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„Le Constellation“ Bar.

© REUTERS/STEPHANIE LECOCQ

Update

Darunter viele Minderjährige: Alle Todesopfer aus Crans-Montana identifiziert

Die Bar, die für 40 Menschen zur Todesfalle wurde, war bei jungen Menschen besonders beliebt – auch Minderjährige kamen ums Leben. Die Ermittler sehen einen Anfangsverdacht gegen die beiden Besitzer.

Stand:

Die Schweizer Behörden haben sämtliche 40 Todesopfer des verheerenden Barbrandes in Crans-Montana identifiziert. Zahlreiche Opfer sind noch minderjährig. Die Jüngste war eine 14-jährige Schweizerin.

Unter den 119 Verletzten sind mehr als 70 Schweizer sowie Franzosen, Italiener, Serben und einzelne Angehörige anderer Länder. Deutsche Opfer wurden bislang nicht gemeldet.

Inzwischen sind strafrechtliche Ermittlungen gegen die beiden Betreiber aufgenommen worden. „Nach Abschluss der ersten Ermittlungen, die unter der Leitung der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis durchgeführt wurden, wurde gestern Abend eine Strafuntersuchung gegen die beiden Betreiber der Bar eröffnet“, teilte die Polizei mit.

Den Betreibern werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen.

Mitteilung der Schweizer Polizei

Weiter heißt es von den Ermittlern: „Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen“, teilte die Polizei des Kantons Wallis mit. „Es wird daran erinnert, dass bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt.“

Bei dem Brand in der Silvesternacht war nach ersten Ermittlungen durch funkenssprühende Partyfontänen Schaumstoff an der Decke in Brand geraten. Er hatte sich innerhalb kürzester Zeit ausgebreitet. Neben den Todesopfern wurden 119 Menschen größtenteils schwer verletzt.

Brandschutzexperten hatten bereits in Frage gestellt, ob die Bar genügend Notausgänge hatte und ob das Material, das unter der Decke wahrscheinlich zur Schalldämpfung installiert war, gesetzeskonform war. 

Zweifel an Einhaltung von Brandschutzvorschriften

Die Betreiber der Bar, ein französisches Ehepaar, hatten Medien gesagt, sie seien am Boden zerstört und kooperierten mit den Behörden, um die Katastrophe aufzuklären. Der Barbetreiber, ein 49-jähriger Mann, berichtete Schweizer Zeitungen gegenüber, seine Bar sei in den vergangenen zehn Jahren dreimal von Behörden kontrolliert worden, alles sei vorschriftsmäßig abgelaufen. Laut der Zeitung „Blick“ eine delikate Aussage des Franzosen, sollten seine Angaben tatsächlich stimmen.

Denn gemäß Vorschriften im Kanton Wallis seien „periodische Inspektionen“ zur Brandverhütung Pflicht. Diese müssten „alljährlich für Gebäude, die der Öffentlichkeit zugänglich sind oder die besondere Gefahren aufweisen“, durchgeführt werden.

Die Zeitung zitiert Hugo Cina, den Brandschutzexperten der etwa 30 Autofahrtminuten von Crans-Montana entfernten Walliser Gemeinde Salgesch, mit den Worten: „Öffentlich zugängliche Gebäude wie die Bar ,Le Constellation’ sind jährlich zu kontrollieren.“

Etliche Verletzte aus der Schweiz ins Ausland verlegt

Viele Opfer erlitten schwerste Brandverletzungen, die in Spezialkliniken behandelt werden müssen. Erste Verletzte wurden wegen der Überlastung der Schweizer Krankenhäuser ins Ausland verlegt, auch nach Deutschland.

Für den 9. Januar wurde in der Schweiz ein landesweiter Trauertag angekündigt. Um 14.00 Uhr sollen alle Kirchenglocken der Schweiz läuten, auch eine Schweigeminute ist geplant.

Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927–2017). Der Ort auf etwa 1500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Am 30. Januar soll hier der Alpine Ski World Cup ausgetragen werden.

Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2600 Hotelbetten, davon acht Hotels in der Luxuskategorie, und Hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr reisen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland an. Der nächste große Flughafen ist Genf. Auf dem Landweg sind es von dort aus 180 Kilometer. (dpa, Tsp)

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