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Staatsschauspieler und Kommissar im „Polizeiruf“ : Wolfgang Winkler ist tot

Bekannt wurde er einem Millionenpublikum durch seine Rolle als Kommissar im „Polizeiruf 110“. Jetzt ist Wolfgang Winkler mit 76 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Schauspieler Wolfgang Winkler
Schauspieler Wolfgang WinklerFoto: imago images/Michael Schöne

Die Schauspielerkarriere des Wolfang Winkler war von Wegen und Umwegen gekennzeichnet, ehe sie zum Staatsschauspieler und zum populären Fernseh-Kommissar führte. Geboren 1943 in Görlitz, begann Winkler eine Ausbildung als Lokführer, parallel gründete er das Kabarett "Die Zwecken". Rasch wurde klar, dass sein Platz nicht im Lokstand, sondern auf auf der Bühne war.

1962 bewarb er sich bei der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam, 1965 debütierte er am Görlitzer Gerhart-Hauptmann-Theater in Shakespeares "Sommernachtstraum", im gleichen Jahr und mit nur 21 Jahren holte ihn Regisseur Kurt Maetzig für das Drama "Das Kaninchen bin ich" vor die Kamera. Der Film, der sich kritisch mit dem SED-Sozialismus und insbesondere mit deren Strafjustiz auseinandersetzte, kam sofort in den Giftschrank - erst nach der Wende erlebte Winkler die Uraufführung. Die Filmhochschule in Potsdam schasste ihn, allerdings aus dem Grund, dass der Schauspielschüler nebenbei ohne Genehmigung Rollen angenommen hatte.

Schwieriges Verhältnis zu Peter Sodann

Die Filmkarriere hatte sich für Winkler erst einmal erledigt, er ging an die Theater in Görlitz und Zittau, 1967 gelang der Sprung ans Hallesche Landestheater. Winkler spielte sich durchs Repertoire, nebenher erhielt er immer wieder kleinere und größere Fernsehrollen, etwa in Inszenierungen des Fernsehtheaters Moritzburg und in Egon Schlegels Kinderfilm "Das Pferdemädchen".

Als Intendant Horst Schönemann mit seinen Schauspielern nach Berlin ging, wurde Wolfgang Winkler quasi in Halle "vergessen". Das Verhältnis mit dem neuen Schauspieldirektor Peter Sodann blieb schwierig, Winkler kündigte, der Ruf nach Berlin kam wieder nicht, in den Wendewirren verschlug es Winkler ans "neue theater" in Halle.

Im eigentlich schon gesetzten Schauspieleralter von 50 Jahren wendete sich das Blatt. Wolfgang Winkler wurde Staatsschauspieler in Dresden, das Fernsehen meldete sich mit gewichtigen Engagements: 1992 spielte er in Frank Beyers "Das große Fest", zwei Jahre später neben Manfred Krug in der Serie "Wir sind auch nur ein Volk" nach Drehbüchern von Jurek Becker.

1996 der Umschlag in die große Popularität: Zusammen mit Jaecki Schwarz bildete er das Kommissars-Duo im "Polizeiruf 110", das in Halle und Umgebung und vornehmlich in Nachwende bedingten Fällen ermittelte. Dieser "Polizeiruf 110" kümmerte sich um Verlierer im Osten, ohne in Ostalgie zu machen.

Der normale Kommissar Schneider

Wolfgang Winkler spielte Hauptkommissar Herbert Schneider, eine Rolle, in der sehr viel Winkler steckte, wie der Schauspieler zu Protokoll gab: "Er trifft den Ton, er ist immer normal, er ist nie artifiziell. Das ist 'ne große Kunst, so zu spielen." 50 Mal spielte Winkler den Schneider, ehe 2013 der MDR seinen "Polizeiruf 110" mit Sylvester Groth und Claudia Michelsen neu besetzte.

Aber die gewonnene Fernseh-Popularität brachte gleich eine weitere Hauptrolle mit sich, von 2015 bis 2019 spielte Winkler in der ARD-Vorabendserie "Rentnercops" an der Seite von Thilo Prückner den aus dem Ruhestand zurückgeholten Kommissar Günter Hoffmann. Die seriös agierenden mit leicht komischen Unterton Polizisten waren bei Wolfgang Winkler in besten Händen. Und die reiche Beschäftigung beim Fernsehen wird den Schauspieler darüber hinweg getröstet haben, dass es mit einem Theaterengagement in Berlin nie klappen wollte.

Am Samstag ist Wolfgang Winkler nach einem Krebsleiden gestorben. Er wurde 76 Jahre alt.

Der Mitteldeutsche Rundfunk kündigte an, in Gedenken an den Schauspieler das Programm zu ändern. Am Montagabend soll im MDR noch einmal ein „Polizeiruf“ mit Schwarz und Winkler gezeigt werden, sagte eine Sprecherin.

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