Einmal hingeschaut : Was für eine Eselei!

Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz sollen 25.000 Fachkräfte ins Land gelockt werden. Utopia lässt grüßen! Eine Kolumne.

Ahmet Refii Dener
Ein Esel wiehert.
Ein Esel wiehert.Foto: privat

„Stirb nicht mein Esel, stirb nicht!“ Das sagt man im Türkischen und meint, dass man auf etwas wartet, was geschehen soll, aber nicht geschehen kann.

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll die Einwanderung qualifizierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Drittstaaten erleichtern. Das Gesetz tritt am 1. März in Kraft. Um wie vieles einfacher ist die Einwanderung der Fachkräfte geworden?

Es ist von der Stufe „unmöglich“ bis „sehr, sehr, sehr schwer möglich!“ auf „schwer möglich“ verbessert worden. 25.000 Fachkräfte sollen so ins Land gelockt werden. Utopia lässt grüßen!

Trotzdem ist eine Armee von Vermittlern in Richtung Türkei aktiv geworden. Zuerst müssen die Berufsabschlüsse und Diplome auf Gleichstellung geprüft werden. Sind diese mit den deutschen Abschlüssen konform? Eher nicht! Wären sie konform, muss der Kandidat/die Kandidatin nur noch Deutsch können. Eigentlich kann er/sie gleich zu Hause bleiben.

Gerade sehe ich im deutschen Fernsehen einen Bericht über eine Lackiererei, die einen Auftrag von 400.000 Euro sausen lassen muss, weil vier Arbeitskräfte fehlen. Ich könnte die fehlenden Kräfte sofort vermitteln. Jeder von denen hat sieben bis zehn Jahre Lackiererei auf dem Buckel und alle sind Top in ihrem Beruf. Manko: Weder können sie Deutsch, noch haben sie einen Berufsabschluss.

Wenn diese vier irgendwie nach Deutschland kämen – ohne Geld und ohne Deutschkenntnisse – würden sie garantiert eingestellt werden. Einen Tag Arbeit und der Chef wüsste sofort: Das sind die Richtigen! Den 400000-Euro-Auftrag könnte die Firma sofort annehmen. Der Arbeitgeber würde die vier für einen Deutschkurs anmelden – außerhalb der Arbeitszeit versteht sich. Für den Job brauchen sie anfang keine Deutschkenntnisse. Mit Handzeichen würden sie sich bestimmt untereinander verstehen. Schließlich handelt es sich um identische Handgriffe, wie überall auf der Welt. Problem gelöst. Der nächste bitte!

So wird das nichts! Deutschland verliert das Rennen um fehlende Arbeitskräfte garantiert. Da man jetzt per Gesetz von „unmöglich“ auf „sehr schwer möglich“ umgestellt hat, denkt man, die Arbeitskräfte würden in Scharen nach Deutschland kommen. Fehlanzeige!

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Ich denke in drei, vier Jahren wird man das Gesetz neu formulieren. In der Zeit werden Deutschland noch mehr ArbeiterInnen fehlen und das Land wird es schwer haben „Made in Germany“ zu liefern: „Stirb nicht mein Esel, stirb nicht!“

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