Plänen sah das Bundeskartellamt unzulässige Einschränkungen des Wettbewerbs. Dies werde berücksichtigt bei den Überlegungen zu pragmatischen Wegen, um zusammen mit Partnern größere Reichweiten zu erzielen. Er ging davon aus, dass es in diesem Jahr noch die eine oder andere interessante Entwicklung dazu geben werde.

Wilhelm beklagt digitale US-Dominanz

Wilhelm beklagte zugleich, dass Europa im digitalen öffentlichen Raum vollständig der Dominanz einiger weniger Unternehmen aus den USA unterliege, die die Kontrolle über den Algorithmus und somit über die Sichtbarkeit von Inhalten aller Art hätten. Es leuchte ihm nicht ein, dass „so etwas in Europa nicht auch als ein großes Projekt angepackt“ werden könne. Dafür bedürfe es aber eines Aktes, „der weit über die Medien hinaus“ gehe.

Am Montag hatten die Fernsehkonzerne ProSiebenSat.1 und Discovery mit, dass sie mit einer gemeinsamen Streaming-Plattform für Deutschland Diensten wie Amazon Prime Video und Netflix Konkurrenz machen wollen. Das neue Angebot soll die senderübergreifende Mediathek 7TV, das Video-on-Demand-Portal Maxdome und den Eurosport Player integrieren. RTL, ARD und ZDF sind eingeladen, sich anzuschließen, um „einen deutschen Champion zu schaffen“, wie der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat.1 Group, Max Conze, erklärte. Die neue Plattform soll in der ersten Jahreshälfte 2019 starten und in den ersten zwei Jahren zehn Millionen Nutzer gewinnen. Die zuständigen Kartellbehörden müssen dem Vorhaben noch zustimmen. epd

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