MediaLAB : Was läuft im Privatfernsehen? Keine Ahnung

Die Fernsehprogrammforschung der Medienanstalten wird eingestellt. Damit verschwindet der Blick auf gesellschaftlich notwendige Informationsleistungen

Joachim Trebbe
Die "Sat 1 Nachrichten" mit Marc Bator sind eine der wenigen Informationssendungen im Privatfernsehen
Die "Sat 1 Nachrichten" mit Marc Bator sind eine der wenigen Informationssendungen im PrivatfernsehenFoto: Sat 1

"Auf den Inhalt kommt es an!“ So lautet die Überschrift der Einführung zum Content-Bericht 2018 der Medienanstalten. Im Mittelpunkt stehen Beiträge, welche die privaten TV-Vollprogramme kontinuierlich analysieren. Ein Team um den Berliner Kommunikationswissenschaftler Berliner Hans-Jürgen Weiß hat diese Forschungsarbeiten (zum Teil unter Mitwirkung des Verfassers dieser Kolumne) durchgeführt.

Die Medienanstalten haben beschlossen, dies nicht mehr weiterzuführen und damit auf eine systematische Beobachtung der Programminhalte von Sat 1, RTL, ProSieben, Vox, Kabel 1 und RTL II sowie – vergleichend – von ARD und ZDF zu verzichten. Das Autorenteam erwähnt dies kurz in einem Satz. Es nimmt aber das Ende dieser langjährigen Zeitreihe zum Anlass, auf die Entwicklung der Programme in den vergangenen 20 Jahren zurückzublicken.
Zwei interessante Befunde sind, dass die privaten Anbieter vor allem das Unterhaltungsfernsehen radikal umgebaut und weiterentwickelt haben – von der Wiederholung amerikanischer Serien über Gerichts- und Talkshows hin zum inszenierten Reality- und Coaching-Fernsehen. Auf der anderen Seite zeigen die Daten, dass die politischen Informationsleistungen im Privat-TV auf „niedrigstem Niveau stagnieren“ – bei RTL II und Kabel 1 sind es seit Jahren durchschnittlich etwa vier, respektive acht Minuten pro Tag.

"Rundfunk" verliert an Bedeutung

Vermutlich ist es so, dass das lineare und in Mediatheken verfügbare Fernsehen als „Rundfunk“ an Bedeutung verlieren wird und andere, netzbasierte Berichterstattungsformen und Akteure in der politischen Informationsgebung und der gesellschaftlichen Debatte wichtiger werden. Dafür braucht es systematische, medienübergreifende Untersuchungs- und Beschreibungskonzepte – unter Einschluss des Fernsehens. Der Verzicht darauf bedeutet den Verlust eines kritischen Blicks auf gesellschaftliche Informationsleistungen. Fatal, denn: Auf den Inhalt kommt es schließlich an.

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