Vier Künstlerinnen in der Galerie Burster : Gut in Form

In der Galerie Burster stellen vier Künstlerinnen die Vielfalt der zeitgenössischen Abstraktion unter Beweis

Laura Storfner
Blick in die Ausstellung
Blick in die AusstellungFoto: Galerie Burster

Während das Lenbachhaus in München aktuell vorführt, wie entscheidend Künstlerinnen Anfang des 20. Jahrhunderts an der Erfindung der Abstraktion beteiligt waren, zeigt die Galerie Burster, welche Wege Frauen heute auf dem Feld der gegenstandslosen Malerei einschlagen. Man könnte meinen, dass sich die vier Malerinnen, die in Charlottenburg ausstellen, ein Gemeinschaftsatelier teilen, so direkt nehmen ihre Arbeiten aufeinander Bezug. Kennengelernt haben sich Jessica Buhlmann, Li-Wen Kuo, Maria Schumacher und Karolin Schwab jedoch erst vor ein paar Wochen, als sie die Schau gemeinsam eröffneten. Was die vier neben ihrem Alter – alle sind zwischen 1977 und 1987 geboren – vereint, ist die Rigorosität, mit der sie die Grenzen von Farbe und Form mal auf der Leinwand, mal installativ austesten. „Die Ausstellung ist aus dem Wunsch heraus entstanden, Künstlerinnen derselben Generation vorzustellen, die unterschiedlich mit Fragen nach Balance, Symmetrie und Asymmetrie umgehen,“ erklärt die Direktorin der Galerie, Miriam Schwarz.

Die Leinwand dehnt sich in den Raum

Umso überraschender, welche Parallelen und Querverweise, die Werke im Zusammenspiel sichtbar werden lassen. Jessica Buhlmann setzt ihre Bildwelten collagenartig zusammen, auch wenn sie auf Schere und Klebstoff verzichtet. Ölfarbe trägt sie so dicht und deckend auf die Leinwand auf, als könnte man die Flächen im Ganzen ablösen, Holz fräst sie zu scharfkantigen Formen, die sich im Raum als Schattenformationen fortsetzen (Preise zwischen 4000 und 16000 Euro). Ihre Gemälde wirken, als wären Matisses Scherenschnitte oder Alexander Calders Mobiles aus der Form geraten und als verzerrte Schablonen neu arrangiert worden. Als skulpturale Versuchsanordnungen lässt Buhlmann ihre Formexperimente bisweilen auch in den Raum treten: Ihre Arbeit „The Day of Forever“, bestehend aus freischwebenden Farbflächen und einem provisorischen Metallgerüst, das den Bilderrahmen imitiert, wird durch nicht viel mehr als ein Stück Schnur im Gleichgewicht gehalten (Preis: 13000 Euro). Die Leinwand verlässt Maria Schumacher zwar nicht, die räumliche Beschränkung, die der Keilrahmen der Malerei aufzwingt, stellt die Leipzigerin dennoch in Frage.

Karolin Schwabs Arbeit ändert sich täglich

Während Bildfehler, sogenannte glitches, in der medienbasierten Kunst längst ein eigenes Genre bilden, erhebt Schumacher analoge Störimpulse wie Farbspritzer und verlaufende Pinselspuren zum Bildgegenstand (Preise 2400 bis 6500 Euro). Am Übergang zum Körperlichen bewegen sich Li-Wen Kuos Gemälde, für die die Frankfurterin gelegentlich Fotografien als Bildgrund verwendet. Doch immer dann, wenn man meint, ihre Kompositionen narrativ deuten zu können, wird die Andeutung eines Gesichts von bunten Pinselstrichen überlagert. Farbe spielt im Werk von Karolin Schwab eine untergeordnete Rolle. Bei ihr dominiert die Form, insbesondere der Kreis. Mal wächst er als „Sculptural Drawing“ aus der Wand heraus, mal hängt er angeschnitten auf Augenhöhe wie eine stilisierte, aufgehende Sonne. Dass die ihre Werke nicht nur sinnbildlich mit dem Raum interagieren, führt Schwab mit der Arbeit „Black Water“ vor: einer schwarzlackierten MDF-Platte, die von einem dünnen Wasserfilm bedeckt ist (Preis: 6500 Euro). Wie schnell sich die Pfütze ausbreitet, wie stark sie in das Holz eindringt und wie schnell sie verdunstet, hängt von der Beschaffenheit und Wärme der Galerieumgebung ab. „Die Arbeit verändert sich täglich,“ erklärt Schwarz. Gleichzeitig verleiht „Black Water“ auch der Umgebung eine neue Dimension: Nicht nur die Werke, die unverändert an den Wänden hängen, auch die Besucher, werden permanent reflektiert.

Galerie Burster, Kurfürstendamm 213, 10707 Berlin, Shape!, bis 19.1.2019

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