„Joe Shuster – Vater der Superhelden“ : Die Superväter

Julian Voloj und Thomas Campi erzählen in ihrem Comic „Joe Shuster – Vater der Superhelden“ die Geschichte des Urvaters der Superhelden auf besondere Weise.

Up, Up and Away! Eine Szene aus „Joe Shuster – Vater der Superhelden“.
Up, Up and Away! Eine Szene aus „Joe Shuster – Vater der Superhelden“.Foto: Carlsen

Die Geschichte – zwei Teenager namens Joe Shuster und Jerry Siegel erfinden den Urvater der Superhelden und werden vom Verlag um all ihre Rechte und viele Milliarden Dollar gebracht – ist bekannt und wurde in verschiedenen Formen schon mehrfach erzählt (zuletzt in dem sehr lesenswerten Thriller „Das Buch der Lügen“ von Brad Meltzer).

Und trotzdem ist die Form, die der deutschstämmige Autor Julian Voloj und der italienische Zeichner Thomas Campi in ihrer Comic-Erzählung „Joe Shuster – Vater der Superhelden“ gewählt haben, etwas ganz Besonderes (und rechtfertigt sogar die monatelange Verspätung, mit der das Buch nun endlich fertig wurde): Die beiden erzählen die Geschichte aus der Sicht von Shuster selbst, bewegend, traurig, komisch.

Die Superstadt - auf Supermans Spuren in Cleveland
Wer Cleveland mit dem Flugzeug erreicht, begegnet in der Gepäck-Sammelhalle dieser Superman-Statue.Weitere Bilder anzeigen
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28.01.2016 06:29Wer Cleveland mit dem Flugzeug erreicht, begegnet in der Gepäck-Sammelhalle dieser Superman-Statue.

Dabei legen sie nicht nur die Ursprünge vom Mythos des Superman bloß – eine Mischung aus jüdischer Mythologie und moderner Science-Fiction – sie bauen auch noch jede Menge Milieu- und Zeitgeschichte ein, angefangen mit der großen Depression über die Kommunistenjagd der 1950er Jahre, bis hin zum Vietnam-Kater.

Wahrheit und Gerechtigkeit siegen

Batman-Schöpfer Bob Kane, der große Blender und Anpasser, wird vor den Augen der Leser zum fiesen Joker, der nur an sich selbst denkt; der Gerechtigskeitsfanatiker Neal Adams, der schließlich dafür sorgt, dass Siegel und Shuster am Ende ihres Lebens wenigstens eine angemessende Leibrente bekommen, ist als fröhlich grinsende Lichtgestalt mit mächtigen Koteletten dargestellt.

Das Super-Symbol
Duncan Jones, Toronto: Superman ist cool, weil er fliegen kann.Weitere Bilder anzeigen
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13.04.2018 07:42Duncan Jones, Toronto: Superman ist cool, weil er fliegen kann.

Und bei aller Tragik, die dieses Leben durchzieht, Campis Zeichnungen erinnern oft an die unbeschwerte Welt der amerikanschen Mittelklasse, die Norman Rockwell in seinen Gemälden so idyllisch darstellte. Wahrheit und Gerechtigkeit siegen in dieser Geschichte, aber der amerikanische Traum wird wohl immer ein solcher bleiben.

Julian Voloj und Thomas Campi: Joe Shuster – Vater der Superhelden, Carlsen, 176 Seiten, 19,99 Euro

Das Cover des besprochenen Bandes.
Das Cover des besprochenen Bandes.Foto: Carlsen

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