Panorama : In Berlin an der Schule, in Rom an die Uni: Italien erkennt bilinguales Abitur aus Britz an

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Es gibt mitunter Stunden im Leben eines Schulleiters, in denen plötzlich alle Mühen vieler Jahren auch nach außen sichtbar werden, wenn hohe Gäste in schweren Wagen vorfahren, wenn die Schulband zur Höchstleistung aufläuft – und sich später alle im Applaus vereinen.

Für Klaus Lehnert ereigneten sich diese Stunden vergangenen Freitag: Da fanden sich der italienische Botschafter, Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) und andere Honoratioren im Britzer Albert-Einstein-Gymnasium ein, weil Italien das bilinguale deutsch-italienische Einstein-Abitur als gleichwertig mit der italienischen Hochschulreife anerkennt. Das bedeutet, dass die Britzer Absolventen als einzige deutsche Schüler ohne Sprachprüfung in Italien studieren können und auch von eventuellen Kontingentbeschränkungen an Studienplätzen für nichtitalienische Studenten ausgenommen werden.

Botschafter Antonio Puri Purini machte bei seiner Rede auf eine weitere Berliner Besonderheit aufmerksam: Hier besucht jeder zweite italienische Schüler ein Gymnasium, während sie im übrigen Bundesgebiet in Sonder- und Hauptschulen überrepräsentiert seien und nur 14 Prozent von ihnen Abitur machten. Nicht auszuschließen sei, dass das etwas mit Berlins einzigartigen Europaschulen zu tun habe. Die waren Anfang der 90er Jahre vom damaligen Schulsenator Jürgen Klemann (CDU) ins Leben gerufen worden. Ausdrücklich lobte Purini diese ambitionierte Schulform, die es inzwischen in neun Sprachkombinationen gibt: Nach den Vorreitern Englisch, Russisch und Französisch waren 1994 Italienisch und Spanisch, später dann (Neu-)Griechisch, Türkisch, Portugiesisch und Polnisch dazugekommen.

Nachdem Zöllner und Purini ihre Unterschriften unter das „Protokoll der Übereinkunft über die italienisch-deutsche Zusammenarbeit“ gesetzt hatten, vermittelte Neuköllns Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) eine Ahnung davon, wie steinig der Weg war, bis das Einstein-Gymnasium den Zuschlag für den Europaschulzug erhielt.

Schließlich befand sich die dazugehörige bilinguale Grundschule in Schöneberg, und viele wollten nicht einsehen, warum sich alle Italiener jetzt auf den Weg ins weniger zentral gelegene Britz machen sollten. „Heftige Auseinandersetzungen“ habe es gegeben, erinnerte Schimmang, bevor es jetzt ganz entspannt zu Häppchen und Sekt ging – und Direktor Lehnert die Glückwünsche genoss. sve

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