Diversity Management : Diese Dax-Unternehmen sind queerfreundlich - und diese nicht

Der "Dax 30 LGBT + Diversity Index" misst die Queerfreundlichkeit großer Firmen. Ein Software-Unternehmen liegt ganz vorne - ein Wohnungskonzern hinten.

Die SAP-Hauptverwaltung in Walldorf.
Die SAP-Hauptverwaltung in Walldorf.Foto: Sven Simon

Große Unternehmen betonen gerne ihre Diversity-Bemühungen - gerade auch für queere Menschen. So betrachten 22 der 30 Dax-Firmen sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität als festen Bestandteil ihres Diversity Managements.

Doch in Sachen geschlechtliche Identität sieht die Realität oft anders aus als der Anspruch: Trans Mitarbeiter*innen werden bei entsprechenden Maßnahmen nur selten berücksichtigt.

Das geht aus dem "Dax 30 LGBT+ Diversity Index" hervor, den die Uhlala-Gruppe am Mittwoch erstmals veröffentlicht hat. Demnach ist es nur in 13 der 30 Unternehmen für trans Beschäftigte möglich, einen im Rahmen ihrer Transition gewählten Vornamen offiziell in der Firma zu führen, bevor die oft langwierige Personenstandsänderung amtlich ist.

Geschlechtsneutrale Toiletten an mehr als der Hälfte der Standorte hat nur das Software-Unternehmen SAP eingerichtet. SAP landet auch insgesamt bei dem Diversity-Ranking vorn.

Studien zeigen immer noch Diskriminierung am Arbeitsplatz

Die Uhlala-Gruppe, die sich unter anderem mit Messen und Trainings für queeren Menschen im Berufsleben einsetzt, fragte dafür unter anderem ab, ob Firmen über ein LGBT-Netzwerk verfügen, wie sie bei der internen und externen Kommunikation mit LGBT-Themen umgehen, wie sie Arbeitnehmer*innen sensibilisieren und ob Antidiskriminierungsschutz in den Unternehmensrichtlinien verankert ist. Belegen mussten die Firmen ihre Angaben aber nicht.

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Dass es trotz aller gesellschaftlichen Fortschritte immer noch Probleme für queere Menschen am Arbeitsplatz gibt, zeigen immer wieder Studien. So zeigte eine Untersuchung des Instituts für Diversity und Antidiskriminierungsforschung, dass nicht einmal ein Drittel aller lesbischen und schwulen Arbeitnehmer*innen im Kollegiumskreis komplett offen über ihre Homosexualität sprechen. Unter Bisexuellen und trans Menschen liegt die Quote noch einmal deutlich niedriger. Drei Viertel der Befragten berichteten von Diskriminierungserfahrungen am Arbeitsplatz.

23 von 30 Firmen haben ein LGBT-Mitarbeitendennetzwerk

SAP ist nun das einzige Unternehmen, dass in dem LGBT-Diversity-Index die volle Punktzahl erhält (eine genaue Auflistung und alle Kriterien kann man hier finden). Zu den Top 5 gehören der Allianz-Konzern, Siemens, Bayer und der Kunststoffhersteller Covestro, der aus Bayer hervorgegangen ist. Insgesamt haben 23 der 30 DAX-Unternehmen ein eigenes LGBT-Mitarbeitendennetzwerk, 20 davon werden auch finanziell vom jeweiligen Unternehmen unterstützt.

"Nachholbedarf" sieht das Ranking bei Schulungen und in Sachen inklusiver Sprache: Das wird von jeweils weniger als der Hälfte der Unternehmen angepackt. Schlusslichter des Rankings sind der Gaskonzern Linde, MTU Aero Engines, der Versicherer Munich Re, der Wohnungskonzern Vonovia und Wirecard. Sie erfüllen zehn Prozent oder noch weniger der abgefragten Kriterien.

Anmerkung der Redaktion vom 17.1.2020: Das Ranking basiert auf nicht verifizierten Selbstauskünften der Unternehmen, was wir im Text ergänzt haben. Wie sich in Nachhinein durch Recherchen des Nollendorfblogs herausstellte, machte zumindest der Konzern EON Falschangaben und gab dabei unter anderem bundesweite LGBT-MitarbeiterInnennetzwerke und - Kampagnen an, die tatsächlich gar nicht existierten. Laut der Uhlala-Gruppe sollen alle Angaben verifiziert und bis Ende Februar 2020 aktualisiert werden.

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