30 Jahre Junge Sinfonie Berlin : Mit Leidenschaft und Präzision

Die Junge Sinfonie Berlin gehört zu den besten Nachwuchsorchestern der Stadt. In der Philharmonie feiert sie ihr 30-jähriges Bestehen.

Elias Pietsch
Die Junge Sinfonie Berlin beim Konzert in der Philharmonie
Die Junge Sinfonie Berlin beim Konzert in der PhilharmonieFoto: Stephan Röhl

Seit 30 Jahren finden sich Musikstudierende und andere junge Klassikbegeisterte nun schon zusammen, um als Junge Sinfonie Berlin in der Philharmonie Konzerte zu spielen. 1989 gründete der französische Dirigent Marc Piollet das Orchester, damals noch als Musikschulensemble in Reinickendorf. Seitdem ist viel passiert, Preise wurden gewonnen und Tourneen gespielt, die Junge Sinfonie gehört zu den besten Nachwuchsorchestern der Stadt.

Am Sonntag feiern sie ihr Gründungsjubiläum nun mit einem ambitionierten Programm, das dem traditionellen Fokus des Orchesters auf die Musik des 19. und 20. Jahrhunderts treu bleibt. Der Abend beginnt mit Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“, ein musikalisch enorm anspruchsvollen Stück, das die Junge Sinfonie mit viel Leidenschaft angeht. Besonders die polyrhythmischen Strukturen meistern die Musikerinnen und Musiker wunderbar, auch die dynamischen Kontraste zwischen idyllischen und wilden Stellen sind gut herausgearbeitet.

Lyrische, ausdrucksstarke Bläser

Einen tollen Job machen vor allem die Bläser mit lyrischen, auch schön bratzigen Passagen. Kleine Ungenauigkeiten fallen angesichts der Begeisterung, mit der das Orchester „Sacre“ angeht, nicht ins Gewicht. Diese Freude an der Musik dürfte auch an der feingliedrigen, entspannten Art liegen, mit der Dirigent Marc Piollet sein Ensemble durch das scheinbare Chaos der Musik Strawinskys führt.

Marc Piollet, Dirigent und Gründer der Jungen Sinfonie Berlin
Marc Piollet, Dirigent und Gründer der Jungen Sinfonie BerlinFoto: Felix Broede

Nicht minder anspruchsvoll geht es nach der Pause mit Anton Bruckners Neunter weiter, der letzten, unvollendet gebliebenen Sinfonie des österreichischen Komponisten. Der Jungen Sinfonie gelingt vor allem der erste Satz sehr gut, die jungen Musikerinnen und Musiker folgen Bruckners Vortragsbezeichnung „feierlich“ mit Hingabe. Erneut beeindrucken die präzisen und ausdrucksstarken Bläser, die Streicher punkten vor allem in den dramatischen, schwelgerischen Passagen. Die leiseren Stellen, vor allem im dritten Satz, verschwimmen hingegen ein wenig und klingen zu undefiniert. Es ist dem Orchester und Marc Piollet aber hoch anzurechnen, dass man während des Konzerts nur sehr selten merkt, dass hier Studierende musizieren und (noch) keine Profis.

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