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Der Milliardär Bill Ackman unterstützt eine GoFundMe-Kampagne für den ICE-Beamten, der eine 37-jährige Frau erschossen haben soll.

© IMAGO/Sipa USA/IMAGO/Anthony Behar

Nach tödlichen Schüssen auf Renee Good: Milliardär Ackman unterstützt Schützen von Minneapolis mit 10.000 US-Dollar

Der Milliardär Bill Ackman spendet eine große Summe Geld an den ICE-Beamten, der Renee Good erschoss. Er beruft sich auf die Unschuldsvermutung. Doch Videos des Vorfalls werfen Fragen auf.

Stand:

Der Milliardär Bill Ackman spendet 10.000 US-Dollar an eine Online-Kampagne, die Jonathan Ross unterstützen will – also jenen ICE-Beamten, der vergangene Woche in Minneapolis die 37-jährige Renee Nicole Good erschossen hat. Als Top-Geber der GoFundMe-Kampagne für Ross erscheint der Hedgefonds-Manager prominent auf der Spenderliste. Die Kampagne hat mittlerweile fast 600.000 Dollar eingesammelt. Ackman teilte den Spendenaufruf auch auf der Plattform X.

Die investigative Journalistin Jacqueline Sweet berichtete am Sonntagmorgen über Ackmans Spende. Nach einem Tag der Spekulationen bestätigte Ackman am Sonntagabend (US-Ortszeit), dass er tatsächlich der „William Ackman“ hinter der Spende war.

Ross erschoss Good am vergangenen Mittwoch in einer Konfrontation zwischen ICE-Beamten und Good und ihrer Partnerin. Der Beamte feuerte mehrfach auf das Auto und tötete die dreifache Mutter. Was folgte, war eine Welle landesweiter Proteste und ein erbitterter politischer Streit zwischen der Trump-Regierung und demokratischen Lokalpolitikern.

„Unschuldig bis die Schuld bewiesen ist“

Ackman rechtfertigte seine Spende mit einem Grundprinzip des Rechtsstaats. „Ich bin ein großer Verfechter unseres Rechtsprinzips, dass man unschuldig ist, bis die Schuld bewiesen ist“, schrieb er auf X. Er habe auch für Goods Familie spenden wollen, doch die GoFundMe-Seite sei bereits geschlossen gewesen, als er es versuchte. Seine Einschätzung des Vorfalls: „Die ganze Situation ist eine Tragödie. Ein Beamter, der sein Bestes tut, um seinen Job zu machen, und eine Demonstrantin, die wahrscheinlich nicht beabsichtigte, den Beamten zu töten, aber deren Handlungen in einem Sekundenbruchteil zu ihrem Tod führten.“

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Der Organisator der Spendenkampagne für Ross, Clyde Emmons aus Michigan, sieht die Sache anders. Er bezeichnete Good als „inländische Terroristin“ und erklärte, die Handlungen des Beamten seien „zu 1000 Prozent gerechtfertigt“ gewesen, berichtet „The Intercept“. Die gesammelten Gelder sollen für Ross’ Rechtsberatung verwendet werden.

Zwei völlig unterschiedliche Versionen

Auch die Trump-Regierung portraitiert Good als Extremistin. Das Heimatschutzministerium behauptet etwa, sie habe „ihr Fahrzeug als Waffe eingesetzt und versucht, unsere Polizeibeamten zu überfahren, um sie zu töten“. Heimatschutzministerin Kristi Noem sprach von „einem Akt des inländischen Terrorismus“.

Doch Videoaufnahmen erzählen eine andere Geschichte. Experten und Analysten, die das Material ausgewertet haben, kommen laut „Forbes“ zu einem anderen Schluss: Die Videos zeigen, dass Goods Auto sich von dem Beamten wegdrehte, als es sich in Bewegung setzte – es berührte ihn zwar, fuhr aber nicht auf ihn zu. Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, nannte die Darstellung der ICE schlicht „Bullshit“.

Noch brisanter: Neues Videomaterial zeigt, wie jemand Good nach den tödlichen Schüssen als „fucking bitch“ – „verdammte Schlampe“ – beschimpft. Als Noem von CNN gefragt wurde, ob es Ross’ Stimme sein könnte, antwortete sie ausweichend: „Es könnte sein.“

Ein Milliardär mit politischer Mission

Ackman ist kein Unbekannter in der Welt der politischen Wortmeldungen. Der Gründer und CEO von Pershing Square Capital Management verfügt über ein geschätztes Vermögen von 9,3 Milliarden US-Dollar und steht auf der Rangliste der vermögendsten Menschen der Welt auf Platz 359, schreibt „Forbes“. Seine Online-Präsenz und seine pointierten Kommentare zu aktuellen Themen haben ihm Aufmerksamkeit verschafft. Die „New York Times“ beschrieb ihn einst als „bekanntermaßen stur“. Gegenüber dem „New York Magazine“ erklärte er sein politisches Engagement mit einem Wortspiel: „Mein Name ist Ackman – das ist wie Activist Man.“

Politisch hat Ackman eine Wandlung vollzogen. Lange Zeit spendete er an die Demokratische Partei, bevor er Trump während dessen Wahlkampf 2024 öffentlich unterstützte, so die „Daily Mail“. Auch die Unterstützung Israels und die Bekämpfung von Antisemitismus sind ihm ein Anliegen: Im Dezember 2025 spendete er 99.999 Dollar an Ahmed Al-Ahmed, jenen syrischen Geflüchteten, der bei einem Angriff auf eine Hanukkah-Feier am Bondi Beach in Australien fünfmal angeschossen wurde, als er versuchte, einen der Angreifer zu entwaffnen.

Eskalation auf allen Ebenen

Die Trump-Regierung verschärfte ihre Rhetorik in den Tagen nach dem Vorfall derweil weiter. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, bezeichnete Good am Montag zweimal als „Verrückte“ („lunatic“), berichtet „The Independent“. Sie sagte, Ross sei „absolut gerechtfertigt gewesen, Selbstverteidigung gegen eine Verrückte anzuwenden, die Teil einer Gruppe war, einer organisierten Gruppe, um sich einzumischen und Polizeieinsätze zu behindern.“

Die Gegenseite reagierte mit juristischen Mitteln. Der Bundesstaat Minnesota und die Stadt Minneapolis reichten am Montag Klage gegen die Trump-Regierung ein. Der Vorwurf: Die laufende Einwanderungsrazzia des Heimatschutzministeriums verstoße gegen die Verfassung.

Unterdessen sammelte eine GoFundMe-Kampagne für Good in nur zwei Tagen mehr als 1,5 Millionen Dollar. Good war eine preisgekrönte Dichterin und Mutter von drei Kindern. Mehrere lokale Politiker erklärten, sie sei als „legal observer“ vor Ort gewesen – eine Freiwillige, die Polizei- und Sicherheitskräfte bei Protesten und Einsätzen beobachtet. Ihre Mutter sagte, ihre Tochter sei „nicht Teil von irgendetwas“ gewesen, das ICE-Beamte herausgefordert habe, berichtet die BBC. (mit AFP)

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