Nikhil Chaudhary : Eine Stadt für alle

Der indische Architekt Nikhil Chaudhary kommentiert in Comics aktuelle Herausforderungen der Stadtplanung. Kürzlich stellte er in Berlin seine Arbeit vor.

Platz da! Eine Szene aus dem Comic „I, Pedestrian“.
Platz da! Eine Szene aus dem Comic „I, Pedestrian“.Foto: Nikhil Chaudhary

Ein gigantischer Fuß stellt sich mitten auf der Straße quer, kein Auto kann ihn zur Seite drängen. „Nicht länger denen hinter dem Steuerrad ausgeliefert“ steht drüber. Es ist ein Wunschtraum und ein Kampfruf zugleich. Die Szene stammt aus dem Comic „I, Pedestrian“ des indischen Zeichners Nikhil Chaudhary. Der Architekt hat sich jahrelang in seiner Heimatstadt Mumbai für eine menschenfreundliche Stadtplanung stark gemacht und studiert derzeit in Berlin Public Policy. Nebenbei zeichnet er Comics, in denen er sich kritisch mit Fragen der Raumordnung beschäftigt – „Comics Urbanism“ nennt er das. Vor kurzem stellte er bei einem bebilderten Vortrag im Comicladen „Modern Graphics“ seine Arbeit vor.

Will Eisner und Joe Sacco als Vorbilder

Und auch wenn Nikhil Chaudharys Heimatstadt, die mit knapp 20 Millionen Einwohnern eine der größten Metropolen der Welt ist, auf den ersten Blick nur wenig mit dem vergleichsweise beschaulichen Berlin gemeinsam hat, so ist doch bemerkenswert, wie sich manche Debatten ähneln. So kämpfen Chaudhary und andere Stadtaktivisten in Mumbai seit Langem darum, dass die Verwaltung bei der Planung nicht nur die Interessen von Autofahrern berücksichtigt, sondern auch von Fußgängern, Nutzern des öffentlichen Nahverkehrs und anderen Verkehrsteilnehmern ohne starke Lobby.

Nikhil Chaudhary vor kurzem bei einer Präsentation im Comicladen "Modern Graphics" in Berlin.
Nikhil Chaudhary vor kurzem bei einer Präsentation im Comicladen "Modern Graphics" in Berlin.Foto: Lars von Törne

Mit seinen Comics, die in indischen Zeitungen und im Internet viele Leser erreichen, versucht der Zeichner, Konflikte wie Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. So zeigt ein Strip eine Verkehrssituation abwechselnd aus Sicht eines Autofahrers und eines Fußgängers – und als beide einander am Schluss mit fatalem Ausgang begegnen, kann der Leser nachvollziehen, wie es dazu kam. Andere Sequenzen zeigen die Folgen einer geplanten Hochhausbebauung an der fragilen Küstenregion von Mumbai, die Einschränkung der Lebensqualität durch gigantische Baustellen oder den Kampf der Landbewohner gegen Enteignungen.

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Das erinnert von der Perspektive her und ein wenig auch vom Strich an die sozialkritischen New-York-Erzählungen von Comicpionier Will Eisner wie an die gezeichneten Reportagen von Joe Sacco – beides erklärte Vorbilder von Nikhil Chaudhary. Eine Auswahl seiner Arbeiten gibt es auf www.facebook.com/LinearExpression zu sehen.

Comics Urbanism: Eine Szene aus einer Arbeit Nikhil Chaudharys.
Comics Urbanism: Eine Szene aus einer Arbeit Nikhil Chaudharys.Foto: Nikhil Chaudhary

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