Deutsche Stiftung Denkmalschutz : Kritik am Abriss von Kirchen wegen Braunkohletagebau

Der Immerather Dom musste bereits dem Braunkohletagebau weichen, weitere Kulturdenkmäler sind gefährdet. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fordert ein Umdenken.

Trotz Greenpeace-Protesten. Letzte Woche musste die neoromanische Kirche dem Tagebau Garzweiler weichen.
Trotz Greenpeace-Protesten. Letzte Woche musste die neoromanische Kirche dem Tagebau Garzweiler weichen.Foto: H. Kaiser/dpa

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fordert eine Neubewertung der geplanten Zerstörungen von Bauten und Denkmälern im rheinischen Braunkohletagebau. Angesichts der Energiewende sei es ein misslungener Start in das Europäische Kulturerbejahr, wenn scheinbar selbstverständlich Kulturdenkmäler zur Disposition stünden, kritisierte die Stiftung und verlieh ihrer Enttäuschung Ausdruck. Vergangene Woche hatte das Unternehmen RWE Power den sogenannten Immerather Dom abreißen lassen: Der eigentlich unter Denkmalschutz stehende mächtige Kirchenbau St. Lambertus im umgesiedelten Erkelenzer Ortsteil Immerath musste den Baggern im Braunkohletagebau Garzweiler in Nordrhein-Westfalen weichen, trotz Protesten von Greenpeace.

Bereits verschwunden sind wegen des Tagebaus in der Region das mittelalterliche Wasserschloss Harff, das Rittergut Haus Paland, Gutshöfe, Kirchen und Friedhöfe. In den nächsten Jahren sollen die Erkelenzer Stadtteile Berverath, Keyenburg, Kuckum und Westrich umgesiedelt werden, auch dort gibt es Baudenkmäler. „Ihre Bedeutung für die Identität und das Heimatgefühl der Menschen in sich über Jahrhunderte entwickelnden Kulturlandschaften und Regionen bedarf dringend einer stärkeren Lobby,“ so die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Gerade zu Beginn des Europäischen Kulturerbejahres 2018 habe man sich trotz Energiewende eine „mutige“ Neubewertung der Notwendigkeit gewünscht, gewachsene Kulturlandschaften zugunsten der Kohle zu zerstören. Bei der jetzt aus wirtschaftlichen Gründen abgerissenen ehemaligen katholischen Pfarrkirche, die zum Bistum Aachen gehörte, handelt es sich um ein dreischiffiges neoromanisches Bauwerk. Die Stiftung ist nach eigenen Angaben die größte deutsche Privatinitiative für Denkmalpflege. dpa/epd/Tsp

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