Netflix-Serie "Feel Good" : Verknallt in Prinzessin Diana

Komikerin liebt Lehrerin - die in London angesiedelte Miniserie "Feel Good" mischt Drama mit Komik. Vor allem Hauptdarstellerin Mae Martin ist eine Entdeckung.

Mae (Mae Martin, links) und George (Charlotte Ritchie) werden schnell ein Paar.
Mae (Mae Martin, links) und George (Charlotte Ritchie) werden schnell ein Paar.Foto: Netflix

Ein alter Lesbenwitz geht so: Was bringt eine Lesbe zum zweiten Date mit? Einen Umzugswagen.

Wie eine moderne Variation dieses Scherzes wirken die ersten neun Minuten der Netflix-Serie „Feel Good“, in denen die kanadische Komikerin Mae (Mae Martin) sich in die Londoner Lehrerin George (Charlotte Ritchie) verliebt und bei ihr einzieht.

So traumhaft und süß wie diese Eröffnung abläuft, so holprig geht es mit dem Paar kurz darauf weiter.

Zur ersten großen Erschütterung kommt es als Maes Mutter (Lisa Kudrow) ihre Tochter bei einem Videochat fragt, ob sie schon eine neue Selbsthilfegruppe gefunden habe.

Die mithörende George ist völlig perplex. Mae hatte ihr verschwiegen, dass sie lange kokainsüchtig war und wegen Dealens sogar ins Gefängnis musste.

Sie spielt die Sache runter, sucht sich dann aber doch eine Gruppe der Anonymen Abhängigen. Schon aus der ersten Stuhlkreissitzung flüchtet sie wieder, freundet sich jedoch mit der skurrilen Maggie an, die ihre eigene Tochter stalkt.

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Weil Mae lange nicht fassen kann, dass jemand wie George („Sie ist wie Prinzessin Diana“) tatsächlich mit ihr zusammen sein möchte, sieht sie über ein großes Problem ihrer Partnerin hinweg: Die Lehrerin steht nicht zu ihrer neuen Liebe, behauptet vor Freunden sogar mit einem Mann zusammen zu sein.

Verinnerlichte Homophobie

Offenbar hat George, die zuvor noch nie eine Beziehung mit einer Frau hatte, viel mehr Homophobie verinnerlicht als man es bei einer jungen Londonerin vermuten würde. Dass sie Mae zweimal regelrecht wegsperrt, ist ein anschauliches Bild dafür.

Doch Mae will nicht zurück in den Schrank. Schließlich geht sie sogar auf der Bühne offen mit ihrer Queerness um und pflegt einen klassischen Tomboy-Look. Das hat sie mit der 32-jährigen Mae Martin gemein, die als Stand-Up-Comedian bekannt wurde und in der Serie „Feel Good“, an deren Drehbüchern sie mitwirkte, eine Version ihrer selbst spielt.

Eine Stand-up-Auftritt als Wendepunkt

Dass ihr Sprachwitz und trockener in die Dialoge eingeflossen sind, lockert die vielen schweren Themen - Mutterkonflikte sind auch noch dabei - deutlich auf.

Immer wieder dient ein Comedy-Club als Kulisse für die sechs Episoden, die alle knapp 25 Minuten lang sind. Ein sehr persönlicher Stand-up-Auftritt von Mae der fünften Folge bildet einen dramatischen Höhe- und Wendepunkt der Handlung.

Man bekommt sofort Lust, mehr von ihr auf der Bühne zu sehen. Und weil die Mini-Serie ohnehin schnell vorbei ist, lohnt sich danach ein kleiner YouTube-Ausflug.

Ziemlich witzig ist zum Beispiel der Auftritt unter dem Titel „Why are you gay“, bei dem sie von einer missglückten Kurzzeitbeziehung mit einem Jungen in ihrer Jugend erzählt.

Er machte per Telefon mit ihr Schluss, während alle seine Freunde zuhörten. Das wars dann vorerst mit den Typen für Mae Martin.

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