
© IMAGO/ZUMA Press Wire/IMAGO/Mohammed Turabi
Nach iranischen Drohungen: Israel will bei Angriff Teherans mit „Macht“ reagieren
Aktivisten berichten von rund 200 getöteten Demonstranten + Irans Außenministerium beschuldigt USA und Israel der Einflussnahme auf Proteste + Der Newsblog.
Stand:
Seit Ende Dezember 2025 kommt es im Iran zu Massenprotesten. Sie hatten sich ursprünglich an der schlechten Wirtschaftslage und den hohen Lebenshaltungskosten entzündet, richten sich inzwischen aber vor allem gegen die Führung des Landes. Das iranische Regime reagiert auf die anhaltenden Proteste mit brutaler Gewalt und hat das Internet abgeschaltet. Nichtregierungsorganisationen berichten von fast 200 getöteten Demonstranten. Alle aktuellen Entwicklungen im Iran finden Sie in unserem Newsblog.
Hinweis: Angaben aus dem Iran sowie Bilder und Videos aus der Region lassen sich oft nicht endgültig verifizieren. Wir geben sie dennoch mit einem entsprechenden Hinweis wieder, um einen möglichst detaillierten Blick auf die aktuellen Ereignisse im Land zu vermitteln.
Israels Armee: Würden auf iranischen Angriff mit Macht reagieren
Nach Irans Drohung, im Fall eines US-Angriffs zur Unterstützung der Protestbewegung auch mit Gegenschlägen auf Israel zu reagieren, sieht sich die dortige Armee vorbereitet. „Wir werden bei Bedarf in der Lage sein, mit Macht zu reagieren“, teilte das israelische Militär mit.
Am Wochenende habe es wegen der Entwicklungen im Iran mehrere Lagebesprechungen gegeben, hieß es weiter. Israels Armee betonte zugleich: „Die Proteste sind eine interne iranische Angelegenheit.“ Die Lage werde aber beobachtet.
US-Präsident Donald Trump hatte den Teilnehmern der Massenproteste gegen die Staatsführung im Iran Unterstützung zugesichert. Teheran drohte, jede Attacke der USA werde zu Angriffen auf Israel und regionale US-Militärstützpunkte als „legitime Ziele“ führen, zitierte der arabische Sender Alaraby auf X Irans Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf. (dpa)
Irans Parlamentspräsident droht USA mit Vergeltung im Falle eines Angriffs
Nach militärischen Drohungen von US-Präsident Donald Trump hat der iranische Parlamentspräsident den USA mit Vergeltung gedroht. „Im Falle eines militärischen Angriffs durch die USA werden sowohl das besetzte Gebiet als auch die Zentren des US-Militärs und die Schifffahrt unsere legitimen Ziele sein“, sagte Mohammad Bagher Ghalibaf am Sonntag in einer im Staatsfernsehen übertragenen Rede. Mit „besetztem Gebiet“ bezog sich Ghalibaf offenbar auf Israel, dessen Existenzrecht die Führung in Teheran nicht anerkennt.
US-Präsident Trump hatte in den vergangenen Tagen mehrfach mit einem militärischen Eingreifen der USA im Iran gedroht, falls dessen Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Protestierende vorgehen sollten. Menschenrechtsorganisationen zufolge wurden seit Beginn der Demonstrationen Ende Dezember bereits dutzende Menschen getötet, die Führung der islamischen Republik verhängte am Freitag eine landesweite Internetsperre.
Einem Bericht der „New York Times“ zufolge wurde der US-Präsident bereits über Optionen für mögliche militärische Angriffe auf den Iran informiert. Demnach hat Trump noch nicht endgültig über einen Angriff entschieden. Im vergangenen Juni hatten die USA bereits Atomanlagen im Iran bombardiert. (AFP)
Schah-Sohn ändert Botschaft an Protestbewegung
Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, hat in einer neuen Botschaft an die Protestbewegung gemäßigtere Töne angeschlagen. „Ich bitte Sie alle, sich mit Ihren Freunden und Familienangehörigen in Gruppen auf die Hauptstraßen der Städte zu begeben. Trennen Sie sich unterwegs nicht voneinander oder von der Menschenmenge und nehmen Sie keine Seitenstraßen, die Ihr Leben gefährden könnten“, sagte Pahlavi laut einer englischen Übersetzung seiner Rede, die auf X veröffentlicht wurde.
Am Samstag hatte der im Exil in den USA lebende Pahlavi noch zu landesweiten Streiks aufgerufen. Arbeiter und Angestellte von Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und Energieindustrie sollten ihre Arbeit niederlegen. Er forderte außerdem Demonstranten dazu auf, zentrale Plätze in Städten zu besetzen und zu kontrollieren. Wegen einer fast vollständigen Internetsperre im Iran ist nicht bekannt, ob und in welchem Ausmaß Menschen seinem Aufruf gefolgt sind.
