Streamingdienste im Juli : Viel Leid und Tod auf Abruf

Bei Amazon, Netflix und Sky gibt es in der Sommermonaten weniger Neustarts. Dafür aber interessante Premieren an anderer Stelle.

Viel Tod und Trauer nicht nur in „Sløborn“: Auf der Nordseeinsel bricht die Taubengrippe aus, die noch tödlicher ist als Corona (großes Bild). Der Plot zu der Serie, die im Juli in die ZDF-Mediathek kommt, wurde bereits vor zwei Jahren entwickelt.
Viel Tod und Trauer nicht nur in „Sløborn“: Auf der Nordseeinsel bricht die Taubengrippe aus, die noch tödlicher ist als Corona...Foto: ZDF und Krzysztof Wiktor

Glücklich ist in den Sommermonaten der Serienfan, der in den Vormonaten nicht jeden Neustart gleich am ersten Wochenende per Binge-Watch in einem Rutsch verschlungen hat. Er kann sich zum Beispiel bei Netflix ein paar Tage länger auf die Auflösung der letzten Rätsel der deutschen Mystery-Serie „Dark“ freuen oder nun in aller Ruhe die Ausstrahlung der letzten Folgen der dritten Staffel der Science-Fiction-Serie „Westworld“ in der deutschen Synchronfassung abwarten. Denn auch bei Streamingdiensten wie Amazon Prime, Disney+, Netflix oder Sky sind echte Serien-Premieren in der Ferienzeit spärlicher gesät. Immerhin gibt es (noch) einige interessante Neuheiten – und an anderer Stelle sogar echte Free-TV-Premieren spektakulärer TV-Serien.

An der mangelnden Zahlungsbereitschaft des deutschen TV-Publikums liegt es jedenfalls nicht, wenn in der Sommerzeit das Neustart-Tempo gedrosselt wird. Inzwischen nutzt jeder zweite Onliner kostenpflichtige Videostreaming- Dienste. Eine repräsentative Umfrage des Digitalverbandes Bitkom ergab, dass 53 Prozent der Internetnutzer Filme und Serien über Bezahldienste anschauen. Im Vorjahr waren es erst 42 Prozent.

17 Euro im Monat durchschnittlich

Durchschnittlich geben die Abonnenten dieser Dienste dabei 17 Euro im Monat für Filme und Serien auf Abruf aus. „Während der Corona-Pandemie verbringen viele Menschen mehr Zeit zu Hause – das hat Videostreaming einen zusätzlichen Schub gegeben“, erklärt sich Bitkom-Experte Sebastian Klöß diesen erstaunlichen Zuwachs.

Die größte Bereitschaft, für On-Demand-Portale zu zahlen, gibt es bei den Jüngeren. Fast zwei Drittel der 16- bis 29-jährigen Internetnutzer (63 Prozent) schauen hin und wieder Serien und Filme über diese Dienste. Aber selbst in der Altersgruppe der 50- bis 64-jährigen Internetnutzer zahlt mehr als jeder Zweite (51 Prozent) für Videostreaming.

In der Sky-Serie „Gangs of London“ muss Sean Wallace (Joe Cole) das Mafia-Erbe seines Vaters verteidigen.
In der Sky-Serie „Gangs of London“ muss Sean Wallace (Joe Cole) das Mafia-Erbe seines Vaters verteidigen.Foto: Sky

Der Pay-TV-Anbieter Sky, der gerade seine sportlichen Ambitionen im Bereich Bundesliga-Fußball und Formel 1 unterstrichen hat, will zugleich das Unterhaltungssegment stärken – unter anderem durch eine Verdopplung der Sky Originals. Am 23. Juli startet bei Sky die in Großbritannien überaus erfolgreiche neunteilige Unterwelt-Serie „Gangs of London“, von der eine zweite Staffel bereits bestätigt wurde.

