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Vorwurf der Polizeigewalt in Düsseldorf : Polizist drückt Knie auf den Kopf eines 15-Jährigen

„Mehr als verstörende Sequenzen“ zeigt ein Video von einem Polizeieinsatz in Düsseldorf. NRW-Innenminister Reul kündigte eine „konsequente Aufklärung“ an.

Ein Polizist im Einsatz (Symboldbild).
Ein Polizist im Einsatz (Symboldbild).Foto: Sebastian Gabsch PNN

Ein durch ein Video in den Sozialen Netzwerken bekannt gewordener Polizeieinsatz in der Düsseldorfer Altstadt steht in der Kritik und wirft die Frage nach unzulässiger Polizeigewalt auf. Auf dem Video ist ein Polizist in der Düsseldorfer Altstadt zu sehen, der einem auf dem Boden liegenden Jugendlichen das Knie auf den Kopf drückt. Der Junge ist erst 15 Jahre alt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Ermittlerkreisen.

Die Aufnahme erinnere an die Umstände der Festnahme von George Floyd in den USA, schrieb die „Rheinische Post“ auf ihrer Internetseite. Der Afroamerikaner war bei einem Polizeieinsatz Ende Mai in Minneapolis getötet worden. Damals ging ein Video um die Welt, dass eine Diskussion über Rassismus und Polizeigewalt auslöste. Derart gravierende Folgen wie in den USA hatte der Zwischenfall in Düsseldorf allerdings laut Polizei nicht. Außerdem handelt es sich bei dem betroffenen Jugendliche nicht um einen schwarzen Menschen.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) kündigte eine konsequente Aufklärung an. „Ich habe mich erschrocken“, sagte Reul am Montag über seinen ersten Blick auf ein Video.

Laut einem ersten Zwischenbericht, den er angefordert habe, sei die Polizei am Samstagabend zunächst wegen zehn randalierenden Personen zu einem Schnellimbiss gerufen worden. Der betroffene 15-Jährige - der offensichtlich nichts mit dem eigentlichen Einsatz zu tun gehabt habe, habe sich eingemischt. Es sei durch den Jugendlichen dann zu einem tätlichen Angriff gegen die Beamten gekommen, so Reul.

Danach sei der 15-Jährige zu Boden gebracht, gefesselt und zum Streifenwagen gebracht worden. Dies sei ein Zeitraum von zwei bis drei Minuten gewesen. Eines der Videos im Internet ist 28 Sekunden lang. Auf dem Ausschnitt des Geschehens ist zu sehen, wie ein Polizeibeamter den Jugendlichen mit dem Knie zu Boden drückt.

Wie Reul am Montag ausführte, wären Knie und Schienbein „auf dem Ohr“ des jungen Mannes grundsätzlich durch die Einsatzvorgaben der Landespolizei abgedeckt gewesen. Auf dem Hals wäre dies nicht erlaubt. Was genau in dem Moment passiert sei, müsse daher nun „objektiv geklärt werden“.

Der Vorfall wird nun polizeiintern untersucht. Aus Neutralitätsgründen werde die Untersuchung vom Duisburger Polizeipräsidium geleitet.

Fall beschäftigt auch den Landtag

Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums betonte: „Wir nehmen dieses Video sehr ernst.“ Aus diesem Grund habe das Ministerium vom Polizeipräsidium Düsseldorf eine objektive Aufklärung des Sachverhalts gefordert. „Sollte es bei dem Einsatz zu Fehlverhalten von Polizisten gekommen sein, wird dem selbstverständlich konsequent nachgegangen“, sagte der Ministeriumssprecher. Ob auch gegen den 15-Jährigen ermittelt wird, blieb zunächst unklar.

Der Fall wird am Donnerstag auch den Landtag beschäftigen: Die Fraktionen von SPD und Grünen haben jeweils eine Aktuelle Viertelstunde im Innenausschuss beantragt.

„Das Video zeigt mehr als verstörende Sequenzen“

„Das Video, das im Netz von dem Einsatz gegen einen Minderjährigen kursiert, zeigt mehr als verstörende Sequenzen“, teilten am Montag die SPD-Abgeordneten Sven Wolf und Hartmut Ganzke mit: „Wir hatten gehofft, dass wir solche Bilder nach dem tragischen Tod von George Floyd in Deutschland niemals zu sehen bekommen würden. Ein starker Staat muss verhältnismäßig mit seiner Macht umgehen.“

Die Innenexpertin der Grünen im Landtag, Verena Schäffer, twitterte am Montag: „Der Polizeieinsatz in Düsseldorf muss aufgeklärt werden. Dass Polizisten sich auf Kopf/Hals einer am Boden liegenden, bereits fixierten Person knien, kann nicht verhältnismäßig sein.“

Die Polizei kündigte an, das Video werde nun intensiv hinsichtlich der Art und Weise des polizeilichen Einschreitens analysiert und bewertet werden. (dpa)

In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass der Polizist sein Knie auf den Kopf eines schwarzen Jugendlichen gedrückt hatte. Das stimmt nicht. Bei dem betroffenen 15-Jährigen handelt es sich nicht um einen schwarzen Menschen. Der Polizei wird in diesem Fall Polizeigewalt vorgeworfen, nicht Rassismus. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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