Kritiker: Aufruf brachte Demonstranten in GefahrEin Kritiker schrieb auf Englisch auf X, Pahlavi hätte in seiner Erklärung zu Disziplin und Gewaltlosigkeit aufrufen sollen. Sein Aufruf, „die Zentren der Städte zu erobern und zu kontrollieren“, bringe Demonstranten in Gefahr. Angesichts der zu erwartenden Reaktion der schießwütigen iranischen Behörden halte er diesen Ansatz für unverantwortlich.
Aus seinem Exil heraus beansprucht Pahlavi eine Führungsrolle in der Opposition. Viele Menschen im Iran setzen ihre Hoffnungen auf Unterstützung aus dem Ausland. Bei den aktuellen Massenprotesten ertönte auch der Slogan „Lang lebe der König“ – ein direkter Hinweis auf Pahlavi. Dessen aktueller Erfolg sei jedoch weniger seinen Führungsqualitäten zu verdanken, schrieb der iranische Kritiker Sadegh Sibakalam, sondern vielmehr der Unfähigkeit, Misswirtschaft sowie den Fehlentscheidungen der Staatsführung geschuldet. (dpa)
Papst Leo XIV. besorgt wegen Blutvergießen im Iran
Auch Papst Leo XIV. ist zutiefst besorgt wegen des aktuellen Blutvergießens im Iran. Beim Mittagsgebet sagte er am Sonntag vor Tausenden Menschen auf dem Petersplatz: „Im Iran und in Syrien verursachen anhaltende Spannungen den Tod vieler Menschen. Ich hoffe und bete, dass man sich dort mit Geduld um Dialog und Frieden bemüht und das Gemeinwohl aller sucht.“
Auch zu den erneut verschärften russischen Angriffen auf die Ukraine äußerte sich der der Papst und sagte: „Die schweren Angriffe auf die Infrastruktur treffen vor allem die Zivilbevölkerung. Ich bete für die Leidenden und erneuere meinen Appell, die Gewalt zu beenden und die Bemühungen um einen Weg zum Frieden zu verstärken.“ (KNA)
Israel sichert iranischem Volk Unterstützung im „Kampf für Freiheit“ zu
Zwei Wochen nach Beginn der regierungskritischen Proteste im Iran hat Israels Außenminister Gideon Saar dem iranischen Volk die Unterstützung seines Landes zugesichert. „Wir unterstützen den Kampf des iranischen Volkes für die Freiheit und wünschen ihm viel Erfolg“, sagte Saar in einem am Sonntag im Onlinedienst X veröffentlichten Video. Der Iran habe eine bessere Zukunft verdient, betonte Saar.
„Wir hegen keinerlei Feindseligkeit gegenüber dem iranischen Volk. Wir haben ein enormes Problem mit dem Regime“, fügte er hinzu und bezeichnete die Regierung in Teheran als „größten Exporteur von Terrorismus und Radikalismus“.
Zuvor hatte Saar in einem separaten Beitrag auf X die EU aufgerufen, die Revolutionsgarden als „terroristische Organisation“ einzustufen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), der sich gerade in Israel aufhält, habe er gesagt, dass jetzt der Zeitpunkt für eine solche Einstufung gekommen sei. „Dies ist seit langem die Haltung Deutschlands, und heute ist die Bedeutung dieser Angelegenheit für alle offensichtlich“, fügte Saar hinzu. (AFP)
Iranischer Präsident warnt „Aufrührer“ vor weiteren Protesten
Nach den tagelangen Massenprotesten im Iran hat der iranische Präsident Massud Peseschkian „Aufrührer“ vor weiteren Demonstrationen gewarnt. Es könne nicht zugelassen werden, dass „Aufrührer die Gesellschaft destabilisieren“, sagte Peseschkian in einem am Sonntag ausgestrahlten Fernsehinterview. Die Bevölkerung rief er auf, „Vertrauen in unseren Willen zur Durchsetzung der Gerechtigkeit“ haben.
Im Iran gibt es seit rund zwei Wochen Proteste, die sich inzwischen zu einer Massenbewegung ausgeweitet haben. Sie entzündeten sich zunächst an der Unzufriedenheit über die wirtschaftlichen Lage, inzwischen richten sie sich gegen die Führung in Teheran.
Die Behörden gehen hart gegen die Proteste vor, nach Angaben von Menschenrechtlern wurden bereits mindestens 192 Menschen getötet. Angesichts einer seit Tagen andauernden landesweiten Internetsperre fürchten Aktivisten, dass die tatsächlichen Zahlen noch weit höher liegen. (AFP)
Massenproteste im Iran gehen weiter - Aktivisten sprechen von 192 Toten
Im Iran gehen die Massenproteste trotz des harten Durchgreifens der Behörden weiter, bei dem laut Aktivisten bereits fast 200 Menschen getötet wurden. Unter Umgehung einer landesweiten Internetsperre veröffentlichte Videos zeigten große Menschenmengen bei Demonstrationen in mehreren Städten des Landes am Samstagabend. Die Polizei meldete am Sonntag zahlreiche Festnahmen. Nach wiederholten Warnungen von US-Präsident Donald Trump drohte Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf den USA mit Vergeltung im Falle eines Angriffs.
