Feine Sahne Fischfilet in der Zitadelle Spandau : Rosa Pyros gegen rechten Hass

Bei ihrem Konzert in der Zitadelle Spandau stimmen Feine Sahne Fischfilet schon auf die heutige Unteilbar-Demo ein. Die Veranstalter sorgen für Ärger.

Alexandra Ketterer
Jan "Monchi" Gorkow, der Frontmann von Feine Sahne Fischfilet, findet deutliche Worte gegen die Rechten aus seiner Heimat.
Jan "Monchi" Gorkow, der Frontmann von Feine Sahne Fischfilet, findet deutliche Worte gegen die Rechten aus seiner Heimat.Foto: Christoph Soeder/dpa

Jan „Monchi“ Gorkow steht mit geöffneten Armen am vorderen Rand der Bühne und dirigiert vier(!) Moshpits. „Wenn ihr durchdreht, dann kann ich das verstehen“, ruft der Sänger von Feine Sahne Fischfilet, und meint damit die horrenden Bierpreise in der Zitadelle Spandau. „Eine Katastrophe!“ Ein Großteil der Fans trägt Bandshirts, auf denen „Niemand muss nüchtern sein.“ steht. Um dem Ruf Taten folgen zu lassen, geben die Bandmitglieder ganze Kästen von Discounter-Bier an das Publikum weiter und spritzen Schnaps aus Feuerlöscher in die grölenden Gesichter.

Die hüpfende Menge aus Punks, Hippies, Hipster und Normalos, alt und jung, links und noch linker, kennt jedes Lied auswendig. Die Musik der mecklenburgischen Punkband ist derb, hymnenhaft und pathetisch ausgelassen. Die antifaschistische Haltung von Feine Sahne Fischfilet tritt nach dem Eklat um das abgesagte Konzert im Bauhaus Dessau im vergangenen Jahr deutlicher denn je zu Tage. Bei jeder Gelegenheit sprechen sie sich gegen rechtes Gedankengut und die Politik der AFD aus, die bei der letzten Landtagswahl 2016 in Mecklenburg-Vorpommern 20 Prozent der Stimmen einfuhr.

Im Einsatz für die Kunstfreiheit - und gegen die AfD

Natürlich gehört ihr Hit „Wut“, der 2015 erneut die Aufmerksamkeit des Verfassungsschutzes von Mecklenburg-Vorpommern erregte, auch in Berlin zum Repertoire. Von ihrem allerersten Album distanziert sich die Band dagegen schon lange - vor allem aber wegen der sexistischen und gewaltverherrlichenden Texte. Dem Verfassungsschutz brachten sie damals einen Geschenkkorb samt neuem Album vorbei, als Dank für die kostenlose Werbung. Nicht zuletzt Feine Sahne Fischfilet haben im gegenwärtigen gesellschaftlichen Klima eine Diskussion über Kunstfreiheit und den politischen Kulturkampf der AFD angestoßen.

Ihr Aufruf „Noch nicht komplett am Arsch“, den sie 2016 in Lesungen und bei Fußballspielen bis in ostdeutsche Jugendzentren brachten, klingt noch allen in den Ohren. Erst vor einigen Tagen wurden sie auf einem Konzert in Dresden mit einem Plakat empfangen: „Was reimt sich auf Zyklon B? Feine Sahne Fischfilet“. An den rechten Hass hat sich die Band längst gewöhnt, ihm wird in den sozialen Medien gekontert. Der Auftritt in der Zitadelle zeigt, dass sich Monchi und seine Jungs weder einschüchtern noch abhalten lassen.

Am Ende wird sogar der Punk-Klassiker "London Calling" angespielt

Die ausgelassene Stimmung trägt das gesamte Konzert. Bis in die hintersten Ränge pogen und klatschen die Fans. Monchi trommelt im Takt auf seinen nackten Bauch. Das Stück „Mit Dir“ will das Publikum gar nicht mehr enden lassen, es wiederholt den Refrain so lange, bis die Band wieder mit einstimmt. Am Ende jauchzen alle auf, als Gitarrist und Sänger Christoph Sell den Punk-Klassiker „London Calling“ von The Clash anspielt. Aber es geht auch nicht immer um Politik in den Songs von Feine Sahne Fischfilet.

Sie singen über Freundschaft, Solidarität, einen ordentlichen Suff und ihre Jugend an der Ostsee. Die Songs widmen die sechs ihren Eltern, der Thüringer "Die Linken"-Abgeordneten Katharina König-Preuss und allen, die „sich aktiv Nazis entgegenstellen“.

Vor und auf der Bühne wird ordentlich gezündelt, rosa Pyrotechnik-Wolken steigen in den Spandauer Himmel. Einige Fans brüllen linkspolitische Parolen und werden von Monchi ermahnt: „Hebt euch das für die Unteilbar-Demo in Dresden auf oder geht woanders Nazis blockieren. Hier ist, glaube ich, alles okay!“, sagt er mit seinem schelmischen Platt.

Da sie endlich auch mal die Wuhlheide ausverkaufen wolle, haben sie in der Zitadelle sogar einen Schlager dabei: „Wo niemals Ebbe ist“, eine herzliche Einladung nach MeckPomm. „Kommt mal vorbei“, ruft der Frontmann. „Die Ostsee würde euch gut tun!“ Feine Sahne Fischfilet würde man wirklich überall hin folgen.

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