Trump zeigt falsche Hurrikan-Karte : US-Präsident zettelt bizarren Streit über „Dorian“-Warnung an

Stellte Hurrikan „Dorian“ eine Gefahr für den US-Bundesstaat Alabama dar? Das behauptet Trump – im offensichtlichen Widerspruch zu offiziellen Angaben.

Trump mit der Hurrican-Karte inklusive der mit schwarzem Filzstift ergänzten Fläche
Trump mit der Hurrican-Karte inklusive der mit schwarzem Filzstift ergänzten FlächeFoto: MIKE THEILER/imago images / UPI Photo

US-Präsident Donald Trump hat sich in einen Streit darüber verwickelt, ob jemals der US-Bundestaat Alabama durch den Hurrikan „Dorian“ gefährdet war. Trump hatte das behauptet, und obwohl die staatliche Meteorologen sogleich widersprachen, blieb er bei seiner Behauptung. Seit Sonntag legte Trump in diesem Konflikt immer wieder nach, zuletzt sogar mit einer offenbar per Hand abgeänderten Karte des Hurrikan-Verlaufs.

Es begann damit, dass der US-Präsident am Sonntag auf Twitter warnte, dass auch Alabama sehr hart vom Hurrikan getroffen werden könnte. Damit stand er im offensichtlichen Widerspruch zu den offiziellen Vorhersagen des Nationalen Hurrikan-Zentrums, die zwar Warnungen für mehrere US-Bundestaaten ausgesprochen hatten, aber eben nicht für Alabama.

Diese überflüssige Warnung fiel schnell auf, es gab viel Kritik und Spott auf Twitter. Trump blieb davon unbeirrt, und twitterte an die Bürger Alabamas: „Bitte seid auch vorsichtig.“

Der amtliche Wetterdienst in Alabama stellte deshalb am Sonntag auf Twitter klar: „Alabama wird keine Auswirkungen von „Dorian“ spüren, wir wiederholen: Keine Auswirkungen des Hurrikans werden in Alabama bemerkt werden können, das Wetterereignis ist zu weit östlich.“

Per Hand geänderte Hurrikan-Karte

Inzwischen wurden einige US-Medien aufmerksam und berichteten über die Alabama-Verwirrung. Auch davon ließ sich Trump nicht beirren, am Montag bezeichnete er die Berichte über seine falsche Alabama-Warnung als künstlich aufgeregt und unwahr.

Der Präsident wollte den Spott offenbar so nicht auf sich sitzen lassen: Bei einem Hurrikan-Briefing in seinem Büro im Weißen Haus, dem Oval Office, präsentierte er am Mittwoch eine offizielle Karte des Hurrikan-Verlaufs – und irgendjemand hatte offenbar mit einem schwarzen Filzstift das Gebiet der möglichen Sturm-Ausbreitung vergrößert, damit auch noch Alabama berührt wurde.

Einige US-Medien berichteten unter Berufung auf anonyme Quellen schnell, Trump habe die Karte selbst ausgebessert. Dafür gab es aber keine glaubwürdige Bestätigung.

Bei einem weiteren Auftritt im Weißen Haus wurde Trump dann am Mittwoch von Journalisten gefragt, wie es zu der veränderten Karte gekommen sei. „Ich weiß nicht. Ich weiß nicht. Ich weiß nicht“, sagte er.

Gleichzeitig verteidigte er seine Aussage: Eine frühe Hurrikan-Prognose hätte mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit gezeigt, dass Alabama auch betroffen sein würde. So sei es dann aber nicht gekommen, räumte Trump ein. „Alabama hätte schwer getroffen werden sollen“, behauptete er.

Meteorologen hatten niemals Alabama gewarnt

Die offiziellen Grafiken des Nationalen Hurrikan-Zentrums prognostizierten jedoch zu keinem Zeitpunkt bedeutende Auswirkungen des Sturms auf Alabama. Am Sonntag, als Trump erstmals Alabama ins Gespräch brachte, zeigten die Karten eindeutig einen prognostizierten Verlauf entlang der südöstlichen US-Küste, nicht in Richtung Alabama.

Zum Beweis seiner Position veröffentlichte Trump am Mittwochabend (Ortszeit) dann noch eine – bereits eine Woche alte – Karte eines örtlichen Wetteramtes, auf der verschiedene Modelle auch eine geringe Wahrscheinlichkeit eines Eintreffens des Sturms in Alabama auswiesen. „Ich nehme die Entschuldigungen der „Fake News“ an“, schrieb Trump auf Twitter im Hinblick auf kritische Medienberichte.

Unten auf der von Trump verbreiteten Karte stand indes klar, dass im Zweifel die Prognosen des Hurrikan-Zentrums (NHC) verbindlich seien. „Sollte irgendetwas auf dieser Grafik Verwirrung stiften, ignorieren Sie das gesamte Produkt“, hieß es dort weiter.

Hurrikan „Dorian“ bewegte sich am Mittwochabend vor dem US-Bundesstaat Georgia weiter an der US-Küste entlang und sollte am Donnerstag South Carolina erreichen, wo der Hurrikan erstmals in den USA an Land treffen könnte. „Dorian“ war zuvor auf die nördlichen Bahamas getroffen und hinterließ dort eine Schneise der Verwüstung. (dpa)

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