Youtubes neue Pläne für High-End-Serien : Rolle rückwärts

Youtube konzentriert sich bei seinen Originals auf Werbefinanzierung. Die Pläne für neue Dramen und Komödien sollen aber bestehen bleiben.

Klickstars. Die Youtuberin Bianca «Bibi» Claßen und der Rapper Olexesh.
Klickstars. Die Youtuberin Bianca «Bibi» Claßen und der Rapper Olexesh.Foto: dpa

Apple fährt Hollywoodsternchen für sein Streaming-Programm auf, Warner und Disney haben eigene VoD-Angebote angekündigt, nur Google vollzieht offenbar eine Rolle rückwärts: Ausgerechnet an dem Tag, als Apple unter großem Brimborium seinen neuen Videodienst vorstellt, meldet „Bloomberg“, Youtube habe seine Pläne für weitere High-End-Serien auf Eis gelegt. Die Google-Tochter werde keine Pitches mehr für teure Shows annehmen, heißt es unter Berufung auf Personen, die nicht namentlich genannt werden wollen. Erst im vergangenen Sommer war Youtubes neuer Abodienst Youtube Premium mit exklusiven Eigenproduktionen gestartet.

Diesen Bericht dementierte Youtube unter anderem gegenüber dem Tagesspiegel. Es seien verschiedene fiktionale Shows in der Entwicklung, die Pläne für neue Dramen und Komödien blieben unverändert. Außerdem soll ein neues werbebasiertes Modell bis zum Ende des Jahres entwickelt werden, sagte ein Youtube-Sprecher „The Verge“, eine Liste „neuer und wiederkehrender Hits“ würde in den kommenden Wochen angekündigt. Das meldet auch das Portal „Techcrunch“.

Unlängst wurde bekannt, der 1,9-Milliarden-Nutzer-Dienst wolle seine Originals vor die Bezahlschranke holen und stärker auf Werbefinanzierung setzen. Bestehende Inhalte auf Youtube Premium sollen aber weiterhin Abonnenten vorbehalten bleiben, teilte Youtube dem Tagesspiegel zuletzt mit. Das werbefreie Premium-Abo, das zwölf Euro im Monat kostet, enthält neben Youtube Music über 100 internationale Eigenproduktionen. Seit 2016 bringt Youtube eigene Serien und Filme heraus. Seit 2018 heißt das Angebot Youtube Premium.

Schranke runter, Schranke hoch

Mit Blick auf die Neustarts scheint die Devise zu lauten: Schranke runter, Schranke hoch. Die zweite Staffel der Karate-Kid-Fortsetzung „Cobra Kai“ startet am 24. April zunächst hinter der Paywall, wie jüngst die Sci-Fi-Serie „Weird City“. Die Doku „The Boy Band Con“ über den früheren Backstreet Boys-Manager Lou Pearlman (Start: 3. April) und die Musikdoku „Band together with Logic“ werden werbefinanziert, die im Frühjahr kommende Dokumentation „State of Pride“ soll ebenfalls frei verfügbar sein.

Einige Sendungen wie die Sport-Comedyshow „What the Fit“ gibt es bereits kostenlos. Bei anderen Premium-Serien hat Youtube ein bis zwei Folgen freigeschaltet, etwa bei den deutschen Produktionen „Neuland“ und „Bullsprit“. Mit dem Schritt hin zur Werbefinanzierung wolle man auf Märkte reagieren, in denen man tätig sei, hieß es von Youtube. Mit den frei verfügbaren Originals wolle man der wachsenden Nachfrage einer globalen Fangemeinde begegnen, das Publikum der Originals ausweiten und Werbetreibenden die Möglichkeit geben, über diese Inhalte die Youtube Generation zu erreichen.

Angaben zu Abozahlen macht Youtube nicht. Branchenbeobachter vermuten, dass Youtube mit seinem Bezahlangebot nicht wie erhofft reüssierte. Als erfolgreich galten jedoch Serien wie „Cobra Kai“, die jetzt fortgesetzt wird. 58 Millionen Aufrufe hat die erste freigeschaltete Folge der ersten Staffel. Bei der Vorstellung der ersten drei deutschen Originals im September in Berlin sagte Youtubes Chief Business Officer Robert Kyncl, man werde nie so viel Geld für eigene Inhalte ausgeben wie Amazon und Netflix. Man betrachte die Originals als Zusatzangebot für Nutzer, das mehr Premium-Kunden anlocken und die Markenbekanntheit steigern soll.

Hart umkämpfter Markt

Das Video-on-Demand-Terrain ist hart umkämpft: Laut einer Analyse der Marktforscher von Goldmedia teilen Amazon Prime Video und Netflix den deutschen VoD-Markt zu mehr als 60 Prozent unter sich auf. Weltweit hat Netflix fast 140 Millionen Abonnenten. In den Goldmedia-Analysen der abobasierten VoD-Abrufzahlen in Deutschland taucht Youtubes Premium-Angebot nicht auf – unter anderem, weil die Reichweite zu gering war, um das Angebot zu messen, sagt Geschäftsführer Florian Kerkau.

In einer Riege mit den klassischen Abo-Anbietern Netflix und Amazon spiele Youtube aus seiner Sicht nicht mit, sondern eher im werbefinanzierten VoD-Bereich - das Feld, das Youtube groß gemacht hat. „Youtube ist unbestrittene Nummer eins beim werbefinanzierten Streaming in Deutschland, das ist ein solides Geschäftsmodell“, sagt Kerkau. „Da muss man klar sagen: Schuster, bleib bei deinen Leisten.“ Aus ökonomischer Sicht sei die Entscheidung dann auch sinnvoll, sich auf die Werbefinanzierung zu konzentrieren.

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