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Anerkannte Asylberechtigte unter den Opfern : Familie aus Deutschland starb bei Flugzeugunglück im Iran

An Bord Unglücksmaschine waren auch eine afghanische Mutter und ihre zwei Kinder. Sie lebten seit 2017 in Werl. In der Stadt herrscht Betroffenheit.

Mitarbeiterin der Fluggesellschaft Ukrainian International Airline in Kiew kurz nach dem Absturz des Flugzeugs in Teheran
Mitarbeiterin der Fluggesellschaft Ukrainian International Airline in Kiew kurz nach dem Absturz des Flugzeugs in TeheranFoto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Unter den Opfern des Flugzeugabsturzes im Iran ist auch eine Familie aus Deutschland. Eine afghanische Mutter und ihre zwei Kinder, die in Werl in Nordrhein-Westfalen als anerkannte Asylberechtigte lebten, seien bei dem Unglück gestorben, berichtete der „Soester Anzeiger“.

Bei dem Unglück des Fluges PS752 der Ukraine International Airlines am frühen Mittwochmorgen nahe der iranischen Hauptstadt Teheran waren alle 176 Menschen an Bord gestorben. Die Maschine war in Teheran gestartet und sollte nach Kiew fliegen.

Laut iranischen Behörden war die Ursache ein technischer Defekt. Die USA und Kanada gehen dagegen davon aus, dass das Flugzeug von iranischen Raketen getroffen wurde. Das Unglück hatte sich unmittelbar nach den iranischen Angriffen auf US-Stützpunkte im Irak ereignet.

Der Umstand, dass unter den Toten auch in Deutschland lebende Ausländer waren, könnte möglicherweise auch die Verwirrung um mögliche deutsche Opfer erklären. Zunächst hatte der ukrainische Außenminister Vadym Prystaiko getwittert, dass bei dem Unglück auch drei Deutsche gestorben seien. Später widersprach das Auswärtige Amt: Unter den Opfern seien keine deutschen Staatsbürger, stellte das Ministerium klar.

Bei dieser Darstellung blieb ein Sprecher auch auf Nachfrage Tagesspiegels am Freitag. Den Fall der afghanischen Familie wollte er nicht kommentieren. Allerdings ist in einem solchen Fall nach internationalen Regeln diejenige Regierung zuständig, deren Staatsangehörigkeit die Opfer besitzen – in dem Fall also Afghanistan.

Im Rahmen einer Familienzusammenführung nach Deutschland gekommen

Die drei bei dem Flugzeugabsturz gestorbenen Werler hätten seit 2017 in der nordrhein-westfälischen Stadt gelebt, berichtete der „Soester Anzeiger“ unter Berufung auf den Bürgermeister Michael Grossmann. Die drei Afghanen seien damals im Rahmen einer Familienzusammenführung aus dem Iran nach Deutschland gekommen.

Der Bruder der Gestorbenen lebe schon länger in Werl. Die Mutter mit ihren Kindern sei wahrscheinlich in den Iran geflogen, um Familienangehörige zu besuchen, berichtete die Zeitung.

Gestorbene Frau machte Ausbildung zur Arzthelferin

Bürgermeister Grossmann zeigte sich im Gespräch mit der Zeitung betroffen. Er habe mehrfach die Familie persönlich getroffen. „Plötzlich bekommt die Katastrophe ein Gesicht. Das geht mir sehr nah.“ Er habe die Frau als „selbstbewusst, sympathisch und aufgeschlossen“ erlebt.

Die Frau habe eine Ausbildung zur Arzthelferin in Werl gemacht. Sie sei gut integriert gewesen, habe sehr gut Deutsch gesprochen, zitierte die Zeitung den Bürgermeister. Sie sei sehr aktiv in dem Integrationsprojekt „Garten der Kulturen“ gewesen. Die Stadt werde den Hinterbliebenen Hilfe anbieten, sagte Bürgermeister Grossmann dem „Soester Anzeiger“.

Auch Doktorandin aus Mainz unter den Opfern

Auch eine Doktorandin aus Mainz starb bei dem Unglück. Die Iranerin aus Teheran habe am Max-Planck-Institut für Polymerforschung gearbeitet, teilte das Institut mit.

Die Forscherkollegen bezeichneten sie als „brillante und begabte Doktorandin“. Sie sei eine „geschätzte Kollegin und eine liebe Freundin“ gewesen. (Tsp)

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