Rap for Good : Hip-Hop Konzert als Benefizveranstaltung

Bei „Rap for Good“ werden am Donnerstag in Berlin sämtliche Künstler ohne Gage auftreten. Denyo von der Band „Die Beginner“ erzählt im Interview, warum.

Die Musiker Jan Delay, Dennis Lisk (Denyo) und Guido Weiß (DJ Mad) von der Band Beginner (v.l.).
Die Musiker Jan Delay, Dennis Lisk (Denyo) und Guido Weiß (DJ Mad) von der Band Beginner (v.l.).Foto: dpa

Rap for Good - unter diesem Motto treten am Donnerstag in der Columbiahalle namenhafte MCs wie Die Beginner, Afrob und Samy Deluxe auf, ohne dabei auch nur einen Cent für sich einzustecken. Für den guten Zweck kommen sie zusammen, verzichten auf ihre Gage und spenden sämtliche Einnahmen an eine junge Frau, die eine lebenserhaltende Operation benötigt.

Julia S. erkrankte Anfang 2018 an ME/CFS, einer chronischen, neuroimmunologischen Multisystemerkrankung, bei der Betroffene sämtliche Kontrolle über den eigenen Körper verlieren und zudem jede mentale oder körperliche Anstrengung zu Schmerzen und extremer Erschöpfung führt. Zusätzlich leidet Julia noch an CCI/AAI, einer Instabilität zwischen dem ersten Halswirbel und dem Kopfgelenk, oder wie in Julias Fall, der restlichen Halswirbelsäule. Letzteres kann operativ behandelt werden, ist aber mit fast 100.000 Euro Behandlungskosten allein nicht zu stemmen.

Viele der Künstler, die am 26.09.2019 auf der Bühne stehen werden, kennen Julia. Sie war ein fester Bestandteil der Musik- und Medienbranche, bevor die Erkrankung sie aus der  Bahn warf. Im Gespräch erzählt Dennis Lisk, besser bekannt als Denyo von der Band Die Beginner, wie die Idee zu "Julia’s Fundraising Jam-Session" entstanden ist.

 

Dennis, woher kennst du Julia und wie lange schon?

Ich kenne Julia seit ca. zehn Jahren. Sie hat jahrelang für u.a. Seeed und Fourmusic gearbeitet und irgendwo zwischen Büroraum und Bühne habe ich sie kennen und schätzen gelernt. Eine tolle Frau - echter Hip Hop Head und eine liebevolle Mama.

„Rap for Good“ ist bereits die zweite Benefizveranstaltung, um Julia zu helfen. Wer hatte die Idee für die beiden Konzerte?

Die erste Veranstaltung hatte Suna Karaca organisiert. Die fand im Berliner Club "Prince Charles" statt. Ich hatte Suna im Vorfeld ein wenig bei der Planung unterstützt. Schon vor ihrem Event allerdings war mir klar, dass ein "großes" Konzert auf die Beine gestellt werden muss, um die Kohle für die Therapie reinzubekommen. Denn die Krankheit, an der Julia leidet, wird leider stark unterschätzt. Die Zahlen der Erkrankungen sind sechsstellig, allein in Deutschland. Und trotzdem kennen die meisten weder den Namen der Krankheit (ME/CFS) noch übernehmen Versicherungen die Kosten der Therapie.

Warum der Titel „Rap for Good“?

Da sich zu viele Ärzte leider zu wenig Zeit für ihre Patienten nehmen und die Versicherungen hierzulande wie gesagt keine Lust haben, die Therapiekosten zu zahlen, mussten wir den finanziellen Part übernehmen. WIR: damit meine ich sowohl die Künstler, die live performen für den guten Zweck, als auch all die vielen Fans und Supporter, sprich die "Community", die gespendet und geliked und die Infos geteilt hat. Wir haben keinen Cent für Promotion ausgegeben, alles lief von selbst über Facebook, Instagram & Co.

In unserem Fall waren die sozialen Medien wirklich mal sozial: Keine niedlichen Katzenfotos, keine selbstverliebten Selfies und keine AFDepressiven Hasskommentare. Dafür Liebe und Support für einen Menschen, der Hilfe brauchte. Der Name der Jam "Rap for Good" ist übrigens von Savas geklaut. ;-) Er war so cool, uns das zu erlauben. Und hatte ja auch schon bei Sunas Event gespielt.

Spendenkonzert für die erkrankte Julia: Rap for Good.
Spendenkonzert für die erkrankte Julia: Rap for Good.Foto: Styleheads

Wie „schwer“ war es, die anderen Künstler zum Mitmachen zu überreden?

Dank der Hilfe von Suna Karaca und Ronny Boldt, einem weiteren Macher aus der Szene, ging das zum Glück einfacher als befürchtet. Außerdem haben die Künstler, die hier mitmachen, nicht vergessen, wo sie herkommen und wie sie da hingekommen sind, wo sie jetzt sind – durch Eigenverantwortung, gegenseitige Hilfe und Support. Wir feiern diese Haltung und konnten aus ihr das Meiste und Beste rausholen, was geht. 

Im Sommer 2014 gab es die Ice Bucket Challenge, um auf die Krankheit ALS aufmerksam zu machen. Erhofft ihr euch mit den beiden Veranstaltungen, dass nun ME/CFS ins Bewusstsein der Menschen rückt?

Ja, ganz klar. Wir wünschen uns, dass die Krankheit endlich wahr- und ernstgenommen wird, verschiedene Therapiemöglichkeiten vorgeschlagen und finanziert werden und die Betroffenen nicht rat- und hilflos unter chronischen Schmerzen vor sich hinvegetieren müssen. Das ist kein Zustand. Menschen wie Julia werden komplett aus ihrem Alltag gerissen und keiner hilft ihnen. Das muss sich ändern.

„Rap for Good“: Julia’s Fundraising Jam Session" findet am Donnerstag, den 26.09.2019, in der Columbiahalle (Columbiadamm 13-21 in 10965 Berlin) statt. Das Konzert ist bereits ausverkauft. Im Tagesspiegel-Checkpoint verlosen wir am Mittwoch 2x2 Gästelistenplätze.

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