Wegen "Anzüglichkeiten" unter Männern : Hitziger Streit um Herren-Sauna in Pankower Schwimmhalle

Ein Bad schließt die Herren-Sauna wegen angeblicher "Anzüglichkeiten" unter Männern. Ein schwuler Kunde fühlt sich diskriminiert - und protestiert erfolgreich.

Carina Kaiser
Männer raus. In einem Pankower Schwimmbad gibt es vorerst keinen Herren-Sauna-Tag mehr.
Männer raus. In einem Pankower Schwimmbad gibt es vorerst keinen Herren-Sauna-Tag mehr.Foto: imago/Xinhua

Kehrtwende bei den Bäderbetrieben: Die montägliche Herren-Sauna in der Schwimmhalle am Ernst-Thälmann-Park findet ab sofort wieder statt. Die Entscheidung, den Saunatag für Männer auszusetzen, wurde am Dienstagabend zurückgezogen. Grund für die kurzzeitige Abschaffung waren eine Reihe von Beschwerden. Ein unzufriedener Kunde berichtete von diskriminierenden Äußerungen des Personals. „Es gibt da nur noch Schwule! Die haben ja auch überall Sex! Auch vor Kindern! Überall… und wir müssen ,das' dann auch noch wegmachen...", so zitiert der Mann, der der Redaktion bekannt ist, seinen Namen aber nicht öffentlich nennen will, die Rechtfertigung des Personals ihm gegenüber. Der „Checkpoint“, täglicher Newsletter des Tagesspiegels, berichtete darüber.

Es ging um Anzüglichkeiten

Die Wortwahl wollte ein Unternehmenssprecher der Berliner Bäderbetriebe (BBB) auf Nachfrage des Tagesspiegels nicht bestätigen. Die Mitarbeiter bestritten, dass die Aussagen so gefallen seien. „Ich kann es im Detail nicht darstellen, aber es ging um Anzüglichkeiten.“ Die Rede ist von laszivem Verhalten, das beobachtet worden sei.

Die Entscheidung der Bäderbetriebe hielt der Kunde für inakzeptabel. Er schickte ein Beschwerdeschreiben an das BBB-Kundenzentrum, das Bezirksamt Pankow und die Senatsverwaltung für Sport. Darin heißt es, er fühle sich „persönlich diskriminiert, beleidigt und unter Generalverdacht gestellt“.

Er selbst ist homosexuell, besucht regelmäßig die Herren-Sauna und kann die Entscheidung des Personals nicht nachvollziehen. Gegenüber dem Tagesspiegel versicherte der Saunakunde, „noch nie sexuelle Vorgänge erlebt zu haben. Nicht montags (Herren-Tag), nicht anderntags!“ Das habe er auch dem Personal des Bades gegenüber geäußert. Die Mitarbeiter sollen daraufhin ihre Vorwürfe noch verschärft haben. Der Kunde glaubt, es werde mit zweierlei Maß gemessen. Er will beobachtet haben, dass bei anderweitigen Verstößen gegen die Badeordnung nicht immer durchgegriffen werde, sei es in Sachen Hygiene oder bei anderen Belangen.

Überraschende Wende zugunsten des Herrentags

Weil es um vermeintliches Verhalten von Schwulen gehe, würde pauschalisiert. Er forderte die Bäder-Betriebe auf, die Entscheidung rückgängig zu machen. Am Nachmittag erklärten die Bäderbetriebe, die Herren-Sauna werde es bis Ende des Monats nicht mehr geben. Man werde sich in den kommenden Tagen zusammensetzen, um den Sachverhalt noch einmal zu besprechen. Sollten sich sehr viele Kunden über die Entscheidung beschweren, könne diese noch einmal überdacht werden. Dann überraschend die Wende zugunsten des Herrentags. Grund ist offenbar die Beschwerde des Kunden.

Bei einer Sitzung am Montag soll nach Angaben eines Sprechers überlegt worden sein, warum man den Herren-Tag überhaupt rausgenommen hatte. „Ein weiterer Grund war der Wunsch eines in dem Bad trainierenden Frauen-Fitnesskurses, den montags stattfindenden Herren-Tag auf den Dienstag zu verlegen, um im Anschluss an den Kurs saunen zu können“, sagte der Sprecher gegenüber dem Tagesspiegel.

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