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GINCO Award : Jury für neue Comic-Auszeichnung steht fest

Das ist die Jury, hier wird er vergeben, und mehr Geld gibt es auch - neue Details zum „GINCO Award“, der aus dem Konflikt um den ICOM-Preis entstanden ist.

So präsentiert sich das neue Preiskomitee auf den GINCO-Seiten.
So präsentiert sich das neue Preiskomitee auf den GINCO-Seiten.Foto: GINCO

Zu Deutschlands jüngstem Comicpreis, mit dem Arbeiten von Künstler*innen und Verlagen aus dem Independent-Bereich geehrt werden sollen, gibt es neue Details. Am Montag gab die Organisationsgruppe des „GINCO Awards“ (German Inclusive/Independent Comic) bekannt, wer in der Jury des vieldiskutierten Preises sitzen wird, außerdem wurde der Kooperationspartner für die Preisverleihung öffentlich gemacht.

Die Auszeichnung soll wie berichtet für drei bis fünf Kategorien vergeben werden und mit einem Preisgeld dotiert sein. Sie soll „verstärkt zur Anerkennung und Unterstützung von Comicschaffenden beitragen“, heißt es in einer Presseerklärung der Initiator*innen von Anfang März. „Als Ergänzung und Erweiterung bestehender deutscher Comic-Auszeichnungen und -Strukturen sollen Indie-Comics inklusiv, transparent und öffentlichkeitswirksam gewürdigt werden.“

Im Sommer eskalierte die Auseinandersetzung

Der neue Preis ist eine direkte Folge des seit vergangenem Jahr ausgetragenen Konflikts um den ICOM-Preis, der sich zuvor als Auszeichnung für Independent-Comics etabliert hatte. Im vergangenen Sommer eskalierte jedoch eine Auseinandersetzung um die Besetzung der Jury, Sexismus-Vorwürfe gegen die Initiatoren des Preises vom Interessenverband Comic (ICOM) sowie die Reaktion des Vorsitzenden Burkhard Ihme führten zu einer Spaltung der Szene.

In der Folge haben sich mehrere Akteur*innen der unabhängigen deutschen Comicszene zu einer „Comic- und Manga-Interessengemeinschaft“ zusammengeschlossen, die jetzt den GINCO Award präsentiert.

Preisverleihung auf der Comic Con Germany in Stuttgart

Am Montag nun gaben die vier Organisator*innen hinter dem Preis neue Details bekannt. Die ersten GINCO-Preise werden demnach dieses Jahr auf der Comic Con Germany in Stuttgart vergeben, die am 29. und 30. Juni stattfindet. „Das Organisationsteam des ersten inklusiven deutschen Comicpreises der Independent-Szene freut sich sehr, mit der Comic Con Germany in Stuttgart einen passenden, reichweitenstarken und motivierten Partner gefunden zu haben“, heißt es in der Pressemitteilung von Montag. „Die Preisträger*innen bekommen dort den Rahmen und die Aufmerksamkeit, die sie verdient haben, und die Comic Con Germany festigt ihre bestehende Bindung und ihr bewusstes Engagement für die deutsche Indie-Szene.“

Das wird das Preiskomitee

Für das fünfköpfige Preiskomitee, das über die Preisträger*innen 2019 entscheiden wird, wurden folgenden Juror*innen gewonnen: Anne Delseit, Redakteurin der Fachzeitschrift AnimaniA und Manga-Autorin. Sie gehörte zudem einige Jahre der Tagesspiegel-Jury zur Wahl der besten Comics des Jahres an. Michel Decomain, der seit einigen Jahren unter anderem als Redakteur und Journalist in der deutschen Comic- und Mangaszene aktiv ist. Er ist zudem Autor mehrerer Manga (zuletzt „Whispering Blue“) - und gehörte ebenfalls zuvor der Tagesspiegel-Jury zur Wahl der besten Comics des Jahres an. Haiko Hörnig ist Comic- und Drehbuchautor, arbeitete zusammen mit Joscha Sauer an mehreren Projekten, schreibt die Abenteuer des kleinen ICEs für die Deutsche Bahn und hat zusammen mit Marius Pawlitza die Fantasy-Comicreihe „A House Divided“ geschaffen.

Mehr Vielfalt, gemeinsame Bühne: Das Motto der neuen Initiative.
Mehr Vielfalt, gemeinsame Bühne: Das Motto der neuen Initiative.Screenshot: Tsp

Die Comiczeichnerin und LGBTIQ*-Aktivistin Martina Schradi hat sich vor allem als Autorin der Comicreihe „Ach, so ist das?!“ einen Namen gemacht, die in Form von Online-Strips, Büchern und einer Wanderausstellungen für Akzeptanz und Vielfalt wirbt. Marie Schröer ist Comicforscherin und -Journalistin, lehrt Kultur- und Literaturwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau, rezensiert Comics für den Tagesspiegel und ist Mitorganisatorin des interdisziplinären Berliner Comic-Kolloquiums.

Neben der Zusammensetzung der Jury verkündete das Ginco-Team am Montag auch, dass das anfangs anvisierte Preisgeld von 1000 Euro für die Ausgezeichneten dank zusätzlicher Spenden auf 1500 Euro erhöht wurde. Die Frist für Einreichungen, die digital über das Formular auf der GINCO-Website vorgenommen werden müssen, endet am 31. März 2019.

