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Parodie eines berühmten Protestbildes vom Tiananmen-Platz in China, 1989. Die Panzer der Regierung wurden gegen Bade-Enten ausgetauscht.

© Promo, Tank Man Meme 2013

Tagesspiegel Plus

Fünf Highlights für den Sommer: Die Museen in Berlin öffnen – das sind unsere Favoriten

Gelbe Enten bei C/O Berlin, das Schwule Museum lädt in ein rosarotes Ost-Berlin und das HKW lockt mit futuristischen Klassenzimmern. Unsere Kunsttipps.

So langsam haben fast alle Museen und Ausstellungshäuser in Berlin wieder geöffnet. Auch die von Künstlern betriebenen Projekträume machen wieder auf, so wie das Tropez, das ab sofort wieder zur Kunstschau in ein Freibad in Wedding einlädt. Außerdem wiedereröffnet das Fotohaus C/O Berlin mit einer Themenschau zur Zirkulation von Bildern und der angesagten Londoner Modefotografin Nadine Ijewere. Nicht vergessen: vor dem Losgehen ein Zeitfensterticket buchen und einen tagesaktuellen negativen Corona-Test mitbringen. Sowie eine FFP2-Maske. Und hier kommen unsere Empfehlungen:


„Send me an image“ bei C/O Berlin

Diese 350.000 Bilder wurden an einem Tag im Jahr 2013 bei Flickr hochgeladen. Erik Kessels hat sie alle ausgedruckt.

© Erik Kessels

Nach über 320 Tagen coronabedingter Schließzeit, öffnet C/O Berlin seine Pforten. Die Freude ist groß, nicht nur bei den Fans des privaten Fotohauses, sondern auch bei Kurator Felix Hoffmann. Gemeinsam mit Kathrin Schönegg hat er drei Jahre lang an „Send me an image“ gearbeitet. Die Ausstellung, die die Zirkulation von Bildern von der Postkarte zu Social Media nachzeichnet, ist eine Eigenproduktion des Hauses und enthält gleich mehrere aktuelle Auftragsarbeiten.

Den Auftakt der Show bildet ein riesiger Fotohaufen. Der Künstler Erik Kessels hat diejenigen 350.000 Bilder ausgedruckt, die an einem Tag im Jahr 2013 zu der Image-Sharing-Seite Flickr hochgeladen worden sind. Das ist acht Jahre her und fast schon historisch. Aber es geht in der Schau auch gar nicht um die permanent wachsende Zahl der Fotos, sondern um deren soziale Funktion, um das Versenden, Vernetzung und Verteilung der Images, dem heute die entscheidende Rolle zukommt. Bilder machen ist so selbstverständlich wie Atmen. Die Crux liegt in ihrem Einfluss auf die Kommunikation.

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Außerdem zu sehen: die Modefotografie von Nadine Ijewere. Die Londoner Fotografin war die erste Schwarze Frau, die ein Cover für die britische Vogue fotografieren durfte. Das war 2019. Soeben hat sie auch ein Cover für die amerikanische Ausgabe fotografiert. Ijewere castet ihre Modelle, meist People of Colour, grundsätzlich selbst und legt keinen Wert auf normierte Schönheitsideale.

C/O Berlin, Hardenbergstraße 22–24, Sa 29.5. – 2.9., täglich 11 – 20 Uhr, Tickets hier.


Xinyi Cheng im Hamburger Bahnhof

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Noch ist ein bisschen Zeit, um die Malerei-Ausstellung der chinesischen Künstlerin Xinyi Cheng  zu sehen. Sie ist eine Wucht, wer wegen Corona lange nicht direkt vor einem Kunstwerk stand, kommt hier voll auf seine Kosten. Obwohl recht klassisch gehängt, entfalten Xinyi Chengs Bilder einen großen Sog. Ein Mann mit einem Pferd, ein Nackter mit Surfbrett, eine Frau mit roter Kopfbedeckung. Die 1989 in Wuhan geborene Malerin, 2019 mit dem Baloise-Kunstpreis der Art Basel ausgezeichnet, malt ihr Umfeld. Meist geht es mit Fotos los, die sie von Menschen macht, oder die Freunde posieren in ihrem Studio in Paris. Wenn es an die Malerei geht, entfernt sich Xinyi Cheng aber bewusst wieder von der Wirklichkeit. Ihr Geheimnis sind die Farben, mal leuchtend, mal soft, meist losgelöst von der Realität, sind sie für die Stimmung in den Bildern verantwortlich.

Hamburger Bahnhof, Invalidenstraße 50-51, bis 6.6., Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa/So 11 – 18 Uhr. Tickets hier.


„Bildungsschock“ im Haus der Kulturen der Welt

Die Bundesrepublik klotzte mit Gesamtschulen und Schulzentren wie aus dem Technikbaukasten. Die Abbildung zeigt das unter Denkmalschutz stehende Oberstufenzentrum Wedding / Diesterweg-Gymnasium, die ehemalige Ranke-Oberschule.

