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Aussicht auf Milliardenprojekte der USA und Russlands: Bericht enthüllt Wirtschaftsinteressen hinter Witkoffs „Geheimplan von Miami“
Das „Wall Street Journal“ legt mit einer Recherche nahe, dass Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und Russlands Unterhändler mit ihrem Ukraine-Plan vor allem gute Geschäfte im Blick hatten. Ideen für konkrete Projekte gab es auch.
Stand:
Offiziell ging es beim Treffen zwischen dem US-Sondergesandten Steve Witkoff, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und dem Kreml-Unterhändler Kirill Dimitrijew um die Beendigung des Ukrainekriegs. Nachdem die drei Männer sich Ende Oktober in Miami getroffen hatten, entstand kurz darauf der umstrittene und mittlerweile entschärfte 28-Punkte-Plan, der den Krieg in der Ukraine zugunsten Russlands beenden sollte.
Doch eine umfangreiche Recherche des „Wall Street Journal“ (WSJ) („Make money not war“ lautet die Überschrift) legt nun nahe, dass es bei den Gesprächen offenbar nicht nur um Geopolitik und Frieden ging. Demnach entwarfen Witkoff, Kushner und Dimitrijew auch detaillierte Pläne für einen gigantischen russisch‑amerikanischen Wirtschaftsneustart. Der Ukraine-Friedensplan sei demnach primär ein Wirtschaftsprojekt gewesen, das als Türöffner für Investitionen dienen sollte, schreibt das „WSJ“. Das Projekt baue außerdem auf Vereinbarungen auf, die Trump, Putin und ihre Delegationen bereits im August bei ihrem Treffen in Alaska besprochen haben sollen.
Den Kern des in Miami entwickelten Papiers machen laut „WSJ“ folgende Punkte aus:
- 300 Milliarden Dollar an eingefrorenen russischen Zentralbankgeldern sollen für US‑russische Investitionsprojekte genutzt werden, auch in der Ukraine.
- Gemeinsam sollen Arktis‑Projekte mit Zugang zu seltenen Erden, Gas und Öl entwickelt werden.
- Eine mögliche Wiederaufnahme von Projekten wie Nord Stream 2 wird angestrebt.
- Der wirtschaftliche Wiederaufbau der Ukraine wird von den USA angeführt.
Trump Jr.s alter Uni-Freund will mitverdienen
Von den Arktis-Projekten würde unter anderem Gentry Beach profitieren, ein alter Uni-Freund und Trauzeuge von Trumps Sohn Donald Jr. sowie umfangreicher Wahlkampfspender Trumps. In diesem Jahr zeigte Beach auch Interesse am Kauf der Überreste der Nord-Stream-2-Pipeline, was dem „WSJ“ auch von Olaf Scholz’ Sprecher Steffen Hebestreit bestätigt wurde – ein Projekt, das Trump in der Vergangenheit wohlbemerkt immer wieder scharf kritisiert hatte.
Weitere Oligarchen aus dem engen Putin-Umfeld – darunter Gennadi Timtschenko, Juri Kowaltschuk und die Rotenberg-Brüder Boris und Arkady – führen laut europäischen Geheimdiensten bereits Gespräche mit US‑Firmen über Gas‑ und Bergbauprojekte. Bereits im Sommer verhandelte der Ölkonzern ExxonMobil außerdem in Katar mit dem russischen Energiekonzern Rosneft über eine Rückkehr in das riesige Gasprojekt rund um die russische Pazifikinsel Sachalin.
Witkoff sagte dem „Wall Street Journal“, ein umfassender Handel mit Russland würde aus seiner Sicht automatisch zu Frieden führen.
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Entsprechend alarmiert zeigen sich politische Vertreter in Europa. Polens Regierungschef Donald Tusk wird vom „WSJ“ mit den Worten „Das ist nicht Frieden. Das ist Geschäft“ zitiert.
Witkoff reist unterdessen in der kommenden Woche erneut nach Moskau, um Russlands Diktator Wladimir Putin zu treffen. Es ist seine sechste Russland-Reise in diesem Jahr. Die Ukraine besuchte Witkoff kein einziges Mal. (jmi)
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