zum Hauptinhalt
U.S. Secretary of State Marco Rubio arrives to brief senators on the situation in Venezuela, on Capitol Hill in Washington, D.C., U.S., January 7, 2026.  REUTERS/Evelyn Hockstein

© REUTERS/Evelyn Hockstein

Antreiber der US-Politik in Lateinamerika: Der Sturz Maduros ist für Marco Rubio auch ein Punktsieg über JD Vance

Das Vorgehen der USA in Venezuela wird zu bedeutenden Teilen von Außenminister Marco Rubio vorangetrieben. Der Sturz Maduros stärkt ihn politisch, Vizepräsident Vance ist unsichtbar.

Stand:

Als Kind in der kubanischen Exilgemeinschaft in Miami träumte Marco Rubio vom Sturz der kommunistischen Herrschaft in Havanna. Seit seinem Eintritt in die US-Politik versucht er, die Linke in Lateinamerika zu bekämpfen. Die Entmachtung des linksnationalistischen venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro ist deshalb ein Triumph für den US-Außenminister. Nun soll der 54-Jährige die Zukunft des ölreichen Landes nach den Vorstellungen von Präsident Donald Trump gestalten.

Rubio ist der erste Außenminister in Washington mit lateinamerikanischen Wurzeln. Schon als Senator forderte er 2023 schärfere Sanktionen gegen Venezuela unter Maduros Herrschaft, weil es keine freien Wahlen gebe. „Ein demokratischer Machtwechsel muss Vorrang haben“, sagte er damals.

Das sieht er inzwischen anders. Nachdem das US-Militär am Samstag Maduro in Caracas gefangen genommen und nach New York verschleppt hatte, nannte Rubio es „verfrüht“, über Wahlen in Venezuela zu diskutieren. Statt mit der demokratischen Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado zusammenzuarbeiten, pocht Washington darauf, dass Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez, bislang Maduros Stellvertreterin, die US-Forderungen umsetzt.

„Kommunistische Kontrolle Kubas beenden“

Rubio sehe in Venezuela eine Chance, sagt Brett Bruen, der früher als US-Diplomat in Venezuela im Einsatz war. „Dafür ist er bereit, einige seiner Positionen zu Menschenrechten, Demokratie und der Rolle Amerikas als Garant für globale Stabilität, aufzugeben, um Maduro zu entthronen und möglicherweise die kommunistische Kontrolle Kubas zu beenden.“

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Die Trump-Regierung und insbesondere Rubio selbst hoffen, dass die kubanische Führung ohne die Öllieferungen aus Venezuela zusammenbrechen wird. „Wenn ich in der Regierung in Havanna wäre, wäre ich zumindest ein wenig besorgt“, sagte Rubio wenige Stunden nach Maduros Sturz.

Als Trump Rubio zum Außenminister ernannte, sorgte die Nominierung zunächst für Unmut innerhalb der Anhängerschaft des Präsidenten. Denn im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner 2016 hatten sich die beiden einst lautstark bekämpft. Trump verspottete seinen Rivalen als „Little Marco“, der wiederum seinerseits andeutete, dass der Immobilienmagnat einen ungewöhnlich kleinen Penis habe.

Rubio steht loyal an Trumps Seite – und hat sich auch gegen Vance durchgesetzt

Diese Fehde scheint längst vorbei zu sein. Rubio steht loyal an Trumps Seite und hat zusätzlich das Amt des nationalen Sicherheitsberaters übernommen. Er ist damit der erste seit Henry Kissinger, der beide wichtigen außenpolitischen Posten innehat. Durch diese Doppelrolle verbringt Rubio einen Großteil seiner Zeit mit Trump – entweder im Weißen Haus oder im neuen Machtzentrum Mar-a-Lago in Florida –, anstatt wie viele seiner Vorgänger ständig um die Welt zu jetten.

U.S. President Donald Trump speaks as Secretary of State Marco Rubio looks on during a press conference following a U.S. strike on Venezuela where President Nicolas Maduro and his wife, Cilia Flores, were captured, from Trump's Mar-a-Lago club in Palm Beach, Florida, U.S., January 3, 2026. REUTERS/Jonathan Ernst
Marco Rubio neben Donald Trump bei der Verkündung der Festnahme Maduros

© Reuters/Jonathan Ernst

Auch am 28. Februar saß er mit auf dem Sofa im Weißen Haus, als Trump und Vizepräsident JD Vance den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beschimpften. Rubio fühlte sich sichtlich unwohl dabei, sein missbilligender Gesichtsausdruck wurde zum Meme.

„Wir hielten Rubio für die „normale’ Person in der Regierung, mit der man reden kann“, sagt ein Diplomat eines mit den USA verbündeten Landes unter der Bedingung der Anonymität. „Aber natürlich ist klar, dass Trump für ihn oberste Priorität hat“.

Das Vorgehen in Venezuela zeigt auch, wie groß Rubios Einfluss auf den Präsidenten ist – und dass die Positionen von Vizepräsident JD Vance in der Außenpolitik derzeit kaum eine Rolle spielen. Während des gesamten Vorgehens gegen Venezuela war Vance öffentlich nicht zu sehen, gab lediglich ein Statement auf der Online-Plattform X ab, worin er natürlich Präsident Trump lobte.

Der Vizepräsident sprach sich allerdings stets für eine isolationistische US-Außenpolitik aus und gegen jede Form der militärischen Intervention – auch etwa zugunsten der Ukraine. Seit längerem wird über eine Rivalität zwischen Vance und Rubio berichtet. Doch auch wenn Rubio nun politisch Aufwind hat, könnte der Maduro-Triumph ihm auf lange Sicht auch schaden: Die Mehrheit der Amerikaner sieht das Vorgehen der Regierung gegenüber Venezuela kritisch. (AFP/jmi)

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
false
isPaid:
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })