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Einmalige Chance. Mit dem Gründungsexperten Felix Thönnessen, Ex-Hartz-IV-Empfängerin Ilka Bessin und Heinz Buschkowsky, Ex-Bürgermeister von Neukölln (v.li.).
© MG RTL D / Gordon Mühle

RTL-Doku über Hartz-IV-Empfänger: Heinz Buschkowsky statt Stütze

Von wegen: „Die wollen doch gar nicht arbeiten“. In einer RTL-Doku gibt der Neuköllner Ex-Bürgermeister Hartz-IV-Empfängern einen Koffer voller Geld.

Familie Metz aus Sachsen geht es nicht gut. Nur 1400 Euro im Monat, der Vater, ein arbeitsloser Maurer mit Bandscheibenvorfall, sitzt im Winter nachts bis um zwei, drei Uhr im Haus, um die Räume warm zu kriegen. Kein Geld für Heizungsreparaturen. Da kommt ein Mann mit Wintermantel und weißem Schal und stellt einen Koffer voll Geld vor die Haustür. 24 000 Euro. Was wird die Familie mit dem Geld anfangen? Oder anders herum gefragt: Schaffen Familien den Sprung aus der Sozialhilfefalle, wenn sie ihre kompletten Hartz IV Jahresbezüge auf einen Schlag bekommen?

Diese Frage wollen in einer neuen RTL-Doku Ex-Hartz-IV-Empfängerin Ilka Bessin, Gründungsexperte Felix Thönnessen („Höhle der Löwen“) und eben jener Mann mit weißem Schal beantworten: Heinz Buschkowsky, Ex-Bürgermeister von Berlin-Neukölln, 69, einer der bekanntesten und wohl auch umstrittensten Politiker in und aus der Hauptstadt.

Bundesweit bekannt wurde Buschkowsky 2004 mit der These „Multikulti ist gescheitert“. Als Bürgermeister eines Berliner Bezirks mit einem hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund vertritt er einen Mittelweg zwischen staatlichen Förderungen und Sanktionen, war Gast in jeder zweiten Talkshow zum Thema und scheint sich damit für diesen neuen TV-Job empfohlen zu haben. TV-Karriere nach der Polit-Karriere.

5,05 Millionen Menschen in Deutschland beziehen Hartz IV. 75 Prozent der Kinder in Neukölln leben in Hartz-IV-Familien. „Neukölln ist überall“, sagt Buschkowsky. Prima, sagt sich RTL, das ist genau der richtige Mann für dieses Doku-Entertainment-Format. Die drei Experten beobachten die beschenkten Familien auf deren Touren und Wegen, greifen nur ein, wenn Hilfe erforderlich ist.

Oder verpulvern sie das Geld für materielle Wünsche?

Da sitzt dann Buschkowsky zwischen Bessin und Thönnessen und spricht mahnende Worte, wenn Vater Metz am ersten Tag innerhalb von 60 Minuten weit über 1000 Euro im Supermarkt lässt. Während seine beiden Kollegen den Versteher geben, fordert Buschkowsky von den Familien, „dass sie den festen Willen haben, raus aus der Lethargie zu kommen“. Er gibt den Skeptiker, und damit wohl auch so manches Vorurteil in der arbeitenden Bevölkerung wieder. Von wegen: „Die wollen doch gar nicht arbeiten“.

Das Thema Hartz IV polarisiert, genauso wie Buschkowsky. Es bedeutet für Millionen Menschen ein Leben im Abseits. Die wurden von Privatsendern schon öfters ins Licht geholt. Man kann RTL nicht vorwerfen, dass es sich der Sender zu einfach macht, wie bei Scripted-Reality-Formaten, wo die Fälle schon mal frei erfunden waren, trotz klebriger Musik und dräuender Cliffhanger-Kommentare aus dem Off.

Die Frage ist ja evident. Drei Familien erhalten die einmalige Chance, ihr Leben mit der Starthilfe von bis zu 33 000 Euro selbst in die Hand zu nehmen. Nutzen sie nun ihre Chance und gründen ein eigenes Unternehmen oder verpulvern sie das Geld für materielle Wünsche? Die erste Folge macht nicht allzu viel Mut, was das Nutzen dieser Chancen betrifft. Da hat Heinz Buschkowsky noch einiges zu belehren.

„Zahltag! Ein Koffer voller Chancen“, Dienstag, RTL, 20 Uhr 15

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