Russische Sängerin Regina Todorenko : „Frau des Jahres“ rechtfertigt häusliche Gewalt durch Männer

Die russische Sängerin Regina Todorenko sagt, Frauen könnten selbst schuld sein an Misshandlungen durch Männer. Aus der orthodoxen Kirche kommt Zustimmung.

2019 wurde Regina Todorenko von der „Glamour“ als „Frau des Jahres“ ausgezeichnet, wegen ihrer Einstellung zu Gewalt gegen Frauen ist er ihr der Titel wieder aberkannt worden.
2019 wurde Regina Todorenko von der „Glamour“ als „Frau des Jahres“ ausgezeichnet, wegen ihrer Einstellung zu Gewalt gegen Frauen...Foto: Sergei Bobylev/TASS/dpa

Mit kontroversen Äußerungen zu häuslicher Gewalt hat eine Sängerin in Russland für einen Skandal gesorgt, so dass ihr der Titel „Frau des Jahres“ aberkannt wurde. „Jede Art von Gewalt, auch Bullying, ist inakzeptabel“, argumentierte die Redaktion der russischen Ausgabe der Mode- und Frauenzeitschrift „Glamour“ in der Nacht zum Sonntag. Das Blatt hatte den Preis an die 29 Jahre alte Moderatorin und Sängerin Regina Todorenko im November vergangenen Jahres verliehen.

Die vor allem in Russland bekannte Todorenko hatte zuvor in einem Interview betont, dass Frauen auch selbst schuld an häuslicher Gewalt sein könnten. „Irgendwann sollte doch ein kritischer Punkt kommen, um zu fragen: Warum schlägt er dich?“, sagte sie und fragte, ob Frauen Mitverantwortung für häusliche Gewalt trügen. Todorenko entschuldigte sich später für ihre Bemerkungen.

International für Entsetzen sorgte 2017 ein neues russisches Gesetz, das Schläge in der Partnerschaft entkriminalisiert. Die ersten Prügelattacken, werden demnach nur wie eine Ordnungswidrigkeit zum Beispiel mit Geldstrafen geahndet. Erst Wiederholungstäter müssen sich nach dem Strafrecht verantworten.

Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche betonten am Sonntag, dass Partnerinnen zur Konfliktvermeidung in einer Beziehung gehorsam sein müssten. „Für den Anfang sollen sie aufhören, Bemerkungen zu machen“, sagte der Vertreter der Agentur Interfax zufolge. Frauen sollten sich selbst beobachten und „kleine Strafen“ gegen sich selbst verhängen: Sie könnten sich zum Beispiel als Buße zehn Mal verneigen, einen Tag lang auf Schokolade oder auf das Internet verzichten. (dpa)

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