Marginalisierte Gruppen im Fokus

Die vier Organisator*innen hinter dem Preis sind wie zuvor berichtet seit langem durch vielfältige Aktivitäten in der Szene bekannt: Lara Keilbart, die als freie Journalistin unter anderem auch Rezensionen für den Tagesspiegel schreibt, ist seit kurzem auch Leiterin des Berliner Independent-Festivals „Comicinvasion“. Eve Jay ist Kommunikationsdesignerin, eine der Organisatorinnen der Künstlergemeinschaft Comic Solidarity wie auch des Frankfurter Comic Satelliten – und sie saß im vergangenen Jahr in der ICOM-Jury, wo die von ihr geäußerte Kritik über deren Zusammensetzung zu jenem Konflikt führte, als dessen Folge es nun den neuen Preis gibt. Lukas R.A. Wilde ist Medienwissenschaftler, akademischer Mitarbeiter der Eberhard Karls Universität Tübingen und hat sich in seinen Arbeiten vielfach mit Comic und Manga beschäftigt, er gehört zudem ebenfalls zu den Organisatoren der Comic Solidarity. Lisa Rau ist Comiczeichnerin und Illustratorin, ihr Comic „Waldgeflüster“ wurde 2016 mit dem ICOM Independent Comic Preis für herausragendes Artwork ausgezeichnet.

Die Organisator*innen des Preis sehen „vor allem Künstler*innen aus marginalisierten Gruppen als wichtige Zielgruppe an, da sie sich in etablierten Systemen oft nicht wiederfinden bzw. wenig Beachtung erlangen“, heißt es auf ihrer Website. „Genauso soll die Arbeit unabhängiger und kleiner Verlage gewürdigt werden, da sie Marginalisierten oft als erstes Sprungbrett in die öffentliche Wahrnehmung dienen.“

Wie der neue Comicpreis genau ausgestaltet sein wird, ist derzeit noch offen. „Der GINCO Award wird sich stets weiterentwickeln“, heiß es in der Ankündigung der Initiative. „Dies kann die Preiskategorien, die Jury, die Art des Preises oder den Ort für die Preisverleihung betreffen.“

Keine Kooperation mit dem Comicfestival München

Anders als beim ICOM-Preis hatten die Initiator*innen des neuen Preises von Anfang an angekündigt, ihre Ehrung nicht auf dem Comicfestival München vergeben zu wollen, das sich im zweijährlichen Wechsel mit Internationalen Comicsalon Erlangen zu einem wichtigen Treffpunkt der deutschsprachigen Szene entwickelt hat und in diesem Jahr vom 20. bis 23. Juni stattfindet.

„Es ist nicht der richtige Ort für das Format, das wir uns vorstellen“, teilte GINCO-Organisatorin Eve Jay dem Tagesspiegel Anfang März mit. Zum damals noch nicht feststehenden Preiskomitee hieß es zu dem Zeitpunkt: „Ziel ist es, dieses divers zu gestalten. Die Personen werden hierzu aus verschiedenen Bereichen der Comic- und Manga-Szene, Forschung und Presse kommen und damit über eine möglichst große Bandbreite an Perspektiven und Expertisen verfügen.“

Neue Plattform: Noch ist der Web-Auftritt des Preises schlicht gehalten, es soll aber in Kürze ein Maskottchen geben.
Neue Plattform: Noch ist der Web-Auftritt des Preises schlicht gehalten, es soll aber in Kürze ein Maskottchen geben.Foto: Screenshot: Tsp

Klar war von Anfang an, dass die vier Organisator*innen des neuen Preises selbst nicht in dem Auswahlgremium sitzen werden. Das Quartett werden sich nur um die Koordination kümmern, teilt Lukas Wilde auf Anfrage mit.“ Die Mitglieder des Komitees werden zudem den Namen der/s anonymen Stifters_in des Preisgeldes ebenfalls nicht kennen, um unbefangen an die Sichtung zu gehen.“

Und Eve Jay ergänzte: „Das Konzept sieht vor, dass die beteiligten Partner aus verschiedenen Bereichen der Szene Spezialist*innen zusammenstellen. So wurden für die aktuelle Auswahl Personen durch das Feministische Comicnetzwerk, die Comic Solidarity und durch Akteur*innen aus der Manga-Szene, sowie aus Richtung der Comicforschung nominiert. Die Partnerschaften, die wir auf dieser Ebene für GINCO eingehen, sollen die Vielfalt repräsentieren können, die wir auszeichnen wollen.“

Einreichungen nur digital

Eine wichtige Besonderheit des Preises ist zudem, dass alle Einreichungen digital erfolgen. „Die Organisator*innen vertrauen darauf, dass gute Inhalte sich in jedem Format durchsetzen“, heißt es in der Ankündigung. „Daher soll Indie-Künstler*innen die teils hohen Kosten für Belegexemplare oder Versandkosten erspart werden, sowie digitalen Formaten wie etwa Webcomics eine gleichwertige Sichtbarkeit vor den Augen des Preiskomitees gegeben werden.“

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Wer den neuen Preis unterstützen will, hat dazu folgende Möglichkeiten, wie Eve Jay ausführt: „Zunächst im Direktkontakt über info@ginco-award.de. Spender können bestimmen, ob zukünftigen Preisgeldern ab 2020 zugeführt oder die aktuelle Dotierung aufgestockt werden soll.“ Zudem kann die Arbeit der Organisationsgruppe über die Patreon-Seite der Comic Solidarity unterstützt werden. Interessierten Firmenpartnern könne die Gruppe zudem im Rahmen der Bühnenprogramme von Comic Solidarity analoge und digitale Logo- und Produktplatzierung vor Publikum anbieten, so auf der Comicinvasion Berlin und der Comic Con Germany in Stuttgart.

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