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Hereinspaziert: Eine Seite aus „Verlagswesen“.
© Jaja

Zehn Jahre Jaja-Verlag: Einfach machen? Jaja!

Die Berliner Comic-Verlegerin Annette Köhn feiert Zehnjähriges und lädt mit dem Buch „Verlagswesen“ zu einem Besuch an ihrem Arbeitsplatz ein.

Zum zehnjährigen Jubiläum des Berliner Jaja-Verlags hat Verlegerin Annette Köhn ein „fein illustriertes Machwerk“ (so das Verlagsmotto) vorgelegt, das am Beispiel eines normalen – hier sogar noch Corona-freien – Arbeitstags zeigt, wie das so geht mit dem Publizieren von Comics.

Der explizite Anspruch des Verlags, wunderschöne Bücher zu machen, wird mit dem Buch „Verlagswesen“ (132 S., 23 €) erfüllt: Großformat, farbig, ein prächtiger Einband, den man gerne in die Hand nimmt, Lesebändchen inklusive.

Als Comic-Künstlerin kommt Köhn, Absolventin der Kunsthochschule Weißensee, stilistisch von der Spontaneität der Skizzenfestivals, vom gemeinsamen Zeichnen in der Ateliergemeinschaft „Musenstube“ (heute der Verlagssitz) und von Events wie dem 24-Stunden-Zeichnen. Entsprechend ist ihr Zeichenstil ziemlich lässig, was aber zur lockeren Atmosphäre im Büro prima passt.

Wir folgen dem Tagesablauf der Verlegerin, die noch etwas mit dem Chefin-Sein hadert. Das zeigt sich unter anderem darin, dass im winzigen Büro in Neukölln quasi ständig Kaffee getrunken wird. Neben der Protagonistin, den Praktikantinnen und Zeichner-Kolleginnen (die „Musen“), diversen Nachbarn und dem Atelierhund tauchen auch die sogenannten „Verlagswesen“ immer wieder auf, nur für den Leser und die Verlegerin sichtbare Fantasiefiguren.

Einige Male wird sogar die vierte Wand zum Publikum durchbrochen, um Abläufe zu erklären. Der Fokus liegt dabei auf den Routinetätigkeiten, der Bürokratie, die einen großen Teil des Alltags ausmachen: Rechnungen schreiben, Pakete fertigmachen, Termine koordinieren.

Der DHL-Bote kommt! Endlich!

Man hätte gerne auch bei Autorengesprächen gelauscht, um zu sehen wie bei der „Plattform für den deutschen Comicnachwuchs“ (so Köhn über Jaja) Feedback-Runden ablaufen. Vermutlich ebenso freundlich wie der sonstige Arbeitsalltag.

Das Titelbild von „Verlagswesen“.
Das Titelbild von „Verlagswesen“.
© Jaja

Immerhin: Eine Künstlerin, Maki Shimizu („Über Leben“), kommt zum Plauschen vorbei und bringt ihre Comic-Figuren einfach mit.

[Ausstellung zum Jubiläum des Jaja-Verlages sowie weiterer Verlage im Comixbad Wedding noch bis zum 26. November, Bibliothek am Luisenbad, Badstraße 39,13357 Berlin.]

Auch die beiden mit Abstand erfolgreichsten Titel des Verlags, Paulina Stulins „Bei mir zuhause“ und Büke Schwarz‘ „Jein“, kommen im Buch vor. Sie haben dem Verlag erlaubt, weniger auf die Querfinanzierung der Comicveröffentlichungen durch illustrierte Kochbücher, Kalender und anderes zu setzen und mehr in die Gestaltung und den Vertrieb der Comics zu investieren.

Von Stulin kommt eine beiläufige E-Mail, in der sie die Fertigstellung ihres Comics als jahrelang im Stillen vorbereitetes 600-Seiten-Projekt ankündigt. Und das aufgeregte Warten auf die erste Lieferung der druckfrischen „Jein“-Bücher ist der Spannungstreiber im ansonsten recht ruhigen Fluss der Ereignisse des geschilderten Tages. So entsteht die vielleicht merkwürdigste Splash-Doppelseite der Comicgeschichte: Der DHL-Bote kommt! Endlich!

Thomas Greven

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