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Rassismus im Comic : Mit Lucky Luke gegen den Ku-Klux-Klan

In der Westernserie wird erstmals ein Afroamerikaner zum Helden. Frei von rassistischen Stereotypen ist „Lucky Luke“ aber nicht - ebenso wenig wie „Asterix“.

Unter Rassisten: Das Cover des neuen Lucky-Luke-Albums, das im Oktober erscheint.
Unter Rassisten: Das Cover des neuen Lucky-Luke-Albums, das im Oktober erscheint.Foto: Dargaud

Es dauert zwar noch vier Monate, bis im Oktober das neue Lucky-Luke-Album erscheint. Aber eine Information daraus war der französischen Nachrichtenagentur AFP jetzt bereits eine Meldung wert: In dem neuen Band der Western-Comicserie spielt erstmals in gut 70 Jahren ein Afroamerikaner eine tragende Rolle.

Der Titelheld kämpfe in dem neuen Band an der Seite eines schwarzen Sheriffs gegen die Rassentrennung in den USA, sagte der französische Autor Jul.

Ein historischer Held

Jul setzt zusammen mit dem Zeichner Achdé die von dem Belgier Morris 1946 geschaffene Western-Serie fort. "Die Geschichten von Lucky Luke spielen im amerikanischen Bürgerkrieg und danach, aber bisher kamen nie Afroamerikaner in den Alben vor, außer als Nebenfiguren", sagte Jul.

Im Baumwollfeld: Ein Panel aus dem neuen Album.
Im Baumwollfeld: Ein Panel aus dem neuen Album.Foto: © 2020 Lucky Comics/Egmont Ehapa Media

Dies solle der neue Band ändern, der am 23. Oktober erscheint. Auf Deutsch soll es den Titel "Fackeln im Baumwollfeld" tragen. Das Szenario sei allerdings vor dem brutalen Tod des Afroamerikaners George Floyd und den darauf folgenden Protesten der Bewegung "Black Lives Matter" entstanden.

Die Geschichte basiere auf einem historischen Helden: Bass Reeves, der als einer der ersten Vize-Sheriffs afrikanischer Abstammung in den USA gilt. Er wurde 1838 als Nachkomme von Sklaven im US-Bundesstaat Texas geboren und verhaftete im Laufe seines Lebens mehr als 3000 Kriminelle.

Drei Fäuste für ein Halleluja. Achdé, Jul und Übersetzer Klaus Jöken (von links).
Drei Fäuste für ein Halleluja. Achdé, Jul und Übersetzer Klaus Jöken (von links).Foto: Lars von Törne

Die Nachricht stieß am Dienstag vor allem bei französischen Medien auf großes Interesse. Auf der Website von Radio France gibt es ein kurzes Interview mit dem Comicautor dazu.

Dort ist auch mehr über den Inhalt des Bandes zu erfahren. Die Geschichte spielt demnach zum ersten Mal in Louisiana, wo der einsame Cowboy eine riesige Baumwollplantage erbt. Als Lucky Luke beschließt, sein Erbe an einen afroamerikanischen Bauern weiterzugeben, sagen ihm rassistische weiße Bauern den Kampf an.

Auf dem Titelbild des Albums sind Lucky Luke und die von Bass Reeves inspirierte Figur in einem Baumwollfeld zu sehen. An dessen Rand stehen fackeltragende Figuren, die die weißen Kapuzenkostüme des rassistischen, gewalttätigen Geheimbundes Ku-Klux-Klan tragen.

Marterpfahltänzer und Skalpjäger

"Das grundlegende Problem der Sklaverei unmittelbar nach dem Bürgerkrieg und die Rassentrennung haben die Vereinigten Staaten, einschließlich des Wilden Westens, sehr stark geprägt", sagt Jul in dem Radio-France-Interview. "Da lag es nahe, sich dem Thema in den Abenteuern von Lucky Luke zu nähern."

Vor vier Jahren begannen er und Achdé mit den ersten Arbeiten an dem Album. Dass das Thema jetzt zur aktuellen Debatte um Rassismus und den Tod von George Floyd passe, zeige, wie aktuell und zugleich zeitlos das Problem sei.

Allerdings ist auch die Serie "Lucky Luke" - und auch manch andere traditionsreiche Comic-Reihe - bis in die jüngste Zeit hinein nicht frei von Rassismus gewesen. So reduzieren Jul und Achdé im 2018 erschienen Album „Lucky Luke - Ein Cowboy in Paris“ die Ureinwohner Nordamerikas auf das Stereotyp der wilden Marterpfahltänzer und Skalpjäger.

Und ein in den USA lebender Chinese wird mit langem Zopf, Kegelhut und gelber Haut so klischeehaft dargestellt, wie man es aus den rassistischen Karikaturen der Kolonialzeit kennt.

Diese Bevölkerungsgruppen sind zwar nicht die einzigen, die bei "Lucky Luke" karikiert werden. Auch weiße Farmer, Eisenbahn-Gesellschafter oder Soldaten werden in der Reihe traditionell stark überzeichnet dargestellt. Das ist jedoch in der Regel nicht mit derartig abwertenden Einordnungen ganzer Ethnien verbunden wie in den genannten Beispielen.

Auch bei „Asterix“ gibt es rassistische Verunglimpfungen

Ähnlich sieht es bei der populärsten europäischen Comicserie aus, „Asterix“. Die einst von René Goscinny und Albert Uderzo geschaffene Reihe wird seit einigen Jahren von einem neuen Autor-Zeichner-Duo fortgesetzt, Jean-Yves Ferri und Didier Conrad.

Eines der zentralen Elemente der Reihe ist, dass einzelne Figuren als Vertreter ganzer Nationen und Ethnien mit markanten Eigenschaften versehen werden, die bestehende Stereotypen aufgreifen, zuspitzen – und dabei auch rassistische Vorurteile transportieren.

In mancher Hinsicht haben die neuen Autoren die Abenteuer der schlagkräftigen Gallier in den vergangenen Jahren zwar modernisiert. Gerade bei der Darstellung dunkelhäutiger Figuren reproduzieren aber auch die neuen „Asterix“-Bände rassistische Klischees.

So wird bei einer Piratenbande, deren Wege Asterix und Obelix regelmäßig kreuzen, der afrikanischstämmige Ausguck mit drastisch überzeichneten Lippen und anderen besonders stark karikierenden körperlichen Merkmalen dargestellt. Und seine Unfähigkeit, das „R“ auszusprechen, wird als komischer Effekt ebenso eingesetzt wie andere sprachliche Beschränkungen – was bei den anderen, hellhäutigen Piraten nicht der Fall ist.

„Immerhin setzt sich Jul mit den Stereotypen auseinander“

Jul ist sich des Problems offenbar bewusst: Das karikaturistische Erbe der frankobelgischen Comics reflektiere eben auch die Stereotypen jener Jahre, in denen Serien wie "Lucky Luke" sich entwickelten, sagt er im Radio-France-Interview. Deshalb sei es eine ständige Herausforderung für Comic-Autoren wie ihn oder Zeichner wie Achdé, diese Figuren im Bewusstsein der heutigen Zeit weiterzuentwickeln und zugleich dem Geist ihrer Erfinder treu zu bleiben.

Auch in der deutschen Comicszene wurde das Thema den vergangenen Tagen diskutiert. „Immerhin setzt sich Jul mit den Stereotypen bei Lucky Luke auseinander“, kommentierte der Berliner Comiczeichner Bela Sobottke, der auch für den Tagesspiegel schreibt, auf Twitter. „Bei Asterix wartet man darauf immer noch vergebens“.