Umfrage : Gymnasiallehrer kämpfen mit Leistungsunterschieden in Klassen

Zwei von drei Gymnasiallehrern fühlen sich durch ihre Arbeit stark belastet. Der Deutsche Philologenverband fordert weniger Zusatzaufgaben und kleinere Klassen.

Neun von zehn Lehrern empfinden das Arbeitspensum als zu hoch.
Neun von zehn Lehrern empfinden das Arbeitspensum als zu hoch.Foto: Daniel Karmann/dpa

Leistungsunterschiede zwischen den Schülern belasten Gymnasiallehrer in Deutschland besonders. Das ergab eine am Montag vorgestellte Studie im Auftrag des Deutschen Philologenverbands, die von der Krankenkasse DAK unterstützt wurde.

Fast alle Befragten (95 Prozent) nannten demnach große Unterschiede zwischen den Schülern als Hauptgrund für die empfundene Belastung im Job. Als zweithäufigster Grund wurde ein zu hohes Arbeitspensum genannt (90 Prozent), dahinter folgen zu wenig Pausen im Schulalltag (72). Jeder Zweite wird durch den allgemein hohen Lärmpegel in den Klassen sowie durch verhaltensauffällige Schüler belastet.

Die Befragung basierte demnach auf mehr als 16.000 Datensätzen mit Angaben, die Lehrer an Gymnasien online machten. Nach Angaben der Lehrergewerkschaft und der Krankenkasse ist es die größte derartige Erhebung bislang.

Beide sahen Handlungsbedarf. „Lehrern wird ihr Beruf durch schlechte Rahmenbedingungen und die Delegierung neuer Aufgaben von Seiten der Politik immer weiter erschwert“, erklärte die Bundesvorsitzende des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing. „Je größer die Leistungsunterschiede in einer Klasse sind, desto aufwendiger und belastender ist es, die Schüler erfolgreich auf das Abitur vorzubereiten.“

Insgesamt gibt es nach Angaben des Verbands und der DAK 176.000 Gymnasiallehrer in Deutschland. DAK-Bundesvorsitzender Andreas Storm forderte eine Sondersitzung der Bildungs- und Gesundheitsminister aller Bundesländer. „Notwendig ist ein Gesundheitsgipfel Schule“, erklärte er bei der Vorstellung der von Experten der Universität Rostock erstellen Untersuchung in Berlin.

Paket mit Forderungen

Den Angaben zufolge beschreiben neun von zehn Lehrern ein hohes Arbeitspensum als belastend. Zunehmende Mehraufgaben jenseits des eigentlichen Unterrichts und lange Arbeitstage machten ein Drittel der Befragten unzufrieden. Einer regionalen Zusatzanalyse im Rahmen der Studie zufolge berichteten viele von Siebentagewochen und von Schwierigkeiten bei der Trennung von Berufsleben und Freizeit.

Der Philologenverband legte ein Paket mit Forderungen vor. Dazu gehören eine „deutliche Senkung“ der Regelstundenzahl und eine Entlastung von Verwaltungs- und anderen Zusatzaufgaben. Außerdem sprach er sich dafür aus, die Klassen zu verkleinern und dafür zu sorgen, dass das Leistungsgefälle in den Klassen gesenkt wird. Der Verband ist eine Gewerkschaft von Gymnasiallehrern und tritt nach eigenen Angaben explizit für die Interessen dieser spezifischen Schulform ein. (dpa/AFP)

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