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Solidaritätskonzerte im Krieg: Der Sound der Ukraine

Warum sind Charity-Events für die Ukraine so wichtig, mit ukrainischen und deutschen Musikern? Das nächste Konzert findet am Mittwoch in Berlin statt.

Seit drei Monaten kämpft die Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg, mit militärischen Mitteln, aber auch mit den Mitteln der Kultur. Die ukrainische Identität ist wichtiger denn je. Vor dem Krieg assoziierte alle Welt mit dem Land vor allem wirtschaftliche Instabilität, Armut, Saisonarbeiter – manche dachten auch an schöne Städte und die leckere nationale Küche.

Heute ist das anders: Die Neugier auf authentische Kunst und Kultur aus der Ukraine ist groß, viele sind fasziniert von ihrer Unverwüstlichkeit. Ein Trend innerhalb des Landes, der durch die internationale Unterstützung verstärkt wird. Prominentestes Beispiel: der Triumph des Kalush Orchestra beim Eurovision Song Contest am 14. Mai in Turin.

Überall organisieren Vertreter:innen der Kreativwirtschaft jetzt Charity-Tourneen und Konzertprogramme. In Deutschland, wo bisher mehr als 700.000 ukrainische Kriegsflüchtlinge Schutz gefunden haben, sind es vor allem die drei Musikprojekte “Sound of Peace”, “Good evening, We are from Ukraine” und “Sound of Ukraine”, mit Stars der ukrainischen Popmusik und deutschen Musiker:innen. Die Erlöse dieser Veranstaltungen kommen dem kriegsgebeutelten Land zugute. Einer der Organisatoren ist der Musiker und Musikproduzent Marco Neubauer.

Inspiriert habe ihn die Liebe zur Ukraine, sagt Neubauer, der seit 2016 das ukrainische Label Moon Records in Deutschland vertritt. Der gebürtige Deutsche hat keine Familie in der Ukraine, nennt sich aber einen „überzeugten Patrioten“, seit er sich bei seinem ersten Besuch in den 90er Jahren in das Land verliebte. 2010 lernte er einen Tontechniker aus Kiew kennen, der mit den Bands Mad Heads XL und Vopli Vidoplyasova zusammenarbeitete.

Die ukrainische Sängerin Navka (Mitte) und ihre Mitstreiter beim Mannheimer "Sound of Peace"-Konzert.
Die ukrainische Sängerin Navka (Mitte) und ihre Mitstreiter beim Mannheimer "Sound of Peace"-Konzert.
© Marco Neubauer

Seitdem fühlt sich Neubauer dem ukrainischen Showgeschäft verbunden und organisiert ukrainische Konzerte in Deutschland, kümmert sich um Logistik, Tantiemen und Ticketverkauf. Zu seinen Hauptpartnern zählt die Eventagentur Kvartal Concert International.

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Für die Initiative „Sound of Peace“ haben sich Künstler:innen, Kulturaktivist:innen und Freiwillige zusammengeschlossen, die ein Zeichen für den Frieden setzen und Gelder für humanitäre Zwecke sammeln wollen. Die junge ukrainische Sängerin Navka alias Marina Timofiychuk, die in Braunschweig Zuflucht gefunden hat, hatte bereits eine Reihe von Benefizveranstaltungen initiiert, für die sie Neubauer um organisatorische Unterstützung gebeten hatte. Die beiden schlossen sich dann dem "Sound of Peace"-Projekt an.

Das erste vielbeachtete Konzert fand am 20. März am Brandenburger Tor in Berlin statt, vor mehr als 15.000 Menschen. Das zweite ging am 12. Mai in Mannheim über die Bühne, 25 deutsche Musiker:innen nahmen teil, darunter die Söhne Mannheims, Joris, Laith al Deen, The Busters, Henning Wehland und Markus Sprengler.

Das nächste Sound-of-Peace-Konzert steigt am 26. Mai in Hamburg

„Es war eine Ehre, die Ukraine zu repräsentieren, umgeben von all den großartigen Künstlern, die mein Land unterstützen und für das Licht und die Menschlichkeit kämpfen“, schreibt Navka auf Facebook. Es sei ihr auch wichtig gewesen, über Mariupol zu sprechen. Und: „Wir werden nicht müde, die Welt daran zu erinnern, dass Russland einen Völkermord an den Ukrainern begeht!“ Das nächste „Sound of Peace“-Event ist für den 26. Mai an den Landungsbrücken in Hamburg geplant, auch setzt Navka ihre eigene Deutschland-Tournee fort.

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Das Projekt „Good Evening, we are from Ukraine“ verdankt seinen Namen wiederum einem im Oktober 2021 veröffentlichten, seit Kriegsbeginn ungemein populären Song des ukrainischen Elektroduos ProBass & Hardi. Politiker, Militärs und prominente Medienschaffende beginnen ihre Ansprachen und Videobotschaften mit diesem Satz, der Song ist zum Hit, der Slogan zum geflügelten Wort geworden – und zum inoffiziellen militärischen Gruß.

Am Mittwoch treten in Berlin die Rockband Bez Limi, Oleg Skripka und die Rapperin Alina Pash auf

Die nun von der TV-Moderatorin Elena Kravets, der Stand-up-Comedienne Natalia Garipova und dem Drehbuchautor und TV-Produzenten Yuriy Karagodin gegründete gleichnamige Initiative bringt Musiker:innen und Comedy-Künstler zusammen. Die ersten "Good Evening..."-Shows fanden in Polen zugunsten der Masha Foundation statt. Die Stiftung unterstützt ukrainische Kinder, die unter dem Krieg leiden Weitere Auftritte brachten die Künstler:innen nach München und Offenbach, auch Dublin und Prag stehen auf dem Tourneeplan.

Auch zum aktuellen Projekt „Sound of Ukraine“ erläutert Marco Neubauer, es sei aus dem Wunsch entstanden, den Deutschen die ukrainische Musik näherzugringen, als Teil des reichen kulturellen Erbes des Landes. „Leider wissen die Deutschen immer noch sehr wenig darüber.“ Auch hier werden Spenden gesammelt, denn der Krieg dauert an und „er darf nicht in Vergessenheit geraten“.

Der von Neubauers Team mitorganisierte „Sound of Ukraine“-Abend findet am Mittwoch, den 25. Mai statt (19 Uhr), im Showtheater im Estrel Berlin Hotel in der Sonnenallee. Noch eine gute Gelegenheit, den Klang der Ukraine besser kennenzulernen. Die Einnahmen kommen über die Stiftungen „Wächter des Lebens“ und „Für die Region Luhansk“ humanitären Projekten zugute.

Mit dabei sind diesmal Oleg Skripka, der Frontmann der Folk-Punk-Band Vopli Vidopliasova, der Sängerin und Songschreiberin Jerry Heil, die Rockband Bez Limi und die ukrainische Rapperin Alina Pash. Sie hatte ihre Eurovision-Song-Contest-Teilnahme wegen ungeklärter Fragen zu einer Krim-Reise 2015 zurückgezogen, nachdem sie im Februar zunächst den ESC-Vorentscheid für ihr Land gewonnen hatte. Erst danach rückte das Kalush Orchestra auf Platz Eins.
(Tickets über www.eventim.de)

Yulia Valova, Nadezhda Kulish

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