Deutsche Oper Berlin : Krieg will keinen Patriotismus

Lamento in Moll: Dirigent Juraj Valčuha und das Orchester der Deutschen Oper musizieren Schostakowitsch und Rachmaninow.

Dirigier- und Kompositionsstudium. Juraj Valčuha
Dirigier- und Kompositionsstudium. Juraj ValčuhaFoto: promo

Die Achte von Dmitri Schostakowitsch ist eine Kriegssymphonie, die weint. Was man in ihr kaum findet, ist Patriotismus. Geschrieben 1943, drückt sie Angst und Schmerz aus. In der Sowjetunion 1948 mit Aufführungsverbot belegt, wurde die Komposition erst 1956 rehabilitiert.

Dass dieses Meisterwerk einen tragischen Ausdruck vermittelt, ohne je larmoyant zu sein, ist in einer wunderbaren Interpretation durch das Orchester der Deutschen Oper Berlin zu erleben. Generalmusikdirektor Donald Runnicles hat sein Orchester so geformt, dass der Klang aller Streichergruppen homogen erscheint.

Mit Juraj Valčuha tritt ein Maestro ans Pult, der mit diesem Gewinn präzis und inspirierend umzugehen weiß. Als Erster Gastdirigent des Konzerthausorchesters ist er in dessen Leitungsteam neben Christoph Eschenbach und Iván Fischer der Dritte. Und eine aufleuchtende Farbe.

Die tiefen Streicher des Opernorchesters, Unisono und Dissonanz, Chromatik bis zum dreifachen Forte und verwehendes Pianissimo stehen für den Charakter eines Lamentos. Der erste Satz der achten Symphonie umschließt mit halbstündiger Dauer ein ausführliches Solo des Englischhorns, mit dem Chloé Payot bezaubert. Wo es im Folgenden marschartig tönt, heißt Valčuha Lesart, das Groteske des Scherzos zu hegen.

Die Qualität der Aufführung schlägt das Publikum in Bann mit dem Kolorit der feinen Soli von Fagott, Klarinette, Flöte, Piccolo, Horn, Trommel, mit den Gesängen der Bratschen, Violinen und Celli. Wenn im Finale Kammermusik herrscht und Pizzicato, verbietet sich ein sieghafter Schluss wie in der Leningrader Symphonie.

Jubel für einen Herbstabend in Moll

Gerade dieser musikalische Weg ins Pianissimo wird mit äußerster Konzentration geführt. Das Orchester, das die Kunst des Dirigenten sensibel aufgenommen hat, feiert ihn gemeinsam mit dem Publikum.

Es ist ein Herbstabend in Moll in der Deutschen Oper, denn sowohl die Symphonie als auch das vorangehende Stück stehen in c-Moll. Und doch gibt es am Ende Jubel auch hier: für einen Solisten, der das zweite Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow mit bewundernswert rundem und klarem Anschlag adelt. Simon Trpčeski aus Skopje, in seiner Heimat Nordmazedonien um die Förderung junger Talente bemüht, ist selbst ein Pianist ersten Ranges. Wer das Instrument so beherrscht und streichelt wie er, darf ein Klavierfetischist sein. Arpeggien werden zur kostbaren Begleitung des Orchesters, und leise triumphiert Geläufigkeit. Trpčeski ist Rachmaninow-Spezialist – und seine Virtuosität Dienst an der Partitur.

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