Deutsches Symphonie-Orchester Berlin : Glückliches Miteinander

Robin Ticciati, das DSO und Mitsuko Uchida gestalten einen mitreißenden Konzertabend in der Philharmonie.

Isabel Herzfeld
Die Pianistin Mitsuko Uchida trat zum ersten Mal gemeinsam mit dem DSO auf.
Die Pianistin Mitsuko Uchida trat zum ersten Mal gemeinsam mit dem DSO auf.Foto: Decca/Justin Pumfrey

Welch hinreißender Beginn! In bester Laune stürmt Konzertmeister Wei Lu auf's Podium der Philharmonie; nicht weniger beschwingt tritt Robin Ticciati ans Dirigentenpult. Mit jedem Ton ist den Musikern des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin die Lust auf diese Musik anzuhören und anzusehen, in einer niemals nachlassenden Spannung und emotionalen Hingabe, die in ihrer Selbstverständlichkeit faszinierende Präzision hervorbringt.

„Don Juan“ von Richard Strauss, die genialische Sinfonische Dichtung eines 24-Jährigen, erklingt in blitzender Brillanz, die etwa den in großer Strauss-Tradition geübten Berliner Philharmonikern keineswegs nachsteht. Was soll man da mehr rühmen: Lus wunderbar klangvolles Violinsolo, den Schmelz der Cellisten Mischa Meyer und Dávid Adorján, die noch das scheinbar unwichtigste Pizzicato mit überwältigender Intensität in den Raum stellen, das strahlende Blech mit den in allem Siegestaumel weich tönenden Hörnern?

Das in jedem Detail geglückte und glücklich stimmende Miteinander des Orchesters hat Ticciati fest im leicht erscheinenden Griff. Überlegen gestaltet er die Dramaturgie der Strauss/Lenauschen Erzählung vom lebensüberdrüssigen Liebeshelden.

Mit Richard Wagners Vorspiel zu „Tristan und Isolde“ und „Isoldes Liebestod“ schließt Ticcati den Bogen des Programms, das Fragen zu Lebenslust und Tod berührt. Das erste Sehnsuchtsmotiv erhebt sich fragil aus den ohne Zwischenbeifall vorausgegangenen „Sechs Stücken für Orchester“ von Anton Webern, macht damit deren Erwachsen aus der Romantik deutlich. Harrison Birtwistles „Night's Black Bird“ (2004) operiert da eher rückwärtsgewandt mit Versatzstücken des Katastrophalen als diese feinsinnig „wie ein Hauch“ vorgetragenen Aphorismen an der Schwelle zur Atonalität.

Die Pianistin Mitsuko Uchida gibt endlich ihr DSO-Debüt

Zuvor gibt Mitsuko Uchida ihr lang ersehntes DSO-Debüt mit Ravels G-Dur-Klavierkonzert. Es ist noch vom Glanz des „Don Juan“ bestrahlt mit einer quirligen Transparenz und einer rhythmischen Verve, welche die „Riesenspieldose“ mit intelligentem Witz in Gershwin-Nähe rückt. Wunderbar ihre von unendlichem Atem getragenen, später glitzernd mit Flöte und Englischhorn verschmelzenden Kantilenen des Mittelsatzes.

Dass „Dame Uchida“ nach tosendem Beifall die zart hingetupfte Nr. 2 aus Arnold Schönbergs „Sechs kleinen Klavierstücken“ als Zugabe wählt, zeugt einmal mehr vom weiten, dabei unprätentiös der Musik dienenden Geist der Pianistin.

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