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Die chinesische Rakete „Langer Marsch 5B“ bei ihrem Start am 24. Juli.
© CNS/AFP
Update

Nasa kritisiert Kommunikation zu „Langer Marsch 5B“: Chinesische Rakete stürzt unkontrolliert aus Weltall ab

Beim Eintritt in die Atmosphäre zerfiel das Objekt nicht wie üblich in Kleinteile. Stattdessen schlugen große Trümmer in der Sulu-See ein. Die Nasa ist erbost.

Eine chinesische Rakete ist aus dem Weltraum kommend über Südostasien abgestürzt. Die Trägerrakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ sei am Samstag über dem Indischen Ozean in die Erdatmosphäre eingetreten, teilte die Weltraum-Abteilung der US-Armee auf Twitter mit.

Das Zentrum für Wiedereintritt-Studien (CORDS) der Aerospace Corporation in Kalifornien hatte zuvor erklärt, die Rakete habe sich um 18:45 Uhr deutscher Zeit über dem Indischen Ozean befunden. Späteren chinesischen Angaben zufolge stürzten die Überreste der Rakete in Südostasien ins Meer. Die Nasa kritisierte die zögerliche Kommunikation seitens der Chinesen.

In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung gab die chinesische Weltraumbehörde Koordinaten für ein Einschlagsgebiet in der Sulu-See, knapp 60 Kilometer vor der Ostküste der philippinischen Insel Palawan an. „Die meisten Bauteile wurden beim Wiedereintritt abgetragen und zerstört“, hieß es.

Die malaysische Raumfahrtbehörde teilte mit, sie habe Raketentrümmer beobachtet, die beim Wiedereintritt in die Atmosphäre in Brand geraten seien, bevor sie in die Sulu-See nordöstlich der Insel Borneo stürzten.

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Die US-Weltraumbehörde Nasa kritisierte Peking für den Umgang mit dem Vorfall. „Die Volksrepublik China hat keine spezifischen Flugbahninformationen weitergegeben“, sagte Nasa-Chef Bill Nelson am Samstag. Diese Art des Informationsaustausches sei aber „entscheidend für die verantwortungsvolle Nutzung des Weltraums und die Sicherheit der Menschen hier auf der Erde“.

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„Alle Raumfahrtnationen sollten sich an bewährte Praktiken halten“ und wichtige Informationen zeitig weitergeben, erklärte Neslon weiter auf Twitter. Insbesondere bei Raketen wie „Langer Marsch 5B“ bestehe durch Trümmerteile ein „erhebliches Risiko für den Verlust von Menschenleben und Eigentum“.

Rakete transportierte Modul für Raumstation „Tiangong“

Die Laufbahn der 33 Meter langen und 20 Tonnen schweren Raketenoberstufe war von Raumfahrtexperten zuvor mit Sorge beobachtet worden. China hatte von der Nasa Kritik dafür einstecken müssen, dass die Rakete beim Eintritt in die Atmosphäre nicht in kleinere Teile zerfällt, wie es internationaler Standard sei.

Beim Eintritt in die Atmosphäre entsteht immense Hitze und Reibung, was in der Regel dazu führt, dass eintretende Objekte verglühen und sich auflösen. Größere Objekte - wie schwere Trägerraketen - werden jedoch möglicherweise nicht vollständig zerstört.

Die Trägerrakete „Langer Marsch 5B Y3“ mit dem Labormodul „Wentian“ startete am 24. Juli.
Die Trägerrakete „Langer Marsch 5B Y3“ mit dem Labormodul „Wentian“ startete am 24. Juli.
© Li Gang/Xinhua/AP/dpa

China hatte das zweite von drei Modulen für seine im Bau befindliche Raumstation „Tiangong“ (Himmelspalast) mit einem Labor an Bord am vergangenen Sonntag ins All gebracht. Die Rakete „Langer Marsch 5B“ brachte das unbemannte Modul „Wentian“ innerhalb weniger Minuten in die Erdumlaufbahn.

Die chinesische Raumfahrtbehörde sprach nach dem Start von einem „vollen Erfolg“. Das neue Modul soll an das Kernmodul „Tianhe“ andocken, das im April 2021 ins All gebracht worden war. Die Raumstation „Tiangong“ soll gegen Ende des Jahres voll funktionsfähig sein und eine Lebensdauer von zehn Jahren haben.

Bereits im Jahr 2020 waren Trümmer einer chinesischen Rakete über der Elfenbeinküste abgestürzt und hatten in einigen Dörfern Schäden angerichtet. Verletzten oder Todesopfer gab es keine.

Im Mai 2021 waren Überreste einer chinesischen Rakete nahe der Inselgruppe der Malediven in den Indischen Ozean gestürzt. „Der größte Teil“ war nach Angaben von Chinas Raumfahrtprogramm beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht und zerstört worden. Schon damals gab es Kritik von der Nasa. (dpa, AFP)

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