MEDIA Lab : Macht die Türen auf!

Marlis Prinzing empfiehlt eine öffentliche Kommunikationswissenschaft und weist dafür auf medienwoche.ch hin

Marlis Prinzing

Claas Relotius und Co. bringen den Erzähljournalismus in die Krise, Facebookgründer Mark Zuckerberg stiehlt sich immer neu aus der Verantwortung für die Folgen der Kommunikation auf seiner Plattform.

Diese Beispiele machen uns weniger ratlos, wenn wir Befunde aus der Kommunikationswissenschaft heranziehen. Das heißt: insbesondere Kommunikationswissenschaftler sowie Medienpraktiker und -politiker müssen im Team breitere Brücken bauen zwischen Praxis und Theorie. Die bisherigen Brücken genügen nicht für Zeiten, in denen für die in der digitalen Gesellschaft möglichen Kommunikationsweisen diskutiert werden muss, wem auf welcher Grundlage welche Art von Verantwortung zuzuweisen ist.

Wie das aussehen kann, zeigt die Online-Plattform medienwoche.ch durch den Auftaktbeitrag ihrer neuen Serie kommunikationswissenschaftlicher Beiträge. Silke Fürst knüpft darin an eine klassische Forderung an: Wer glaubwürdig und vertrauenswürdig sein will, muss zeigen, wie er arbeitet. Die Forscherin argumentiert mit Studienfunden und einem Beispiel: Die niederländische Mediengruppe NRC lege redaktionelle Abwägungen offen: was ist durch Recherche gesichert, was falsch, gar keine Nachricht wert?

Kommunikationswissenschaft in den Diskurs einbringen

Die Medienwoche hat die Serie gestartet, weil Kommunikationswissenschaft ihre Analysen zum Medienwandel auch in den öffentlichen Diskurs einbringen solle. Als Autorinnen eingeladen wurden Mitglieder vornehmlich aus dem akademischen Mittelbau zweier Netzwerke in Deutschland und der Schweiz. Das hat sich der Wissenschaftsnachwuchs lange kaum getraut, weil ihm Altvordere einbläuten, das schade der Karriere. Offenbar hat auf beiden Seiten ein Umdenken eingesetzt. Das öffnet die Tür hin zu einer Öffentlichen Kommunikationswissenschaft – und ist eine der 15 Richtlinien einer „Charta Öffentliche Kommunikationswissenschaft“.

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