Im Internet veröffentlichte Videos zeigten Menschenmengen in mehreren Städten des Iran, darunter die Hauptstadt Teheran und Maschhad im Osten. Dort wurden Autos in Brand gesetzt. Die Videos gelangten trotz einer von den Behörden am Freitagabend verhängten landesweiten Internetsperre online. Die Sperre, welche die Kommunikation mit der Welt außerhalb des Irans massiv erschwerte, dauerte am Sonntag an. Auch der Mobilfunkverkehr ist seit Samstag blockiert.
Videos, die AFP zunächst nicht überprüfen konnte, sollen zeigen, wie Angehörige im Teheraner Leichenschauhaus die sterblichen Überreste getöteter Demonstrantinnen und Demonstranten identifizieren.
Nach jüngsten Angaben der in Norwegen ansässigen Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) wurden bislang mindestens 192 Menschen bei den Protesten getötet. Die Zahl könne jedoch „erheblich größer“ sein, fügte IHR an.
Die Aktivistengruppe Human Rights Activists News Agency mit Sitz in den USA konnte nach eigenen Angaben bislang den Tod von 116 Menschen im Zuge der Proteste bestätigen, darunter 37 Mitglieder der Sicherheitskräfte oder anderer Behörden.
Das in den USA ansässige Center for Human Rights in Iran (CHRI) erhielt nach eigenen Angaben „Augenzeugenschilderungen und glaubwürdige Berichte“, wonach seit Beginn der Internetsperre hunderte Protestierende getötet wurden. „Im Iran spielt sich ein Massaker ab“, warnte die Gruppe. Die Krankenhäuser des Landes seien mit der Masse an Verletzten überfordert, es drohe ein Mangel an Blutkonserven. (AFP)
Medien: Brandanschlag von Siedlern in Schule im Westjordanland
Israelische Siedler haben palästinensischen Medienberichten zufolge ein Klassenzimmer in einer Schule im Westjordanland in Brand gesetzt. Die Bewohner des Dorfes Dschalud südlich von Nablus konnten das Feuer demnach löschen. Da der Angriff außerhalb der Unterrichtszeit stattgefunden habe, sei niemand verletzt worden. Israelischen Medien zufolge sei es auch zu Zerstörungen und Graffiti mit den Worten „Rache“ gekommen.
In einer Stellungnahme bestätigte die israelische Armee die Brandstiftung in der Schule. Nach Berichten über Vandalismus seien Soldaten in das Dorf geschickt worden, hätten aber keine Verdächtigen gefunden.
Bei einem weiteren Zwischenfall in einem anderen Dorf seien mehrere palästinensische Fahrzeuge in Brand gesetzt und das Eigentum palästinensischer Einwohner beschädigt worden. (dpa)
Bundesregierung verurteilt israelische Baugenehmigung für Siedlungsprojekt
Die Bundesregierung hat die Baugenehmigung für ein neues israelisches Siedlungsprojekt im Westjordanland kritisiert. „Wir verurteilen solche Schritte in Bezug auf das Siedlungsprojekt E1 und fordern die israelische Regierung auf, den Siedlungsbau einzustellen“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Dieser verstoße gegen das Völkerrecht und einschlägige Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.
Das E1-Projekt, das von der rechtsgerichteten israelischen Regierung vorangetrieben wird, gilt als besonders heikel, weil es faktisch das besetzte Westjordanland teilen und damit die Mobilität der palästinensischen Bevölkerung entscheidend einschränken würde. Erklärtes Ziel des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu ist es, die unter anderem von Deutschland geforderte Zweistaatenlösung zu verhindern. (Reuters)
Das Außenministerium in Teheran hat den USA und Israel eine direkte Einflussnahme auf die seit Tagen wachsende Protestbewegung im Iran vorgeworfen. „Die Amerikaner und Israelis haben selbst gesagt, dass sie direkt in die Proteste im Iran eingreifen“, sagte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi am Freitag während eines Besuchs im Libanon. „Sie versuchen, die friedlichen Proteste in spaltende und gewalttätige Proteste zu verwandeln.“ (dpa)
Zehntausende Menschen fliehen wegen Gefechten in Aleppo
Wieder gewaltsame Vorfälle in Gaza
Bericht über weitere Opfer in Gaza
EU und Jordanien fordern „schnelle“ humanitäre Hilfe für den Gazastreifen
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid:
- false