ZDF-Chefredakteur Frey legt sich fest : AfD-Rechtsaußen Björn Höcke darf in keine ZDF-Talkshow mehr

„Hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg wollte schon AfD-Chef Gauland nicht mehr einladen. Jetzt legt der ZDF-Chefredakteur bei Björn Höcke nach.

Björn Höcke (links) kann nicht mehr mit einer Einladung in eine ZDF-Talkshow rechnen, Alexander Gauland wird von "Hart aber fair" nicht mehr zum Talk gebeten
Björn Höcke (links) kann nicht mehr mit einer Einladung in eine ZDF-Talkshow rechnen, Alexander Gauland wird von "Hart aber fair"...Foto: AFP

ZDF-Chefredakteur Peter Frey hat sich festgelegt. Der Politiker Björn Höcke vom Rechtsaußen-Flügel der Alternative für Deutschland (AfD) wird kein Gast mehr in einer Talkshow des ZDF sein. Laut einer Vorabmeldung der "Zeit" sagte Frey in einem moderierten Streitgespräch mit drei Fernsehzuschauern, "wir Medien haben niemanden zu erziehen".

"Aber wir müssen zeigen, wo die Grenzen demokratischer Gesinnung verlaufen", sagte Frey. Gefragt, ob der AfD-Politiker Björn Höcke für das ZDF noch ein möglicher Talkshow-Gast wäre, antwortete der Chefredakteur: "Nein." Wer Höcke im Oktober bei der Landtagswahl in Thüringen gewählt habe, habe "bewusst rechtsextrem" gewählt.

Zuletzt hatte Frank Plasberg derart auf einen AfD-Politiker reagiert, und zwar im Juni 2018 auf AfD-Chef Alexander Gauland nach dessen "Vogelschiss"-Äußerung. „Wir werden Herrn Gauland nicht mehr in unsere Sendung ,hart aber fair‘ einladen“, hatte der Moderator der ARD-Talkshow dem Tagesspiegel gesagt.

„Wer die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert, kann kein Gast bei ,hart aber fair‘ sein. Daher werden wir Alexander Gauland in Zukunft nicht mehr einladen“, hatte Plasberg die Entscheidung begründet.

Deutsche Journalisten nicht zu links

Den deutschen Journalismus hält ZDF-Chefredakteur Peter Frey nicht für zu links. "Ich kann das heutige Gerede, der deutsche Journalistenstand hätte einen rot-grünen Einschlag, nicht nachvollziehen. Ich sehe das beim ZDF nicht", sagt Frey in dem "Zeit"-Streitgespräch.

"Es stimmt einfach nicht, dass konservative Positionen auf unserem Sender keinen Platz haben", sagte Frey weiter. "Zum Glück sind die Zeiten der alten Bundesrepublik vorbei, als man im Sender wusste, wer in welches politische Lager gehörte und das Karrieren befördert hat."

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Konfrontiert mit Kritik am ZDF-Programm sagte Frey: "Wir sind zu alt geworden, nicht nur was unsere Zuschauer angeht, sondern auch beim Personal. Und wir sind nicht divers genug. Darunter leiden wir." Ein "wunder Punkt" sei, dass das ZDF zu wenige Führungskräfte mit ostdeutschem Hintergrund habe. "Ich sage meinen jungen Kollegen immer: Leute, wir leben in einer Zeit, in der es spannender ist, Korrespondent in Magdeburg zu sein als in Washington."

Frey reagierte in dem Gespräch auch auf Kritik aus dem Verein "Neue deutsche Medienmacher", wonach das ZDF zu wenige Migranten in Talkshows zu Gast habe: "Leider kriegen wir nicht alle Gäste mit Migrationshintergrund, die wir gern hätten. Manche schlagen unsere Einladung aus, weil sie nach Auftritten schon viele Anfeindungen erlebt haben. Ich finde das besorgniserregend."

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