Nun auch nach deutschem Recht : Radios in Neuwagen künftig nur mit Digitalempfang

Der digitale Radiostandard DABplus hat sich bislang nur schleppend verbreitet. Eine Entscheidung des Bundeskabinetts könnte das nun ändern.

Autoradios in Neuwagen müssen künftig mindestens eine digitale Empfangsart unterstützen. Das könnte der Verbreitung von DABplus insgesamt auf die Sprünge helfen.
Autoradios in Neuwagen müssen künftig mindestens eine digitale Empfangsart unterstützen. Das könnte der Verbreitung von DABplus...Foto: Jörg Carstensen/dpa

Autoradios und höherwertige Geräte müssen künftig den Empfang digitaler Signale ermöglichen. Entsprechende Pläne von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat das Bundeskabinett am Mittwoch verabschiedet. „Unser Ziel ist die größere Verbreitung des digitalen Hörfunks, der mit geringeren Frequenzressourcen auskommt und die Angebotsvielfalt erhöht“, erklärte Altmaier.

Einen bestimmten Übertragungsstandard gibt der Entwurf zur Anpassung des Telekommunikationsgesetzes grundsätzlich nicht vor. Diese Entscheidung solle dem Markt und den Hörern überlassen bleiben. Radiogeräte in Neuwagen müssen den Plänen zufolge jedoch digital-terrestrischen Rundfunk empfangen können, wozu etwa der Standard DABplus gehört. Bei allen weiteren von der Neuregelung betroffenen Geräten sollen auch andere digitale Verbreitungswege zulässig sein, also zum Beispiel die Übertragung über das Internet.

In deutsches Recht umgesetzt

Mit dem Entwurf wird die vom europäischen Parlament im Dezember 2018 beschlossene sogenannte Interoperabilitätsverpflichtung für Autoradios, eine Art Digitalradio-Pflicht für Neuwagen, in deutsches Recht umgesetzt. Sie müssen demnach neben der analogen Ultrakurzwelle (UKW) auch Digitalradio empfangen können. Eine entsprechende Regelung sieht auch der Koalitionsvertrag von Union und SPD vor.

Die Marktdurchdringung von Digitalradiogeräten verlaufe in Deutschland im Gegensatz zu anderen EU-Mitgliedstaaten schleppend, heißt es in dem Referentenentwurf aus dem Wirtschaftsministerium. Die Regelung soll neben Autoradios in Neuwagen für alle neuen Apparate gelten, die den Programmnamen anzeigen können. Ausgenommen sind Geräte, bei denen der Hörfunkempfang eine reine Nebenfunktion hat, also zum Beispiel Smartphones und Anlagen von Funkamateuren.

In Deutschland wird über die Zukunft des Radioempfangs gestritten: Während die öffentlich-rechtlichen Sender auf eine Abschaltung von UKW zugunsten von DABplus drängen, fordern die Privatradios, zunächst weiter auf analoge wie digitale Verbreitungswege zu setzen. Laut dem jüngsten Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten verfügen 17 Prozent der deutschen Haushalte über ein DABplus-fähiges Empfangsgerät. UKW bleibe für die lineare Verbreitung von Radioprogrammen der dominierende Übertragungsweg, stellte der Bericht fest. IP-Radios, auch WLAN-Radios genannt, gebe es mittlerweile in jedem neunten Haushalt. epd

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