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Auf diesem vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Video nimmt ein russischer Panzer an einem nicht näher bezeichneten Ort im russisch-ukrainischen Grenzgebiet Kursk eine Feuerschutzstellung ein (Archiv- und Symbolfoto).

© dpa/Uncredited

Ukraine-Invasion, Tag 1418: Britischer Militärexperte lässt kein gutes Haar an neuem russischen Panzerdesign

Moskaus Oreschnik traf angeblich ukrainisches Flugzeugreparaturwerk, Estland verhängt Einreiseverbot gegen 261 Russen. Der Nachrichtenüberblick am Abend.

Stand:

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ist schon seit langer Zeit zu einer Art Testlabor für Innovationen geworden. Beide Seiten versuchen, sich durch technologische Neuerungen einen Vorteil an der Front zu verschaffen. So hatte Russland etwa erst vor wenigen Tagen ein neues Panzerdesign unter dem Namen „Löwenzahn-Panzer“ vorgestellt. Ein britischer Militärexperte und Ex-Offizier lässt daran aber kein gutes Haar.

In einem Gastbeitrag für den britischen „Telegraph“ findet Hamish de Bretton-Gordon mehr als deutliche Worte und nennt das Design etwa den „neuesten plumpen Versuch“ Russlands, „die katastrophalen Panzerverluste“ einzudämmen (Quelle: hier). Russlands Versuche, seine Panzer vor ukrainischen Drohnen zu schützen, seien zu einer Farce verkommen, schreibt der Experte weiter. Das sei auch schon bei den „Schildkrötenpanzern“ und den „Igeln“ der Fall gewesen und gehe nun mit dem „Löwenzahn“ weiter.

„Die Russen scheinen die heilige Dreifaltigkeit des Panzerdesigns vergessen zu haben: Feuerkraft, Schutz und Mobilität“, schreibt Bretton-Gordon. Die Panzerverstärkung aus Drahtgeflecht beim „Löwenzahn“ untergrabe gleich alle drei Aspekte: Erstens sei zwar die Hauptkanone beeindruckend, aber die Zielerfassung durch den Käfig aus Metall sei seiner Ansicht nach beeinträchtigt. Zweitens sei das Fahrzeug nun größer und daher besser sichtbar für den Gegner. Und drittens habe der Panzer ein größeres Gewicht, was die Mobilität beeinträchtige.

Das Fazit des Militärexperten: Der „Löwenzahn“ mache es dem Gegner nicht schwerer, sondern leichter, russische Panzer zu zerstören. Aus militärischer Sicht sei das zwar zu begrüßen, fügt Bretton-Gordon mit Blick auf die Ukraine hinzu. Aber zugleich müsse er an die schlecht ausgebildeten Besatzungen denken, „die in diese fahrenden Särge gezwungen würden“.

Die wichtigsten Nachrichten des Tages

  • London hat angekündigt, eine neue ballistische Rakete für die Ukraine zu entwickeln. Zu diesem Zweck wurde im Rahmen des Projekts „Nightfall“ ein Wettbewerb zur schnellen Entwicklung von bodengestützten Raketen ausgeschrieben. Mehr dazu hier.
  • Bei ihrem Einsatz der Hyperschallrakete Oreschnik in der westlichen Ukraine am vergangenen Freitag haben die russischen Streitkräfte nach Angaben aus Moskau eine Flugzeug-Instandsetzungsfabrik in Lwiw getroffen. Das erklärte das russische Verteidigungsministerium am Montag. Mehr im Newsblog.
  • Estland hat Einreiseverbote gegen 261 Russen verhängt, die am russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine beteiligt und im Kriegseinsatz an der Front waren. „Es besteht kein Zweifel, dass es sich hier um Personen mit einer feindseligen Haltung gegenüber Europa handelt“, begründete Innenminister Igor Taro den Schritt. 
  • Russlands Präsident Wladimir Putin fordert, dass sich Ukrainerinnen und Ukrainer, die sich in Russland aufhalten, an künftigen Wahlen in der Ukraine beteiligen sollen. Der Kreml verbreitet diese Forderung bereits seit Dezember 2025. Experten, warnen, dass Russland ein solches Szenario nutzen könnte, um massenhafte Wahlfälschungen zu ermöglichen. Der ukrainische Präsident Wolodomyr Selenskyj lehnt die Forderung ab. 
  • Ein ukrainischer Jugendlicher hat am Montag in einer Schule in Kiew einen Lehrer und einen Mitschüler mit einem Messer verletzt. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, wurde der 14-Jährige festgenommen. Die Ermittler gehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hinweisen nach, wonach der Junge unter russischem Einfluss stand.
  • Das Interesse an russischen Rüstungsgütern im Ausland ist nach Angaben aus Moskau auf Rekordniveau. „Bis 2022 lag der maximale Auftragswert bei 55 Milliarden Dollar. Heute haben wir mit 70 Milliarden Dollar an schon unterschriebenen Verträgen einen Rekord“, sagte Vizeregierungschef Denis Manturow bei einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin.
  • Bundeskanzler Friedrich Merz hat Verständnis dafür geäußert, dass Indien noch russisches Gas und Öl bezieht. „Wir sind uns in der Bewertung des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine vollkommen einig“, sagt Merz bei seinem Indien-Besuch. „Ich habe gleichzeitig verstanden, wie abhängig Indien auch über die letzten Jahre und Jahrzehnte von russischen Öl- und Gaslieferungen nach wie vor ist.“
  • Im Jahr 2025 hat das staatliche Korruptionsermittlungsbüro der Ukraine insgesamt 7420 Anklageschriften gegen knapp 8000 Personen an ukrainische Gerichte übergeben. Dabei handelt es sich um Verfahren wegen Korruption, Amtsmissbrauch, Verstöße im Verteidigungsbereich, Straftaten von Polizeibeamten und Richtern sowie um Delikte gegen die nationale Sicherheit, wie das Büro auf seiner Website mitteilt.
  • Russische Agenten suchen in von der Ukraine kontrollierten Gebieten nach privaten Wohnhäusern, um dort Funkrelais zur Steuerung von Angriffsdrohnen des Typs „Shahed“ zu installieren. Darüber berichtet der unabhängige Experte für Funk- und Radiotechnologien, Serhii „Flash“, in seinem Telegram-Kanal. Nach dessen Angaben handelt es sich dabei um zivile Wohnhäuser, die häufig von älteren Menschen bewohnt sind.
  • Am Montagmorgen haben russische Truppen erneut die ukrainische Eisenbahninfrastruktur angegriffen. Infolge der Schäden verkehren einige Züge mit Verspätungen, einzelne Strecken werden über Umleitungen bedient. Das teilte der Vorsitzende der Ukrzaliznytsia, Oleksandr Pertzovskyi, in einem Facebook-Beitrag mit.
  • Für 35.000 Haushalte im südukrainischen Gebiet Odessa ist nach einem russischen Drohnenangriff der Strom ausgefallen. Das teilte der Stromversorger DTEK mit und sprach von einem schweren Schaden. „Die Wiederherstellung der Versorgung braucht Zeit“, hieß es in der Mitteilung. 

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