Auftakt der Quartett-Woche : Es flirrt von leichter Hand

Triumphaler Auftakt der Quartett-Woche: Im Pierre Boulez Saal begeistert das französische Streichquartett Quatuor Ébène.

Der Pierre Boulez Saal.
Der Pierre Boulez Saal.Foto: picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa

Geht gar nicht: aus der Herkunft von Musikern (Kurz-)Schlüsse auf ihre Interpretation, ihren Stil zu ziehen. Doch möchte man das, was das Quatuor Ébène am Freitag im Pierre Boulez Saal mit Beethoven veranstaltet, „französisch“ nennen. Es flirrt von leichter Hand, kaum scheinen die Bögen die Saiten zu berühren. Ja, ein Klischee, aber: So klingt Impressionismus. Beethoven schadet es nicht. Die ersten beiden seiner drei Rasumovsky-Quartette op. 59 erhalten so eine unkonventionelle, verführerische Färbung.

Beethoven stößt in seiner mittleren Phase ab 1800 die Fenster weit auf, dehnt Länge und Anspruch ins Heldenhafte: 400 Takte allein für den Kopfsatz von Op. 59 Nr.1. Im Allegretto demonstrieren die Ébénes, dass sie auch griffig, substanziell spielen können, im Adagio molto gehen sie den Weg in die Innerlichkeit. Die Primgeige von Pierre Colombet intoniert das Hauptthema, Raphaël Merlins Cello greift es in Diskantlage auf, und auf einmal scheint Beethovens viel später (fürs a-Moll-Quartett op. 132) entstandener „Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit, in der lydischen Tonart“ ganz nah. Im Presto-Finale trumpfen die Vier (Gabriel Le Magadure, 2. Geige, Marie Chilemme, Bratsche) mit intuitivem, traumwandlerisch sicherem Zusammenspiel auf.

Das Konzert eröffnet die Quartett-Woche, in der elf Top-Formationen die Möglichkeiten der Gattung ausloten, mit Streichquartetten aus vier Jahrhunderten. Von den zeitgenössischen Stücken ist Henri Dutilleux' „Ainsi la nuit“ (1976) eines der erfolgreichsten. An diesem Abend wirkt es, als würde Dutilleux die Stimmung aus Beethovens drittem Satz direkt fortschreiben; die zahlreichen Nachtgestalten, die er in Form markanter, oft pizzicato-basierter Motive tanzen lässt, formen die Franzosen prägnant-einfühlsam aus. Schließlich Op. 59 Nr. 2, mit seinem zur Fuge ausgebauten „thème russe“: Die Ébénes gehen es beherzt an, aber nie naiv, so als würden sie sich selbst auf einer höheren Ebene beim Spielen beobachten. Stehende Ovationen, ein triumphaler Auftakt.

Quartettwoche im Pierre Boulez Saal, bis 16. Juni

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