Iñaki Urdangarin : Sechs Jahre Luxusknast für den Schwager des spanischen Königs Felipe

Vom Hof in die Haft: Der Schwager des spanischen Königs Iñaki Urdangarin tritt seine Strafe an – im Frauengefängnis.

Ralph Schulze
Inaki Urdangarin vor Haftantritt.
Inaki Urdangarin vor Haftantritt.Foto: REUTERS/Enrique Calvo/File Photo

Ein Chauffeur kutschiert ihn bis zur Haftanstalt. Leibwächter eskortieren ihn ans Gefängnistor, wo ihn die Justizvollzugsbeamten in Empfang nehmen. Damit endet vorerst das luxuriöse Leben von Iñaki Urdangarin, dem Schwager des spanischen Königs Felipe. Der 50-jährige Urdangarin, Ehemann von Felipes Schwester Cristina (53), muss eine fast sechsjährige Haftstrafe wegen Steuerbetrugs, Unterschlagung, Rechtsbeugung und Korruption antreten.

Doch Gefängnis ist nicht Gefängnis. Wie die meisten Verurteilten in Spanien darf sich auch der frühere Handball-Nationalspieler die Haftanstalt aussuchen. Urdangarin, der 1997 die zweitälteste Tochter des alten Königs Juan Carlos heiratete und so Mitglied der Königsfamilie wurde, wählte eine ganz besondere Justizvollzugsanstalt: Ein kleines Frauengefängnis in dem Dorf Brieva in der Nähe Madrids. Dort ist der athletische Urdangarin, der zu besseren Zeiten als der perfekte Schwiegersohn galt, der einzige männliche Häftling unter rund 100 weiblichen Insassen.

„Das ist eine Vorzugsbehandlung“, schimpft die Gewerkschaft der Gefängnisbeamten. Dem ist schwer zu widersprechen: Der prominente Häftling ist in einen kleinen von der Frauenabteilung abgetrennten Trakt gezogen, wo er die Gemeinschaftseinrichtungen für sich allein hat: Küche, Badezimmer, Aufenthaltsraum und ein kleiner Hof. Außerdem ein Besucherzimmer, flapsig auch „Liebeszelle“ genannt, in dem intime Kontakte mit dem Ehepartner erlaubt sind.

Böse Zungen sprechen schon von einem „Luxus-Knast“ und einer „Suite“ für Urdangarin. In der Tat man kann sich Schlimmeres vorstellen als dieses Gefängnis, das den Ruf hat, „eine ruhige Haftanstalt ohne Konflikte“ zu sein. Konflikte gab es zuletzt öfter, wenn Urdangarin in der Öffentlichkeit auftauchte und auf der Straße als „Gauner“, „Geier“ oder „Korrupter“ beschimpft wurde. Ähnliche unangenehme Begegnungen hätten ihm wohl auch in den großen spanischen Gefängnissen gedroht, wo die Sitten eher rau sind.

Fünf Jahre und zehn Monate bekam Urdangarin von den Richtern aufgebrummt, die dieser Tage ein erstinstanzliches Urteil im Wesentlichen bestätigten. Der Oberste Gerichtshof sah es als erwiesen an, dass Urdangarin von 2004 bis 2006 seine Nähe zum Königshaus ausnutzte, um öffentliche Millionengelder zu ergaunern. Die Geschäfte wurden über eine als Stiftung getarnte Firma abgewickelt, deren Aushängeschild Prinzessin Cristina war. Ein Großteil der Einnahmen floss am Fiskus vorbei; zudem wurden hohe Privatausgaben für Partys, Reisen und Villa als Betriebskosten abgerechnet. Auch Cristina, die Teilhaberin der Scheinfirma war, saß auf der Anklagebank. Doch die Richter ließen im Falle Ihrer Hoheit Milde walten: Sie wurde frei gesprochen, musste aber als zivilrechtliche Schadenswiedergutmachung 137 000 Euro an die Staatskasse zahlen. König Felipes Schwester beteuerte, von dem großen Betrug nichts gewusst zu haben, was ihr in den Beinamen „Prinzessin Ahnungslos“ einbrachte. Es war das erste Mal, dass mit Cristina und Urdangarin engen Angehörigen des spanischen Königs der Prozess gemacht wurde.

Der Betrugsskandal hat das Vertrauen der Spanier in das spanische Königshaus schwer erschüttert. Die Glaubwürdigkeitskrise trug dazu bei, dass 2014 Spaniens alter König Juan Carlos abtreten musste. Thronfolger Felipe versucht seitdem, den Ruf der Monarchie aufzupolieren: Er distanzierte sich von seiner Schwester, entzog ihr sowie Urdangarin den Titel „Herzöge von Palma“ und verkleinerte die Königsfamilie: Cristina und Urdangarin, die zuletzt mit ihren vier Kindern im Schweizer Genf residierten, gehören heute nicht mehr zum Königshaus.

Kaum hat Urdangarin sein Haft angetreten, wird schon darüber spekuliert, wann er wieder in die Freiheit zurück darf. Bei guter Führung, so heißt es aus Justizkreisen, könnte er vielleicht in anderthalb Jahren seinen ersten Freigang oder Hafturlaub genehmigt bekommen. Nach der Hälfte der Haftverbüßung, also in gut drei Jahren, sei offener Strafvollzug möglich – dann könnte Urdangarin tagsüber das Gefängnis verlassen und müsste nur noch zum Schlafen in die Zelle kommen.

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