Gnade für zwei Truthähne : Donald Trump, mal milde

US-Präsident Donald Trump begnadigt zwei Truthähne – und spottet über seine Gegner.

Donald Trump begnadigt vor Thanksgiving den Truthahn "Butter".
Donald Trump begnadigt vor Thanksgiving den Truthahn "Butter".Foto: imago images/MediaPunch

Donald Trump liebt Begnadigungen. Doch nicht immer findet der US-Präsident damit so viel Zustimmung wie am Dienstag. So hatte seine Entscheidung Mitte November, einen umstrittenen Elitesoldaten freizusprechen, viel Ärger ausgelöst. Doch an diesem Nachmittag darf er großzügig sein. Und daher begnadigt Trump im Rosengarten des Weißen Hauses wie bereits im vergangenen Jahr nicht nur einen Truthahn, sondern gleich beide: „Bread“ und „Butter“ dürfen nun ihren Lebensabend an der Universität Virginia Tech 400 Kilometer südlich von Washington verbringen. In der Küche des Weißen Hauses werden wohl anonyme Vögel gebraten.

Truthahn gehört zu Thanksgiving, dem amerikanischen Erntedankfest an diesem Donnerstag, wie der Tannenbaum zu Weihnachten. 88 Prozent der Amerikaner essen ihn nach Angaben der „Nationalen Truthahn-Vereinigung“ traditionell am vierten Donnerstag im November. 46 Millionen Truthähne werden dabei verspeist. Dass das so bleibt, dafür gibt die Lobby-Organisation viel Geld aus. Sie finanziert auch das Event im Weißen Haus.

Die Tradition, einen Truthahn durch den Präsidenten begnadigen zu lassen, soll auf Abraham Lincoln zurückgehen. Seit dem 19. Jahrhundert erhält die Präsidentenfamilie demnach vor dem Feiertag zwei besonders prächtige Vögel. Präsident Lincoln (1861 bis 1865) habe dann auf Bitten seines Sohnes das erste Mal einen Truthahn begnadigt, erzählt Trump, und George H.W. Bush 1989 erstmals eine offizielle Begnadigung ausgesprochen. Allerdings sind diese Angaben nicht ganz korrekt, darauf weist der nationale Radiosender NPR hin. Lincoln habe den Weihnachts-Truthahn begnadigt, nicht den für Thanksgiving. Das habe der Weiße-Haus-Korrespondent Noah Brooks im Jahr 1865 festgehalten. Egal, Trump nimmt es mit den Fakten ja häufig nicht so genau.

Die Impeachment-Frage ist längst zur Verfassungskrise geworden

Dass die Zeremonie in diesem Jahr in eine politisch besonders aufgeladene Zeit fällt, liegt auch an dem Amtsenthebungsverfahren gegen Trump, das die Demokraten im Kongress derzeit prüfen. Der Präsident lässt es sich nicht nehmen, darüber zu spotten. Glücklicherweise seien „Bread“ und „Butter“ so aufgezogen worden, dass sie unter allen Bedingungen ruhig blieben, sagt er. Das sei wichtig, weil sie von den Demokraten schon als Zeugen in den Impeachment- Ermittlungen vorgeladen worden seien. „Aber Bread und Butter, ich sollte festhalten, dass wir uns – anders als frühere Zeugen – tatsächlich getroffen haben. Das ist ungewöhnlich.“ Trump kritisiert immer wieder, dass er viele der Zeugen gar nicht kenne.

Da die Impeachment-Frage längst zu einer Verfassungskrise geworden ist, die das Land vor allem entlang der Generationslinie spaltet, fürchtet mancher auch um den Feiertagsfrieden, wenn sich die Familie am Küchentisch versammelt. Vorsorglich hat die „New York Times“ einen „Online-Kurs“ aufgelegt, bei dem sich das Argumentieren mit dem „wütenden Onkel“ üben lässt. Wahlweise kann man da ausprobieren, welche Antwort es auf bestimmte Thesen gibt – und wie sich ein drohender Streit eventuell abwenden lässt.

Der Präsident, der Amerikas Familienfrieden stört, hat sich derweil an seinen Hauptwohnsitz Florida begeben. Weit weg vom Kongress.

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