Fortsetzung für Comic-Klassiker : Neues Corto-Maltese-Album führt zurück zu den Anfängen

Mit dem Comic „Tarowean“ knüpfen Diaz Canales und Rubén Pellejero an das erste Abenteuer von Corto Maltese an. Ihre Fortsetzung überzeugt jedoch nicht ganz.

Lässiger Abenteuerer: Eine Szene aus „Tarowean – Tag der Überraschungen“.
Lässiger Abenteuerer: Eine Szene aus „Tarowean – Tag der Überraschungen“.Foto: Schreiber & Leser

Der Seemann und Freigeist Corto Maltese aus den Werken des Italieners Hugo Pratt (1927–1995) gehört zu den Ikonen des europäischen Comics. Jetzt präsentieren Autor Juan Diaz Canales („Blacksad“) und Zeichner Rubén Pellejero („Dieter Lumpen“) das Prequel zu Pratts berühmter Serie.

Corto, der sich mit Ironie und Schlagfertigkeit durch die noch nicht vernetzte Welt der Kolonialmächte bewegt, trifft auf seinen Fahrten seit jeher allerhand historische und literarische Persönlichkeiten. Zudem stößt er zuweilen in ganz schön surreale Gewässer und träumerische Gefilde vor.

Eine weitere Szene aus „Tarowean – Tag der Überraschungen“.
Eine weitere Szene aus „Tarowean – Tag der Überraschungen“.Foto: Schreiber & Leser

Das neueste Album „Tarowean – Tag der Überraschungen“ (Schreiber & Leser, 88 S., 24,80 €) beginnt mit Corto und seinem besten Feind Rasputin in Australien. Dort befreien sie an Allerheiligen (Tarowean) einen jungen Mann aus einem Gefängnis und bringen ihn auf ein Schiff, das in die Südsee segelt, die Heimat des Jünglings.

Was folgt, ist eine mal mehr, mal weniger nachvollziehbare Kette von Abenteuern und Abschweifungen, die auf der Insel La Escondida enden, wo Eingeborene und ein mysteriös-skrupelloser Mönch herrschen, der scheinbar nur aus einer Kutte besteht.

Wieso treibt Corto Maltese gekreuzigt im Meer?

Den Vermummten kennen Pratt-Fans aus „Die Südseeballade“, der allerersten „Corto Maltese“-Geschichte von 1974, vor der „Tarowean – Tag der Überraschungen“ unmittelbar einsetzt – auch deshalb, weil Zeichner Rubén Pellejero selbst unbedingt wissen wollte, wieso Corto zu Beginn des Klassikers von Pratt damals gekreuzigt im Meer trieb.

1991 erschien der letzte Corto-Comic, den Pratt vor seinem Tod schrieb und bebilderte. Nachdem 2013 bereits der Überklassiker „Asterix“ an kreative Nachfolger übergeben wurde, vertraute man auch „Corto Maltese“ einer neuen Crew an.

Das Titelbild des besprochenen Albums.
Das Titelbild des besprochenen Albums.Foto: Schreiber & Leser

2015 übernahmen der 1972 geborene Canales und der 1952 geborene Pellejero das Ruder. Zusammen inszenierten die Spanier „Unter der Mitternachtssonne“, „Äquatoria“ und nun eben „Tarowean – Tag der Überraschungen“.

Pellejero emuliert Pratts Zeichenstil gut, obwohl seinem Strich manchmal etwas die Lässigkeit des Originals abgeht. Das ist auch das größte Problem der Story, zusammen mit einem eher dünnen roten Faden und der Abwesenheit des Surrealen, das Pratts beste Abenteuer durchdrang.

Rückwirkend betrachtet muss man sagen, dass die Begeisterung über neue Corto-Comics die Güte der ersten Alben etwas überstieg. Doch wer Corto Maltese seit Langem mag und begleitet, dürfte dieses unerwartete Prequel, das in einer kolorierten Fassung und als Schwarz-Weiß-Variante erhältlich ist, trotzdem gerne lesen.