Öffentlich-Rechtliche in der Krise : Warum die Oma im Hühnerstall Motorrad fährt

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat ein Fragezeichen bekommen. Und die Zuversicht in den Sendern schwindet. Ein Kommentar.

Die Hühner sind schon da, jetzt fehlt nur noch die Oma auf dem Motorrad im Hühnerstall.
Die Hühner sind schon da, jetzt fehlt nur noch die Oma auf dem Motorrad im Hühnerstall.Foto: dpa

Das „Umweltsau“-Video ist ganz mickrige Satire – und ein ganz großes Symptom. Dafür, wie Teile der Nutzer und Beitragszahler den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland sehen, dafür, wie ein Teil (ein Großteil?) der Mitarbeiter das eigene System betrachtet. Vor dem WDR gab es Proteste gegen die „Oma-Verarsche“, im WDR Proteste gegen Intendant Tom Buhrow, der den öffentlichen Kotau machte.

Das Selbstverständliche, das Selbstverständnis, mit dem ARD, ZDF und Deutschlandradio ihre jährlich acht Milliarden Euro Einnahmen in Programm umsetzen, schwindet. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist nicht in der Fragwürdigkeit angekommen, beileibe nicht, aber ein Fragezeichen hat er bekommen.

Nicht nur in Deutschland, folgt man dem Reuters Trend Report 2020. Nach den Ergebnissen für 32 Länder liegt in den öffentlich-rechtlichen Anstalten die Zuversicht in eine positive Zukunft ins eigene Unternehmen bei nur noch 46 Prozent. Schnell sinkende Einschaltquoten für lineare Sendungen, wachsende Konkurrenz von Netflix und Spotify, Drohungen und Angriffe rechtspopulistischer Kreise, Budgetkürzungen in Ländern wie Dänemark, Australien und Großbritannien werden zur Begründung genannt.

Oma im öffentlich-rechtlichen Hühnerstall

Wie wohl die Werte für ARD, ZDF und Deutschlandradio aussehen? Herrschen auch dort Angst und Bange? Wahrgenommen werden können Unsicherheit und Unsensibilität. Kaum wird über die nächste Beitragserhöhung diskutiert, setzen die Intendanten zur Jammerei an, das Geld reiche vorne und hinten nicht. Kaum setzt Kritik an Böhmermanns „Ziegenficker“-Schmähgedicht oder am „Umweltsau“-Video ein, wird nach Schutz und Solidarität gerufen.

Ja, die Zeiten sind für die „Öffis“ rauer geworden, die Wertschätzung der Public-Value-Produzenten gesunken. Aber warum? Die Sender und ihre Mitarbeiter suchen – quasi zur Selbstbestätigung – die Antworten draußen. Und drinnen? Vor gut einem Jahr wurde das „Framing“-Manual der ARD bekannt. Da stand drin: „Wir nehmen jeden ernst – auch deine Oma.“ Die fährt seitdem im öffentlich-rechtlichen Hühnerstall Motorrad.

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