Fair Film Award in der Kulturbrauerei : Mehr Gerechtigkeit am Set

Ein Preis, der faire Bedingungen auf dem Filmset auszeichnet: Der Fair Film Award in der Kulturbrauerei.

Die Schauspielerin Lisa Jopt hielt einen Vortrag auf der Preisverleihung.
Die Schauspielerin Lisa Jopt hielt einen Vortrag auf der Preisverleihung.Foto: Promo

Die Vorwürfe gegen Dieter Wedel haben viele erstmals für die Arbeitsbedingungen bei Film und Fernsehen sensibilisiert. Denn entgegen landläufigen Vorstellungen geht es bei den meisten Drehs wenig glamourös zu: Mit überlangen Arbeitszeiten, starken Hierarchien und permanenter Unsicherheit ist der Druck groß. Fest angestellt ist so gut wie niemand. Und die langen Pausen zwischen den Aufträgen machen das Überleben zur Kunst.

Deswegen gibt es seit 2011 einen Preis, der nicht für gelungene Filmkunst vergeben wird, sondern für beispielhaft „faire“ Bedingungen auf dem Set. Ausgewählt werden die Preisträger in einem zweistufigen Verfahren erst durch Umfragen bei den Branchenbeschäftigten und dann durch gezielte Befragung aller Mitarbeiter der in den Kategorien Serie und Spielfilm sechs bestplatzierten Drehs. Dabei gehen die Kriterien für die Preiswürdigkeit vom Honorar über Gleichberechtigung bis zum Arbeitsklima und werden ständig weiterentwickelt.

Dieses Jahr wurde der von der Bundesvereinigung der Filmschaffenden-Verbände mit dem Branchennetzwerk Crew United ausgerichtete Fair Film Award schon vor der Berlinale-Eröffnung vergeben. Auffällig, dass schon unter den Nominierten keine kleinen unabhängigen Produktionen sind. Und mit der von der Bavaria produzierten ARD-Serie „Rentnercops“ und Sönke Wortmanns „Der Vorname“ (Constantin, Filmstart 18. Oktober) gingen auch beide Preise an die ganz Großen. Das ist kein böser Wille, schließlich wirtschaften viele unabhängige Arthouse-Produktionen kommerziell an der Grenze zum Abgrund.

Leidenschaftlicher Vortrag von Lisa Jopt

Die anwesenden Produktionsleitungen berichteten, dass bei beiden Gewinnern neben fairer Bezahlung und respektvollem Umgang auch „grünes“ Arbeiten zählte. Begleitet wurde die Preisverleihung in der Kulturbrauerei Berlin von einem Programm, bei dem der leidenschaftliche Vortrag der Bühnenschauspielerin Lisa Jopt mit einem kämpferischen Aufruf zu mehr Eigeninitiative glänzte. Jopt ist Initiatorin des erfolgreichen „Ensemble Netzwerk“, dem mit pfiffigen Aktionen und Chuzpe einige spürbare Erhöhungen bei den Niedriggagen mancher Stadttheater gelang.

Erstmals als Unterstützer dabei war Verdi, deren stellvertretender Vorsitzender Frank Werneke bei dem folgenden Panel darauf verwies, dass mit gewerkschaftlicher Unterstützung im technischen Bereich bei den Theatern sehr viel bessere Ergebnisse erzielt worden seien. Doch der Organisationsgrad im Film ist gering. Einig waren sich alle Panelteilnehmer über die Bedeutung, faire Produktionsbedingungen als Bedingung in die regionalen Filmförderungen einzuschreiben. Das wird in Baden-Württemberg nun erstmals geschehen.

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