„Kommissar Dupin“ : Leiche zum Frühstück

Keine Reisen, kein Tourismus: Das ist die Stunde der Land-und-Leute-TV-Krimis wie „Kommissar Dupin“.

Es gibt unliebsamere Arbeitsorte. Das Stammcafé von Kommissar Dupin (Pasquale Aleardi) hat geschlossen.
Es gibt unliebsamere Arbeitsorte. Das Stammcafé von Kommissar Dupin (Pasquale Aleardi) hat geschlossen.Foto: ARD Degeto/Wolfgang Ennenbach

Im Vergleich zur letzten Episode, als George Dupin gewissermaßen den Heiligen Gral suchte, erzählt der achte Film der Reihe um den Bretonen-Kommissar Dupin eine fast normale Krimigeschichte, selbst wenn das lange zurückliegende Verbrechen, auf das der bretonische Kommissar schließlich stößt, abscheulich ist.

Der Auftakt ist allerdings ungewöhnlich. Kaum hat Dupin (Pasquale Aleardi) auf einer Lokalterrasse Platz genommen, um seinen Morgen-Petit zu trinken, fällt ihm ein Mann vor die Füße. Der angesehene Arzt Chaboseau ist vom Balkon seiner Wohnung gestürzt. Der Kommissar pflegt zwar jede Leiche persönlich zu nehmen, aber für diesen Fall gilt das ganz besonders, zumal der Arzt sein Leben in Dupins Armen ausgehaucht hat. Um die Lösung zu finden, muss er eine Reise in die Vergangenheit unternehmen.

Natürlich sind die Bretagne-Romane von Jean-Luc Bannalec auch Krimis, aber der Erfolg der Bücher ist das Resultat einer cleveren Mischung. Mindestens so wichtig wie die Aufklärung der Fälle sind Region und Ambiente. Das gilt auch für die Filme, zumal die Produktionen an den Originalschauplätzen entstehen. Jahr für Jahr pilgern Dupin-Fans zu den in den Büchern beschriebenen Lokalitäten. Das wird im Jahr der Coronakrise und Reisebeschränkungen schwerer fallen, um so wichtiger die Land-und-Leute-Krimis im Fernsehen, ob in Bozen, Venedig, Istanbul oder eben an der Bretagne.

Die von der ARD-Tochter Degeto in Auftrag gegebene Reihe hat sich das Erfolgsrezept von Anfang an (2014) zunutze gemacht, selbst wenn „Bretonisches Vermächtnis“ in dieser Hinsicht ein wenig aus dem Rahmen fällt. Savoir-vivre, die französische Lebenskunst, spielt diesmal kaum eine Rolle („Kommissar Dupin“, Donnerstag, ARD, 20 Uhr 15).

Die Ermittlungen stehen derart im Vordergrund, dass ein Besuch von Dupins Mutter (Tatja Seibt) beinahe den Fluss der Handlung stört. Land und Leute rücken ebenfalls etwas stärker in den Hintergrund (Regie: Bruno Grass), was schade ist, weil die Landschaftsaufnahmen natürlich einen weiteren Reiz der Reihe ausmachen.

Erst mal ist quasi jeder verdächtig

Auch der Fall selbst ist nicht typisch bretonisch. Im Grunde genommen könnte die Geschichte überall spielen. Krimiversierte Zuschauer werden ohnehin früh ahnen, was sich vor drei Jahrzehnten zugetragen hat, als Chaboseau, sein kurz drauf ebenfalls ermordeter Geschäftspartner Luzel (Peter Benedict) sowie ein Dritter im Bunde (Hans-Uwe Bauer) die Grundlage ihres späteren Vermögens schufen.

Die Männer haben Concarneau zu dem gemacht, was es heute ist. Sie betrachten sich selbst „als Fels, auf dem die Stadt steht“. Während Dupin in den früheren Fällen zumeist außerhalb ermittelt hat, wirft der Film diesmal einen Blick in die Abgründe hinter den pittoresken Fassaden des florierenden Küstenstädtchens.

Davon abgesehen stand Eckhard Vollmar, der auch die Drehbücher für die beiden letzten Filme geschrieben hat, erneut vor der Herausforderung, aus Bannelecs atmosphärischer und deskriptiver Vorlage eine Krimihandlung zu kondensieren. Vielleicht orientiert sich der Film deshalb stark am handelsüblichen Krimischema, denn erst mal ist quasi jeder verdächtig, der Dupin über den Weg läuft.

Zu den Gepflogenheiten der Reihe gehören auch die kleinen Einlagen der weiteren Ensemble-Mitglieder. Die Humoresken von Jan Georg Schütte als leicht trotteliger Mitarbeiter Kadeg und das immer wieder verblüffende Netzwerk von Assistentin Nolwenn (Annika Blendl) verhindern, dass „Kommissar Dupin“ zur One-Man-Show wird. Christina Hecke ist als Lebensgefährtin des Kommissars dagegen eher unterfordert.

Während die Filme sonst gern von einer gewissen provinziellen Beschaulichkeit geprägt sind, gibt es diesmal auch schon vor dem fesselnden Finale ungewöhnlich viele spannende Szenen, in denen die vorzügliche Musik (Fabian Römer, Steffen Kaltschmid) für Nervenkitzel sorgt. Und irgendwann kann man als Fan der Serie auch wieder an Frankreichs Küste fahren.

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