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Der Internet Explorer
© imago/imagebroker/begsteiger

Abschied des Tages: Nun ist der Browser selber raus

Bin ich jetzt wieder drin oder was? Ein launiger Abschied vom Internet Explorer, dem unzuverlässigen Vertrauten.

Ach, ja, ich war auch drin. Wir waren alle drin, sind online hinein gewachsen mit dem Internet Explorer. So ähnlich wie Boris Becker seinerzeit mit der AOL-Werbung, augenrollend, Ende der 1990er. Als es noch nicht so selbstverständlich war, sich 24/7 im Netz zu bewegen. Von daher darf es schon ein bisschen Wehmut sein, wenn Microsoft jetzt Schluss macht: Der Internet Explorer ist Geschichte. Nach 27 Jahren Laufzeit hat der US-Softwareriese seinen Support für den Web-Browser offiziell eingestellt. Nun gibt es für diesen keine Updates mehr. Wer darauf klickt, wird auf Microsoft Edge umgeleitet, der den alten Explorer ersetzen soll.

Noch ’ne Zeitenwende. Okay, da gibt’s nicht nur Wehmut. Es sind gemischte Gefühle, die uns mit diesem Eingangstor zur (Online-)Welt verbinden. Die erste Version des Internet Explorers war 1995 erschienen. Viele Menschen – außer vielleicht AOL-Mann Boris Becker – surften erstmals mit dem Microsoft-Browser im Internet. Die Beziehung zum Internet Explorer entwickelte sich recht schnell zu einer Hassliebe. Im Vergleich zu anderen Browsern galt der Explorer als langsam, war anfällig für technische Probleme.

Wie oft waren wir kurz davor, den Stecker zu ziehen und die Kiste an die Wand zu schmeißen. Alles auf Anfang, alles auf Neustart, wenn es wieder mal auf dem PC-Bildschirm hieß: „Schwerer Ausnahmefehler“ oder in dieser Art. Aber man musste ja immer wieder rein, mit dem Internet Explorer, bis sich herum gesprochen hatte, dass es die Konkurrenz von Firefox oder Chrome wesentlich besser und reibungsloser tut und vielleicht auch ein bisschen sympathischer ist als die Chose vom Softwaremogul.

Hatte der Internet Explorer Anfang der 2000er Jahre denn auch noch einen Marktanteil von 90 Prozent, ging der Erfolg in den vergangenen Jahren immer weiter zurück. Google Chrome ist mit einem Marktanteil von knapp 65 Prozent heute global der meistgenutzte Web- Browser. Laut Daten der Website Statcounter hingegen kam der Internet Explorer im Bereich der Desktop-Browser zuletzt noch auf einen weltweiten Marktanteil von 0,64 Prozent. 0,64 Prozent!

Was bleibt? Growing up mit Microsoft. Wehmut in Grenzen. Nach diversen Explorer-Versionen, die wir Jahr für Jahr widerspruchslos entgegen genommen haben wie Geburtstagskarten von der Krankenkasse, muss jetzt mal Schluss sein. Sie kamen und gingen, die Versionen 1, 2, 3 bis 8, die 9, 10 und 11 zuletzt haben wir sie uns gar nicht mehr angetan. Wie viele andere da draußen. Bei Twitter wurde auf humorvolle Weise Abschied vom Internet Explorer genommen. „Du hast lange gebraucht, um Zeug herunterzuladen, du bist ständig eingefroren und wurdest ziemlich leicht durch andere Browser ersetzt“, schrieb ein Nutzer. „Aber hiermit geht einer der ersten Browser, die ich je genutzt habe, und ich habe dank ihm viele gute Erinnerungen.“ Das stimmt schon auch. Aber die digitale Transformation frisst halt ihre Kinder. Und bei Chrome oder Firefox (oder meinetwegen Microsoft Edge) müssen wir nicht mehr so oft fragen: Bin ich jetzt wieder drin oder was? Markus Ehrenberg

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