© Ludger Blanke

Im Haus der Kulturen der Welt behandelt die Ausstellung „Bildungsschock“ ein brandaktuelles Thema, gespeist aus Archivmaterial: In welcher Umgebung lernt es sich gut? In welcher Umgebung lässt sich überhaupt in größeren Gruppen lernen, muss man nach monatelangem Homeschooling ja hinzufügen. Während Kinder und Jugendliche nun schon viele Monate lang im heimischen Wohn- oder Kinderzimmer klarkommen müssen und die Versäumnisse im Bereich Digitalisierung offen zutage treten, kann man in dieser Ausstellung gezielt die Schularchitekturen der 1960er und 1970er Jahren unter die Lupe nehmen. Wie nie zuvor wurde damals in Bildung investiert, geburtenstarke Jahrgänge ließen die Klassen größer werden, die Anzahl der Schuljahre stieg, der Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft zeichnete sich ab. In 38 Stationen werden die bisweilen kuriosen Resultate eines Wettlaufs der Bildungssysteme in Ost und West gezeigt.

Kurator Tom Holert hat Schulbeispiele und Reformansätze aus der ganzen Welt in Buch- und Broschürenform, mittles Bildern und Skizzen zusammengetragen; zu sehen sind Schul- und Universitätsgebäude, Spielplätze, Forschungseinrichtungen, Bibliotheken, „Open Universities“ in Großbritannien, Campusse in den USA. Viele dieser Lernlaboratorien stehen schon gar nicht mehr. Erfahrungen wurden dennoch gemacht. Und die sind bitter notwendig für die aktuellen Debatten .

Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, bis 11.7., Mi – Mo 12 – 20 Uhr. Tickets hier.


„Intimacy – New Queer Art from Berlin and Beyond” im Schwulen Museum

Vom Berliner Fotografen Spyros Rennt stammt das Bild „Hanging out at Ludo’s“.

© Spyros Rennt

Im Schwulen Museum ist die Ausstellung „Intimacy – New Queer Art from Berlin and Beyond” wieder zu sehen. Bei der begleitenden Talk-Reihe, die während des Lockdowns online lief, wurde Intimität als queeres Phänomen diskutiert. Dazu gehört Sex in der Öffentlichkeit ebenso wie „unpersönliche Intimität“. Interessant auch die Frage, wie Intimität in kontaktlosen Zeiten hergestellt werden kann. Die Malereien und Bilder, unter anderem von AA Bronson, Roey Victoria Haifetz, Annie Leibovitz und Donna Huanca, präsentieren Blicke, lustvolle Berührungen, Körper, die sich begegnen und solche, die sich verletzlich zeigen.

Ganz in Rosa gehalten sind die Ausstellungsvitrinen der zweiten Schau mit dem Titel „Rosarot in Ost-Berlin“. Hier wird über die queere Geschichte in Ostdeutschland erzählt. Es gab in den achtziger und neunziger Jahren in Ost-Berlin eine aktive, vielfältige Szene für Lesben, Schwule, Bisexuelle und trans* Menschen, deren Protagonist:innen bestenfalls ignoriert und schlimmstenfalls verfolgt wurden. Zusammenkünfte, Gemeinschaft und Aktivismus wurde in privaten Wohnungen, in Kneipen, in der Kirche, in transsexuellen Gesprächskreisen und Aids-Arbeitskreisen gelebt. Es geht um das was erkämpft wurde, was nach 1989 verschwand und auch um das, was noch da ist: Orte wie die „Besenkammer“ und der „Sonntagsclub“.

Schwules Museum, Lützowstraße 73, bis 30.8. (Intimacy), bis 26.7. (Rosarot in Ost-Berlin), Mo, Mi, Fr 12 – 18 Uhr, Do 12 – 20 Uhr, Sa 14 – 19 Uhr, So 14 – 18 Uhr. Tickets hier.


„Touche-Moi!“ im Tropez

Das Tropez im Sommerbad Humboldthain hat zu den Freibadzeiten geöffnet.

© Ink Agop und Tropez

Trotz dicker Jacken, die manche noch tragen mögen, der Sommer kommt! Man merkt es auch daran, dass das Tropez wieder aufmacht, der von Nele Heinevetter betriebene Kunstraum im Sommerbad Humboldthain. Das ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine gute Nachricht. Erstens weil dieser tolle Raum die Pandemie überlebt hat. Zweitens weil dort ab Samstag die neue Sommerausstellung „Touche-Moi!“ läuft. Etwa 20 Künstler und Künstlerinnen kreisen um das Thema Nähe und Berührung, und das in Zeiten, in denen Kontaktbeschränkungen und 1,5 Meter Abstand Normalität geworden sind. Heißer Tipp: Mehrmals vorbeischauen, es gibt immer was Lustiges zu erleben am Pool.

Tropez im Sommerbad Humboldthain, Wiesenstraße 1, Sa 29.5. – 29.8., Mo – So 10 – 18 Uhr. Tickets hier.

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