Spreewaldkrimi: Interview mit Christian Redl : „Wir mussten auf alles gefasst sein“

Schauspieler Christian Redl über die Arbeit mit einem Wolf im „Spreewaldkrimi“, den Tod und Corona-Stubenarrest.

„Der Wolf ist ein unberechenbares Raubtier, und kein Schäferhund, mit dem man spielen kann.“ Um den Wolf anzulocken, wurde Christian Redl, dem Darsteller von Kommissar Thorsten Krüger, im „Spreewaldkrimi: Zeit der Wölfe“ Leberwurst auf die Hand geschmiert, die das zuvor scheue Tier dann genüsslich abschleckte (ZDF, Montag, 20 Uhr 15).
„Der Wolf ist ein unberechenbares Raubtier, und kein Schäferhund, mit dem man spielen kann.“ Um den Wolf anzulocken, wurde...Foto: ZDF und Arnim Thomaß

Christian Redl, 72, wuchs in Kassel auf, absolvierte eine Schauspielausbildung in Bochum. Zu seinen Stationen gehören Wuppertal, Frankfurt, Bremen und Hamburg. Dabei arbeitete er mit Regisseuren wie Claus Peymann, Peter Zadek und Luc Bondy. Am Montag ist Redl im neuen „Spreewaldkrimi: Zeit der Wölfe“ zu sehen (ZDF, 20 Uhr 15).

Herr Redl, wie sieht Ihr Tag in der Corona-Situation aus?

Ich versuche dem Stubenarrest seine guten Seiten abzugewinnen. Lesen, schreiben, einkaufen, wenn es sein muss… und einmal am Tag Fahrrad fahren.

Wir stark schränkt Sie das Kontaktverbot bei der Ausübung Ihres Berufes ein, oder anders gefragt: Wie viele Dreharbeiten mussten bereits ausfallen?
Dreharbeiten in Kroatien sind ausgefallen. Ansonsten ist alles offen, auch wann es weitergeht mit dem Spreewald-Krimi.

Es wird viel über Aufhebung der Einschränkungen gesprochen. Wie könnte die „neue Normalität“ für Schauspieler aussehen?
Sie könnte so aussehen, dass man das Team-Personal beim Drehen radikal reduziert. Sowohl das Drumherum, als auch die Anzahl der Schauspieler. Ob das etwas bringt, oder dann auch wirklich funktioniert, da habe ich meine Zweifel.

Sie sind ja auch als Musiker und Sprecher von Hörspielen tätig. Ist das ein Ausgleich für die nicht stattfindenden Dreharbeiten?
Zur Zeit liegen auch da keine Angebote vor.

„Zeit der Wölfe“ ist der zwölfte „Spreewaldkrimi“. Wie sehr hängen Sie an der Rolle des Thorsten Krüger?
Ich würde sagen, er ist mir wirklich ans Herz gewachsen. Ich habe ja viel mit ihm erlebt, und ich denke, dass die Figur noch lange nicht auserzählt ist – trotz meines fortgeschrittenen Alters.

Und wie stark hängen Sie an dieser sehr besonderen ZDF-Reihe mit ihren ineinander verwobenen Zeitebenen inmitten der mystischen Landschaft des Spreewalds?
Die ereignisreichen, und immer sehr aufregenden Dreharbeiten tief im magisch-mystischen Spreewald würde ich sehr vermissen, wenn es nicht mehr weitergehen würde. Die Region ist für mich zu einem zweiten Zuhause geworden, und ihre Menschen sind mir ans Herz gewachsen.

Für Kommissar Krüger in „Zeit der Wölfe“ wäre das Kontaktverbot möglicherweise nicht einmal das ganz große Problem. Er hat sich in einen Bauwagen mitten im Spreewald in die Selbstisolation begeben. Was ist der Grund? Das wird selbst für Fans der Reihe nicht ganz klar, da der letzte „Spreewaldkrimi“ anderthalb Jahre zurückliegt.
Krüger ist der geborene Einzelgänger. Er ist gern mit sich und seinen Gedanken allein, und er empfindet es auch nicht als Verlust, wenn er nicht täglich Menschen um sich hat.

Warum bereitete ihm dann besonders dieser Fall so große Probleme?
Weil er seine intuitiven, fast seherischen Fähigkeiten verloren hat, die Visionen, die ihm komplizierte Zusammenhänge erkennen ließen.

In der neuen Episode geht es in mehrfacher Hinsicht um Wölfe, auch um den einsamen Wolf. Kommt die Krimireihe nun dort an, wo ihr Thorsten Krüger schon immer war?
Wohl wahr. Er wird zu dem, der er im eigentlichen Sinne immer gewesen ist: zu einem einsamen Wolf.

Ein Stück weit nimmt ein Schauspieler sich selbst zu jeden Dreh mit. Man gewinnt den Eindruck, hier blicken sich zwei einsame Wölfe Auge in Auge, und es gibt eine Seelenverwandtschaft. Gilt das auch für Sie?

Eine sehr intime Frage, die ich mit ja beantworten möchte.

Wie gefährlich waren die Dreharbeiten mit einem echten Wolf?

Der Wolf ist ein unberechenbares Raubtier und kein Schäferhund, mit dem, man spielen kann. Wir mussten auf alles gefasst sein und Vorsicht walten lassen.

Welche Rolle spielt für Sie das Alter? Sie sind vor einer Woche 72 Jahre alt geworden.

Generell kann ich sagen, dass das Alter auch Vorteile mit sich bringt. Ich mache mir weniger Sorgen, nehme vieles nicht mehr so wichtig und habe in der besonderen Situation mit einem echten Wolf schlicht weniger Angst.

Was halten Sie von der mitunter geäußerten Forderung nach Corona-Selbstisolation von Risikogruppen, also auch von älteren Menschen?
Die halte ich durchaus für vernünftig.

Gehören Sie zu den Menschen, die sich Gedanken über den Tod machen, oder ignorieren Sie bewusst dieses Thema?
Der Tod ist mein täglicher Begleiter. Ich versuche ihn als Freund zu sehen, der mich eines Tages zu sich nimmt.

Ganz kurz wird im Film auch das Thema Pensionierung gestreift. Die Reihe geht doch hoffentlich nicht ihrem Ende entgegen, oder?
Nach meiner Information ist das nicht vorgesehen. Ich denke, das ZDF wird uns weitermachen lassen.

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