Cartoon-Star Gary Larson : Comeback zum 70. Geburtstag

Gary Larson war mit seinen Cartoons weltweit erfolgreich. Jetzt wird er 70 – und veröffentlicht nach 25 Jahren Pause erstmals neue Bilder.

Comeback. Einer der neuen Cartoons, die Gary Larson kürzlich auf seiner Internetseite veröffentlicht hat.
Comeback. Einer der neuen Cartoons, die Gary Larson kürzlich auf seiner Internetseite veröffentlicht hat.Foto: www.thefarside.com

Der verantwortliche Redakteur des „San Francisco Chronicle“ fasste sein Urteil in zwei Sätzen zusammen, so erinnerte sich Gary Larson später. „Sie sind krank“, war der erste. „Ich liebe Ihre Cartoons“ der zweite. Es war der Sommer 1979, Larson hatte sein Portfolio bei der angesehenen Zeitung abgegeben in der Hoffnung, sie würde seine Cartoons veröffentlichen.

„The Far Side“ erschien in 1900 Zeitungen und Zeitschriften

Die Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Menschen, Tieren sowie Aliens und anderen Fantasiegestalten in oft grotesken Situationen kamen gut an: Ein paar Monate später erschien Larsons erste Arbeit unter dem Titel „The Far Side“ im „Chronicle“, kurz darauf nahmen andere US-Zeitungen den täglichen Strip auf. Der Anfang einer internationalen Erfolgsgeschichte.

Von Gary Larson gibt es keine offiziellen Fotos. Aber dieses Selbstporträt.
Von Gary Larson gibt es keine offiziellen Fotos. Aber dieses Selbstporträt.Illustration: Gary Larson / Promo

Knapp 15 Jahre lang erschienen Larsons Arbeiten, in denen oft Tiere in menschliche Rollen schlüpfen und mancherlei andere absurde Dinge passieren, weltweit in 1900 Zeitungen und Zeitschriften. Zu seinen besten Zeiten kommentierten diese Cartoons grundlegende menschliche Fragen wie die nach dem Sinn des Lebens, indem der Zeichner Menschen und Tiere in oft surrealistischen Situationen aufeinandertreffen ließ.

„Wer wird den anderen verspeisen?“

Larsons Perspektive war dabei oft die eines neugierigen Wissenschaftlers, wie er sie in seinem autobiografischen Sammelband „The PreHistory of The Far Side“ so beschrieb: „Meine Liebe gehörte der Wissenschaft, insbesondere der Biologie, und noch genauer gesagt: Wenn man zwei Organismen in einem Glas zusammenbringt, welcher wird dann den anderen verspeisen?“

[Hier geht es zu den täglichen Tagesspiegel-Karikaturen von Klaus Stuttmann und Reiner Schwalme.]

Die Sammelbände seiner Cartoons erreichten Millionenauflagen, in Deutschland wurde „Die andere Seite“ unter anderem im „Stern“ und in der „Titanic“ veröffentlicht. Bis Larson, von dem es keine offiziellen Fotos gibt, sich 1994 aus der Öffentlichkeit zurückzog und den Zeichenstift beiseitelegte.

Er hatte Angst, sich zu wiederholen, sagt er damals, und wolle nicht auf dem „Friedhof der mittelmäßigen Cartoons“ enden. Einer der bedeutendsten Vertreter des täglichen Einbildwitzes war verstummt.

Ein weiterer deutscher Gary-Larson-Sammelband.
Ein weiterer deutscher Gary-Larson-Sammelband.Foto: Goldmann/Promo

Bis vor einem Monat. Da meldete sich Larsen ebenso unerwartet, wie er damals vor 25 Jahren verschwand, mit neuen Arbeiten in der Öffentlichkeit zurück.

Und das kurz vor seinem 70 Geburtstag, den er an diesem Freitag begeht. Es sind bislang nur eine Handvoll Bilder. Aber als die ersten vor einem Monat auf Larson frisch aufpolierter Internetseite www.thefarside.com neben einer erstmals digital zugänglich gemachten Sammlung seiner alten Werke auftauchten, wurden sie von Cartoonfans euphorisch aufgenommen.

Die neuen Cartoons sind harmloser und weniger subversiv

Auf einem steht ein korpulenter Mann am Straßenrand und winkt ein gelbes Auto heran. Doch statt des Ausrufs „Taxi!“ steht in seiner Sprechblase: „Taxidermist!“ – Tierpräparator. Und tatsächlich: Auf der Ladefläche des gelben Autos, dem der Ruf gilt, stehen ein steif wirkender Bär mit aufgerissenem Maul und drei weitere Tiere.

Da ist er wieder, der schräge Larson-Humor. Auch wenn die neuen Cartoons, die in einem fast malerischen Stil gehalten sind, im Vergleich zu seinem einstigen Werk, das der „New Yorker“ kürzlich als „den klügsten und innovativsten tägliche Comic des späten 20. Jahrhunderts“ rühmte, harmloser und weniger subversiv daherkommen.

Larsons Arbeiten wurden auch auf Deutsch in mehreren Sammelbänden veröffentlicht.
Larsons Arbeiten wurden auch auf Deutsch in mehreren Sammelbänden veröffentlicht.Foto: Goldmann / Promo

Zumindest für Larsons Standards: Im zweiten der drei Bilder ist eine Gruppe Braunbären an einem Picknicktisch zu sehen, die kleine Pfadfinder mit Soße verspeist, im dritten gehen zwei Aliens zu Forschungszwecken auf Menschenjagd.

Dass er nach so langer Pause überhaupt wieder zeichne, sei dem digitalen Zeichentablett zu verdanken, dass er sich angeschafft habe, schreibt Larson auf seiner Website. Erst wollte er damit nur weihnachtliche Grußkarten für Freunde und Familie zeichnen, wie er es all die Jahre zuvor mit einem einfachen Stift getan hatte, der irgendwann nicht mehr funktionierte.

Doch dann entwickelte er so viel Freude an dem neuen Zeichengerät, dass er es jetzt auch mit frischen Arbeiten für die Öffentlichkeit probieren wolle – allerdings ohne den Druck der täglichen Deadline