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Alles beginnt mit dem Mord an Finn Wallace (Colm Meaney), dem zuvor mächtigsten Gangster-Boss von London. In 20 Jahren hat er sein Familienunternehmen durch Drogenhandel, Geldwäsche und andere kriminelle Geschäfte an die Spitze des organisierten Verbrechens der britischen Metropole gebracht. Nun muss sein Sohn Sean (Joe Cole) den Laden zusammenhalten und sich den anderen „Gangs of London“ – angefangen von irischen Kingpins bis zur albanischen Mafia – erwehren. Regisseur Gareth Evans („The Raid“) kombiniert dabei geballte Action und Gewalt mit einem imposanten Familiendrama.

Ein Sky-Orginal als Free-TV in der ZDF Mediathek

Spannende Action aus deutscher Produktion bringt das ZDF am 11. Juli in seine Mediathek. Bei „8 Tage“ handelt es sich um ein Sky-Original von 2019, das nun erstmals im Free-TV zu sehen ist. In etwas mehr als einer Woche schlägt ein gewaltiger Asteroid im Westen Frankreichs ein, selbst in Berlin ist man nicht vor der Katastrophe geschützt. Soll man sich in sein Schicksal fügen oder nach einem Ausweg suchen? Vor dieser Aufgabe stehen die Protagonisten der hervorragend besetzten Serie, zu deren Cast unter anderem Christiane Paul, Mark Waschke, Fabian Hinrichs, Nora Waldstätten, Henry Hübchen, Devid Striesow und Murathan Muslu gehören.

Damit ist der Katastrophenmonat in der ZDF-Mediathek aber noch nicht vorbei. Am 23. Juli geht es mit der achtteiligen Serie „Sløborn“ weiter, und zwar mit einem Plot, der – obwohl schon vor zwei Jahren entwickelt – stark an die Corona-Pandemie erinnert. Es geht um eine fiktive, weltweit grassierende Taubengrippe, die innerhalb von acht Tagen das Leben auf der beschaulichen Insel Sløborn in einen Alptraum verwandelt, da dieses Virus sogar noch letaler als Covid-19 ist. „Sløborn“ erzählt davon, wie es sein könnte, wenn ein Virus das Leben einer Inselgemeinde innerhalb von wenigen Tagen auf den Kopf stellt.

Der ewige Kampf Gut gegen Böse

Mit einer Premiere startet Netflix am 2. Juli in den neuen Monat. Die Horrorserie „Warrior Nun“ basiert auf den Comics von Ben Dunn aus den 1990er Jahren. Eine Jugendliche – die 19-Jährige Ava (Alba Baptista) erwacht eines Tages in einer Leichenhalle. Sie ist nicht nur von den Toten zurückgekehrt, sondern verfügt obendrein über Superkräfte, die sie als Mitglied des Ordens des Kreuzschwertes im Kampf gegen das Reich der Dämonen einsetzen kann. Der Krieg Gut gegen Böse tobt sein Jahrhunderten – und seither werden junge Frauen zu Dämonenjägerinnen ausgebildet. Die erste Staffel der neuen Serie hat zehn Episoden, gedreht wurde sie in Spanien.

In der Netflix-Serie „Warrior Nun“ kämpfen Nonnen mit Superkräften seit Jahrhunderten gegen Dämonen. Fotos: Promo
In der Netflix-Serie „Warrior Nun“ kämpfen Nonnen mit Superkräften seit Jahrhunderten gegen Dämonen. Fotos: PromoFoto: Netflix

Amazon Prime setzt mit „Hanna“ ebenfalls auf die Kraft junger Frauen. Am 3. Juli startet die zweite Staffel der Serie mit Esmé Creed-Miles in der Titelrolle. Im Rahmen eines geheimen CIA-Projekts wurden Kinder durch genetische Manipulationen zu Superkämpfern modifiziert.

In der ersten Staffel wird Hanna Stück um Stück mit dieser Wahrheit konfrontiert, in der Fortsetzung stellt sich heraus, dass sie mit diesem Schicksal nicht allein war. Nachdem sie einst selbst selbst befreit wurde, versucht Hanna nun andere wie ihre Freundin Clara (Yasmin Monet Prince) zu befreien. Zumindest der Monat Juli lässt sich mit diesem Streamingangebot gut überstehen, zumal es auch noch einige neue Filme gibt.

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